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Saisonprognose: VfB Stuttgart schafft früh den Klassenerhalt - und dann?

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Von: Niklas Noack

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Pellegrino Matarazzo
VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo will zum dritten Mal in Folge den Klassenerhalt sichern. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Sascha Walther

Der VfB Stuttgart geht ins dritte Bundesligajahr in Folge. BW24 analysiert, was in dieser Saison für die Schwaben drin ist.

Stuttgart - Das Saisonfinale samt der Emotionsexplosion durch den Last-Minute-Klassenerhalt hallt in Stuttgart immer noch nach. Dieses Erlebnis habe das Team zusammengeschweißt, heißt es von den Verantwortlichen, die sich allerdings von der Euphorie nicht blenden lassen wollen. Trainer Pellegrino Matarazzo und Sportdirektor Sven Mislintat sind sich einig, dass sich solch eine über weite Strecken schwache Saison nicht wiederholen darf. Doch wozu ist der Kader der Schwaben diesmal imstande?

VfB Stuttgart: Florian Müller ist die Nummer eins im Tor

Auf der Torhüterposition ist der VfB gut aufgestellt. Florian Müller zeigte in seiner Premierensaison eine solide Leistung, auch, wenn er bislang nicht an die souveränen und außergewöhnlichen Leistungen seines Vorgängers Gregor Kobel (Borussia Dortmund) anknüpfen kann. Müller ließ in seinem Strafraumspiel Luft nach oben, klebte zu oft auf der Linie. Häufig wird er zudem dafür kritisiert, nicht die sogenannten „Unhaltbaren“ zu parieren. Mit Fabian Bredlow hat Stuttgart eine starke Vertretung, auf die Matarazzo im DFB-Pokal setzt.

In der Innenverteidigung vertraut der VfB, meist in Form einer Dreierkette, auf eine Mischung aus körperlich starken Defensivsakteuren sowie Spielern mit Köpfchen. Zu Ersterem gehören Waldemar Anton und Dinos Mavropanos, die mit einer Grundaggressivität verteidigen, aber auch mit Wucht den Weg nach vorne suchen. Hiroki Ito ist derweil einer, der ein ganz feines linkes Füßchen hat, mit dem er die Bälle klug und präzise vorne an den Mann bringt. Der Japaner ist außerdem in der Lage, einen Schnittstellenpass zu spielen.

Silas präsentiert sich in einer Top-Verfassung und könnte beim VfB Stuttgart für den Spaßfaktor sorgen

Von der linken Außenposition aus sorgt Borna Sosa für Tempo und gefährliche Flanken. In der vergangenen Saison gelangen dem kroatischen Nationalspieler in 28 Bundesligapartien satte acht Torvorlagen. Eine Alternative ist der aktuell verletzte Tanguy Coulibaly.

Auf rechts macht Josha Vagnoman einen guten Eindruck. Im Trainingslager bewies der Neuzugang vom Hamburger SV, dass er durchaus Flanken schlagen kann. Außerdem bringt er mit seinem brachialen Körperbau zusätzliche Robustheit ins VfB-Spiel.

Eine offensivere Variante wäre mit Silas Katompa Mvumpa auf dem rechten Flügel, der in der Vorbereitung den verletzten Sosa links ersetzt hatte. Silas ist zudem ein Kandidat für den Sturm, da seine Stärken besonders im Dribbling liegen. Er ist für die besonderen Dinge im Schwabenspiel zuständig und könnte für den Spaßfaktor sorgen. Nach seiner Seuchensaison mit einem Kreuzbandriss und einer Schulterluxation präsentiert sich Silas in einer Top-Verfassung und ist einer der Gewinner der VfB-Vorbereitung. Auch, weil er an Muskelmasse zugelegt hat.

Silas Katompa Mvumpa
Die Lust auf Fußball ist dem VfB-Profi Silas Katompa Mvumpa im Trainingslager deutlich anzusehen. © IMAGO/Pressefoto Rudel/Robin Rudel

Nach Untersuchungshaft auf Ibiza: Vergewaltigungsvorwurf gegen Atakan Karazor beschäftigt den VfB Stuttgart weiterhin

Zwischen Abwehr und Mittelfeld bewegte sich in der abgelaufenen Spielzeit Atakan Karazor, der mit seiner Ruhe am Ball ein wichtiger Stabilisator auf dem Weg zum Klassenerhalt war. Ob Karazor nochmal im Trikot mit dem Brustring aufläuft, ist fraglich. Gegen ihn laufen Ermittlungen wegen einer mutmaßlichen sexuellen Nötigung. Nach sechs Wochen Untersuchungshaft auf Ibiza wurde Karazor gegen eine Kaution aus dem Gefängnis entlassen. Sollte es zu keiner Anklage kommen, könnte er Mitte Oktober beim VfB wieder zum Einsatz kommen.

