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VfB Stuttgart unter der Lupe: Die Krise kommt nicht aus dem Nichts

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Von: Niklas Noack

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Die VfB-Profis stellen sich mit großer Enttäuschung den nach Wolfsburg mitgereisten Fans.
Die VfB-Profis stellen sich mit großer Enttäuschung den nach Wolfsburg mitgereisten Fans. © Pressefoto Rudel/Herbert Rudel/Imago

Der VfB Stuttgart steckt nach acht sieglosen Bundesligapartien in einer schlimmen Krise. Die Gründe dafür sind vielschichtig, wie die BW24-Analyse zeigt.

Stuttgart - Die Schwaben haben sich bemüht gezeigt, den Schalter umzulegen. Doch so ganz konnte der VfB Stuttgart beim VfL Wolfsburg seine Blockade nicht lösen und kassierte in der Nachspielzeit mit dem Gegentreffer zum 2:3 den nächsten herben Rückschlag.

Somit verschärften die Wölfe die Krise des VfB erheblich. Immerhin warten die Stuttgarter jetzt schon seit acht Bundesligapartien auf einen Sieg und in Fankreisen wird längst über VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo diskutiert, der nicht mehr unantastbar ist. Dem wird vor allem vorgeworfen, dass die Mannschaft in ihrer Entwicklung stagniert. Lediglich drei Bundesligasiege im Kalenderjahr 2022 sowie immer wiederkehrende Fehler geben den Kritikern diesbezüglich recht. Doch was steckt im Detail hinter der andauernden Schwabenkrise?

VfB Stuttgart: So schlitterten die Schwaben in die Krise

Als Ausgangspunkte für die aktuelle Flaute sind vor allem die Partien zu sehen, in denen der VfB trotz eines starken Auftritts keine drei Punkte einheimsen konnte. So verwies auch Sportdirektor Sven Mislintat zuletzt gerne darauf, dass man mit möglichen Siegen gegen den 1. FC Köln (0:0) oder beim SV Werder Bremen (2:2) deutlich besser dastehen würde. Gerade der Last-Minute-Ausgleich im Weserstadion hängt den Stuttgartern immer noch nach.

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Doch woran liegt es, dass Stuttgart immer wieder späte Tore kassiert?

Bei manch einer Erklärung Mislintats schwang mit, dem VfB hätte es in den engen Spielen lediglich an Glück gefehlt. Doch solche Last-Minute-Nackenschläge wie in Bremen oder gegen Wolfsburg einzig mit Pech zu erklären, wäre zu kurz gedacht. Denn schon in der Rückrunde der vergangenen Saison, als der VfB neunmal infolge sieglos blieb, hatte Trainer Matarazzo mit ähnlichen Problemen zu kämpfen.

VfB-Coach Matarazzo ist nach der Pleite gegen Wolfsburg enttäuscht.
VfB-Coach Matarazzo ist nach der Pleite gegen Wolfsburg enttäuscht. © Cathrin Müller/IMAGO

Die Schwierigkeiten des VfB Stuttgart sind nicht neu

Man muss sich nur an die Partien gegen den VfL Bochum (1:1) und die TSG 1899 Hoffenheim (1:2) erinnern, als Stuttgart an zwei Spieltagen infolge in der Nachspielzeit wichtige Punkte liegen ließ. In Hoffenheim war der VfB in der Schlussphase komplett von der Rolle und gab in den letzten fünf Minuten der regulären Spielzeit eine 1:0-Führung aus der Hand. Gegen Bochum war es Dinos Mavropanos, der mit einer unnötigen Grätsche im Strafraum den Elfmeter zum späteren 1:1-Ausgleich verursachte.

Unkonzentriertheiten, mit denen sich die VfB-Profis bis heute immer wieder das Leben schwer machen. Ob man dabei von den drei sinnlosen Roten Karten in dieser Saison spricht, von Torwartpatzern, oder von der fehlenden Zuordnung in der Abwehr beim 2:3-Treffer gegen Wolfsburg, bleibt unterm Strich stehen: Die Schwaben leisten sich vermeidbare und folgenschwere Fehler, die sie nicht abgestellt bekommen.

Der Offensivmotor des VfB Stuttgart stottert

Es ist aber nicht nur die Defensive, die Sorgen macht. Gerade hinsichtlich der ausbleibenden Entwicklung steht die Offensive im Fokus, die in dieser Spielzeit mit mangelnder Variabilität auffällt. Denn der VfB konzentriert sich zu sehr aufs Umschaltspiel und setzt dabei auf schnelle Angreifer wie Chris Führich, Tiago Tomas und Silas.

Das Problem dabei: Gegen tief stehende Gegner haben die Schwaben nicht genügend Raum, um die Flitzer in Szene zu setzen und das Spiel wirkt pomadig. In solchen Situationen fehlt ihnen dann häufig ein Kreativer, der mal einen Steckpass spielt. Eine Rolle, in die bislang mit Abstrichen Lilian Egloff schlüpfte, doch der verletzungsanfällige Youngster muss behutsam aufgebaut werden und ist noch lange kein Dauerbrenner.

Sasa Kalajdzic machte den VfB Stuttgart flexibler

So unflexibel wie in dieser Saison performte das Matarazzo-Team aber nicht immer. Besonders in der Spielzeit nach dem Wiederaufstieg kamen dem Stuttgarter Offensivspiel die Flanken von Borna Sosa zugute, die häufig im Kopfballungeheuer Sasa Kalajdzic den passenden Abnehmer fanden.

Doch diese Erfolgsvariante ging dem VfB flöten, da Kalajdzic den Abflug in Richtung Premier League machte. Mit Serhou Guirassy lotste Sportdirektor Mislintat zwar einen geeigneten Ersatz an den Neckar, der sein Können bereits aufblitzen ließ. Dass die Offensivabteilung allerdings noch an der Feinjustierung arbeiten muss, war ebenfalls sichtbar.

Für diese Probleme muss Trainer Matarazzo jetzt Lösungen finden. Klar ist, dass die Entwicklung der Mannschaft in seinem Verantwortungsbereich liegt und die Schwaben dringend punkten müssen, um den dritten Abstieg innerhalb von sieben Jahren zu verhindern. Noch genießt der Coach die Rückendeckung der Verantwortlichen, doch bei ausbleibendem Erfolg kann sich das im schnelllebigen Fußballgeschäft bald ändern. Inzwischen soll der VfB schon zwei Trainer als mögliche Nachfolger für Matarazzo im Blick haben, wie unter anderem HEIDELBERG24 berichtet.

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