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Mislintat als stiller Teilnehmer: VfB-Boss Wehrle stellt Lahm, Khedira und Gentner vor

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Von: Julian Baumann, Niklas Noack

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VfB-Präsident Claus Vogt, Sami Khedira, VfB-Vorstandsvorsitzender Alexander Wehrle, Philipp Lahm und Christian Gentner (von links nach rechts) stehen auf dem Rasen der Mercedes-Benz Arena in Stuttgart.
Verstärkung für den VfB Stuttgart: Sami Khedira, Philipp Lahm und Christian Gentner sollen die Strukturen des Vereins erweitern. © IMAGO/Julia Rahn

Der VfB Stuttgart verstärkt sich mit drei Rückkehrern. Philipp Lahm und Sami Khedira werden VfB-Boss Wehrle beraten, die Rolle von Christian Gentner wirft derweil Fragen auf.

Stuttgart - Es war eine große Überraschung, als der VfB Stuttgart am Sonntag, dem 11. September, bei der VfB-Mitgliederversammlung in der Porsche-Arena die Rückkehr dreier Legenden bekannt gab: Die Weltmeister Philipp Lahm und Sami Khedira, die künftig VfB-Boss Alexander Wehrle beraten werden und Christian Gentner, der nach seiner aktiven Karriere beim FC Luzern das Team von Sportdirektor Sven Mislintat als Leiter der Lizenzspielerabteilung verstärken wird. „Es war uns wichtig, zunächst die Mitglieder zu informieren, und dann die Presse“, sagte Wehrle bei der Vorstellung am Montag (12. September) stolz.

Bei der Pressekonferenz in der SoccerLounge der Mercedes-Benz Arena war neben den Hauptprotagonisten Lahm, Khedira und Gentner sowie dem Vorstandsvorsitzenden Wehrle auch VfB-Präsident Claus Vogt anwesend. Sportdirektor Mislintat war ebenfalls mit im Raum, allerdings nicht auf dem Podium, sondern als stiller Teilnehmer. In Bezug auf die Beweggründe, die drei Ex-VfB-Profis zurück in den Verein zu holen, sagte Wehrle man wolle sich breiter aufstellen. „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir Erfolg erzielen können, wenn wir eine Einheit bilden“, so der VfB-Chef. „Es ist ein gutes und starkes Zeichen, dass sich dieses Trio für den VfB entschieden hat.“

VfB Stuttgart: Khedira und Lahm werden keine Entscheidungen treffen

Wehrle sagte, dass er sich durch die Anstellung der drei Ex-Profis Impulse von Außen erhoffe. Während Khedira in Stuttgart geboren ist und seine ersten großen Erfolge, wie die deutsche Meisterschaft 2007, beim VfB feierte, war der gebürtige Münchener Lahm seine ersten Jahre als Profifußballer zur Leihe bei den Schwaben und reifte dort zum Nationalspieler. Beide sollen ab sofort den Vorstandsvorsitzenden unabhängig voneinander in verschiedenen Bereichen wie Abläufe und Funktionen beraten. „Wir haben mit Sven (Mislintat, Anm.d.Red.) jemand, der über eine hervorragende Expertise verfügt, was die Kaderplanung anbelangt“, sagte Wehrle. „Ich bin mir sicher, dass er sich freut, wenn andere Perspektiven mit einfließen.“

Diese anderen Perspektiven sollen demnach von Lahm und Khedira kommen, die jedoch beide betonten, beim VfB Stuttgart keine Entscheidungen zu treffen, sondern in erster Linie den Vorstandsvorsitzenden Wehrle zu beraten. Khedira machte zudem deutlich, dass es sich bei dem Engagement der drei Ex-VfB-Profis nicht um eine Verbesserung der Struktur, sondern um eine Erweiterung des bestehenden Systems handle. „Der VfB ist gut aufgestellt, er ist sehr gut aufgestellt“, meinte er.

VfB Stuttgart will mit Verstärkung „wieder mehr Spiele gewinnen als verlieren“

Beide Ex-Profis, die mit der Nationalmannschaft 2014 Weltmeister wurden, betonten zudem, dass sie das neue System gereizt habe, das es in dieser Form sonst nur selten gebe. „Das ist nicht alltäglich, dass ein Vorstandsvorsitzender Beratung von außen zu sich nimmt“, sagte Lahm. „Das hat mich einfach begeistert.“

Die beiden sollen nach Aussage von Wehrle beispielsweise bei der strategischen Kaderplanung für die Saison 2024/25 beratend zur Seite stehen. „Es wird die große Aufgabe sein, mit dem VfB in Zukunft wieder mehr Spiele zu gewinnen als zu verlieren“, so Lahm weiter. In der aktuellen Saison warten die Schwaben noch auf einen ersten Sieg, konnten gegen den Rekordmeister FC Bayern München aber immerhin einen Punkt mitnehmen.

Gentner hat den Großteil seiner Karriere beim VfB Stuttgart verbracht und ist derzeit beim FC Luzern in der Schweiz aktiv. Seine Karriere wird er aber früher als vertraglich festgelegt beenden, um am 1. Januar 2023 das Team von Mislintat zu verstärken. „Alex war sehr hartnäckig“, beschrieb Gentner das Werben des VfB-Chefs. „Der Gedanke ist dann immer mehr gereift, dass es ein toller Einstieg in ein neues Berufsfeld sein könnte.“

Wie genau die Aufgabe des geborenen Nürtingers aussehen wird, ist nicht klar, was bereits einige kritische Stimmen zur Folge hatte. Denn Gentner soll eng an der Seite von Mislintat arbeiten, mit dem er jedoch selbst noch gar nicht gesprochen hat. VfB-Boss Wehrle sagte außerdem, der 37-Jährige könne als Bindeglied zwischen Trainer Pellegrino Matarazzo und Sportdirektor Mislintat agieren.

Ob dies überhaupt nötig ist, dürften sich die beiden Beteiligten ebenfalls fragen. Für zusätzliche Brisanz sorgt bei diesem Thema die ausstehende Vertragsverlängerung von Mislintat. Manch ein Kritiker befürchtet, VfB-Chef Wehrle könnte den bei Fans beliebten Sportdirektor vergraulen.

Mit der Rückkehr von Lahm, Khedira und Gentner will sich der VfB Stuttgart jedenfalls in Sachen sportlicher Kompetenz breiter aufstellen. Am 11. September gab VfB-Boss Wehrle allerdings einen Umsatzverlust von 89 Millionen Euro für die Saison 2021/2022 bekannt, es stellt sich also die Frage, wie der Verein die Rückkehrer bezahlen will. „Sie haben die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des VfB anerkannt und kommen nicht in die Nähe des Gehalts eines Sportvorstands“, machte Wehrle bei der Pressekonferenz deutlich. „Danke für eure schwäbische Interpretation unserer Situation.“

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