Fußball-Bundesliga

Vor dem brisanten Abstiegsduell gegen Arminia Bielefeld: Vier Gründe für den Klassenerhalt des VfB Stuttgart

Stuttgarts Waldemar Anton (Mitte) jubelt nach seinem Tor zum 1:1 gegen den FC Augbsurg mit den Mannschaftskollegen Chris Führich (links) und Atakan Karazor (rechts).
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Chris Führich, Waldemar Anton und Atakan Karazor (von links nach rechts) wollen auch gegen Arminia Bielefeld wieder jubeln.

Vor dem nächsten Abstiegsduell bei Arminia Bielefeld ist die Hoffnung beim Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart zurück. Der Klassenerhalt scheint machbar. Doch gerettet ist der VfB noch lange nicht.

Stuttgart - Pellegrino Matarazzo weiß, dass die akute Abstiegsgefahr des VfB Stuttgart trotz des jüngsten Aufschwungs noch lange nicht gebannt ist. „Wir haben noch nichts erreicht“, warnte der Trainer des schwäbischen Fußball-Bundesligisten am Donnerstag. Beim Tabellenvorletzten Arminia Bielefeld geht es am Samstag (2. April, 15.30 Uhr) darum, nicht womöglich wieder auf einen Abstiegsplatz zurückzufallen. Mit einem Sieg könnten die Schwaben dagegen einen weiteren Schritt zum erhofften Klassenerhalt machen. Die Partie wird live im TV und per Stream übertragen.

„Mit jedem Erfolgserlebnis wächst man, und ich spüre noch mehr Glaube, noch mehr Energie“, sagte Matarazzo. Die Formkurve ist nicht der einzige Hoffnungsschimmer. Ein Pro & Contra im Abstiegskampf.

Vor der Partie gegen Arminia Bielefeld: Das spricht für einen Verbleib des VfB Stuttgart in der Fußball-Bundesliga

  • Psychologie: Wie lange steht der VfB noch auf? Das war eine dominierende Frage, nachdem die Schwaben während ihrer Negativserie Rückschlag um Rückschlag kassiert hatten. Die Stuttgarter gaben sich aber nicht auf. Gegen Borussia Mönchengladbach drehten sie das Spiel (3:2), bei Union Berlin gelang der späte Ausgleich (1:1) und auch gegen den FC Augsburg (3:2) meldete sich der VfB nach zwei Rückständen zurück. Moral und Mannschaftsgefüge sind intakt. „In den letzten Wochen liefen viele Dinge gut für uns“, bestätigte Abwehrspieler Waldemar Anton bei „VfB TV“.
  • Ruhe: Bei vielen anderen Club-Verantwortlichen wäre der Geduldsfaden wohl schneller gerissen. Das zeigt auch das Beispiel des Konkurrenten Hertha BSC. In Berlin musste Tayfun Korkut gehen. VfB-Sportdirektor Sven Mislintat verfiel trotz der lange ebenfalls miesen Punkte-Ausbeute nie in Unruhe. Das war in der Vergangenheit ganz anders, als sich der VfB oft sehr schnell von Trainern trennte. Auch die Abschiedsgerüchte um Borna Sosa, Sasa Kalajdzic, Orel Mangala und Konstantinos Mavropanos seien keine Störfaktoren, sagte Matarazzo: „Der entscheidende Punkt ist, dass ich in den Gesprächen spüre, dass die Spieler mit dem Kopf bei uns sind.“
  • Säulen: Matarazzo hat seine Spieler gefunden, auf die er sich im Abstiegskampf verlassen kann. Leistungsträger haben ihre Form wieder gefunden. Im defensiven Mittelfeld nimmt zudem inzwischen Atakan Karazor eine wichtige Rolle ein. „Er geht auf in seiner Führungsrolle“, findet Matarazzo. „Er ist voll fokussiert und erreicht auf dem Platz jeden Spieler, weil er auch laut sein kann.“
  • Restprogramm: Die Stuttgarter treffen noch auf drei Mannschaften aus dem unteren Drittel. Los geht es mit dem Spiel in Bielefeld. Später geht es noch zur Hertha, daheim steht das Spiel gegen Wolfsburg an. Der VfB hat also alles in der eigenen Hand.

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  • Individuelle Fehler: Allein Mavropanos hat in der Rückrunde drei Strafstöße verschuldet. Darüber müsse man mit dem Griechen reden, meinte Matarazzo kürzlich. Auch Torhüter Florian Müller war über die Saison hinweg gesehen nicht unantastbar.
  • Unerfahrenheit: Mit nicht einmal 23 Jahren im Schnitt stellt der VfB die jüngste Mannschaft der Liga. Routine könnte im Abstiegskampf ein entscheidender Faktor sein. Bielefeld weist beispielsweise einen im Schnitt fast zwei Jahre älteren Kader auf.
  • Abhängigkeit: Eine der wichtigsten Angriffsoptionen des VfB ist inzwischen lange bekannt: Flanken von Borna Sosa, Tore von Sasa Kalajdzic. Stellen sich die Gegner darauf ein, müssen die Schwaben schnellstmöglich Lösungen finden. Matarazzo ist darum bemüht.
  • Hypothek: Der VfB hat sich in eine missliche Lage manövriert, auch wegen der vielen Ausfälle in der Hinrunde. Die zwischenzeitlich lange Serie von neun Spielen ohne Sieg kann sich am Ende als zu langer Durchhänger erweisen. Trotz des jüngsten Aufschwungs und des Sprungs auf Tabellenplatz 14 liegt der VfB mit den anderen Abstiegskandidaten eng beieinander. Der VfB, Hertha und Augsburg haben jeweils 26 Punkte, Bielefeld liegt nur einen Zähler zurück.

VfB Stuttgart zu Gast bei Arminia Bielefeld: Mustervorarbeiter Borna Sosa droht auszufallen

Personell hat Trainer Pellegrino Matarazzo nach der Länderspielpause, während der neun VfB-Akteure für ihre Nationalmannschaften im Einsatz waren, wieder fast alle Mann an Bord. Ausgerechnet Stuttgarts Assist-König Borna Sosa kam jedoch mit „mit leichten Adduktorenproblemen“ von der kroatischen Auswahl zurück - und das, obwohl er ohne Einsatz geblieben war. Laut Matarazzo stehe hinter seinem Einsatz noch ein Fragezeichen.

Interessant wird auch zu sehen sein, wie gut Sasa Kalajdzic und Omar Marmoush ihre jeweiligen Niederlagen bei der Qualifikation für die Weltmeisterschaft im Dezember in Katar verkraftet haben. Marmoush unterlag mit Ägypten der Mannschaft Senegals im Elfmeterschießen mit 1:3, Kalajdzic und Österreich zogen beim 1:2 gegen Wales um Doppeltorschütze Gareth Bale den Kürzeren. Natürlich seien beide enttäuscht, erklärte Matarazzo. Der Trainer ist sich jedoch sicher, dass sie „bis Samstag wieder den Fokus voll auf Bielefeld legen können“. (dpa/olt)

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