Atakan Karazor kehrt nach der Untersuchungshaft auf Ibiza zurück auf den Trainingsplatz des VfB Stuttgart.
Daumen hoch: VfB-Star Atakan Karazor ist zurück im Training. © Alexander Keppler/IMAGO

Wataru Endo bestimmt beim VfB Stuttgart den Rhythmus

Definitiv kompensieren muss der VfB den Abgang von Orel Mangala zu Nottingham im defensiven Mittelfeld. In der Vorbereitung spielte sich dort Naouirou Ahamada fest, der Zug zum Tor bewies. Ahamada soll an der Seite von Kapitän Wataru Endo wachsen, der als eine Art Metronom den Rhythmus bestimmt und als Herzstück des VfB-Spiels gilt. Endo ist derjenige, der seiner Kapitänsrolle gerecht wird und Verantwortung übernimmt. Und er kann wichtige Tore schießen, wie er mit dem Treffer zum Klassenerhalt gegen den 1. FC Köln eindrucksvoll bewies. Als Backup auf der Sechs gilt Nikolas Nartey, der mit einer Adduktorenverletzung erstmal ausfällt.

VfB Stuttgart hat mit Chris Führich einen neuen Chef im offensiven Mittelfeld

Im offensiven Mittelfeld hat sich Chris Führich festgespielt, der schon beim Sieg im DFB-Pokal gegen Dynamo Dresden andeutete, was er drauf hat. Sein Trumpf ist das Tempo, zudem zeigte er sich gewillt, Verantwortung zu übernehmen. Neben ihm soll Enzo Millot den nächsten Schritt machen, der in der vergangenen Saison mit einem Innenbandriss zu kämpfen hatte. In der Hinterhand hat Matarazzo Mateo Klimowicz. Doch der Sohn des ehemaligen Bundesligastürmers Diego Klimowicz stagnierte zuletzt in seiner Entwicklung und der VfB würde ihn gerne abgeben.

Bleibt der Sturm. Hier tummeln sich mit Darko Churlinov und Tiago Tomas zwei pfeilschnelle Spieler, die mit ihrer Dribbelstärke dem Gegner Kopfschmerzen bereiten. Zudem bringt Juan José Perea, der an seinen Helden Falcao erinnert, Wucht und Körperlichkeit mit. Neuzugang Luca Pfeiffer ist derweil der Angreifer, der mit seinem Zug zum Tor und seiner Abschlussstärke das passende Puzzleteil im offensiven Ensemble sein könnte. Für den SV Darmstadt 98 schoss der Stürmer in der abgelaufenen Spielzeit 17 Treffer. Pfeiffer ist vom Spielertyp jedoch kein Sasa Kalajdzic, für den er beim VfB als Backup eingeplant ist.

Sasa Kalajdzic könnte den VfB derweil verlassen. Unter anderem soll RB Leipzig am Stürmer interessiert gewesen sein, aber auch der FC Bayern München, Borussia Dortmund und Manchester United hatten ihn wohl auf dem Zettel. Ein fitter Kalajdzic wäre für die Schwaben Gold wert. In der Saison 20/21 traf der österreichische Nationalspieler in der Bundesliga 16 Mal.

Im Trainingslager des VfB Stuttgart in Weiler-Simmerberg äußert sich Sasa Kalajdzic zu seiner Zukunft.
VfB-Sturmriese Sasa Kalajdzic könnte Stuttgart verlassen. © IMAGO/Hansjürgen Britsch

VfB Stuttgart macht Klassenerhalt früh klar

BW24-Prognose: Der VfB Stuttgart hat sich punktuell gut verstärkt und mit den Neuverpflichtungen eine neue Körperlichkeit im Kader. Zudem ist Silas nach seiner Verletzung wieder voll einsatzbereit und wirkt stärker als je zuvor. Bleiben die Schwaben vom Verletzungspech verschont, tüten sie den Klassenerhalt früh ein und landen im Tabellenmittelfeld zwischen Platz 9 und 12. Manch ein VfB-Fan hält sogar das Erreichen der Conference League für realistisch.

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