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Offene Mislintat-Zukunft und Trainer mit begrenztem Vertrauen: Warum der VfB ein katastrophales Bild abgibt

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Von: Niklas Noack

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Der VfB Stuttgart gibt unter anderem bei der Trainersuche kein gutes Bild nach außen ab. Zudem könnten die Tage von Sven Mislintat als Sportdirektor der Schwaben gezählt sein.

Stuttgart - Ein Mann, ein Wort. Das passte zu Sven Mislintat, der beim VfB Stuttgart mehr als zweieinhalb Jahre mit Trainer Pellegrino Matarazzo kontinuierlich arbeitete. Lief es mal nicht, wie im Jahr 2020, als nach mehreren schwachen Auftritten der Bundesligaaufstieg auf dem Spiel stand, stellte sich der Sportdirektor schützend vor seinen Coach und sprach ihm unabhängig vom Saisonausgang eine Jobgarantie aus.

Eine Stringenz, die Mislintat bei der in den Augen vieler zu frühen Freistellung Matarazzos, bis hin zu einer seltsamen Nachfolgeregelung zuletzt vermissen ließ. Hieß es zunächst deutlich, Michael Wimmer, wohlgemerkt der Ex-Co-Trainer Matarazzos, solle nur vorübergehend übernehmen, ist dieser inzwischen die erste Wahl der VfB-Bosse für eine dauerhafte Lösung.

VfB Stuttgart: Trainersuche wirft ein schlechtes Licht auf die Verantwortlichen

Um beweisen zu können, dass Wimmer der richtige Mann am richtigen Ort ist, wurden ihm die vier ausstehenden Partien bis zur WM-Pause zugesichert. Eine seltsame Entscheidung, die vom Sportdirektor ausgerechnet nach einer 0:5-Klatsche des VfB bei Borussia Dortmund kommuniziert wurde. Wie der bis dato favorisierte Trainerkandidat Jess Thorup diesen Entschluss aufgenommen hat, darüber lässt sich nur spekulieren. Öffentlich hat sich dadurch jedoch der Eindruck verfestigt, dass man beim VfB vom Dänen nicht vollends überzeugt ist.

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So ist die Stuttgarter Trainersuche längst zu einem schwammigen Eiertanz verkommen, der nicht zu dem Mislintat passt, der einst kompromisslos den eingeschlagenen VfB-Weg der Kontinuität verfolgte. Die Ursache dafür liegt aber auf der Hand. Denn Mislintats Zukunft ist bei den Schwaben mehr als fraglich und schon jetzt hat der Sportdirektor, dessen Vertrag im Sommer 2023 ausläuft, an Kompetenzen eingebüßt: Genoss er unter dem ehemaligen Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger noch außergewöhnliche Freiheiten, schaut ihm dessen Nachfolger Alexander Wehrle dagegen ganz genau auf die Finger.

Vorstandsboss Alexander Wehrle stellt den VfB Stuttgart breiter auf

In diesem Zuge strukturierte der VfB-Vorstandsvorsitzende die sportliche Führung neu und verpflichtete Philipp Lahm und Sami Khedira als Berater. Vor allem letzterer spricht bei wichtigen Entscheidungen längst mit und war unter anderem Teil der Gesprächsrunde, an dessen Ende die Entlassung Matarazzos stand. Ebenfalls sind Lahm und Khedira neben Wehrle in dem Team, das sich mit Mislintat auf die Suche nach einem neuen VfB-Trainer gemacht hatte.

Unterm Strich hat sich der Traditionsklub also breiter aufgestellt, womit Mislintat an sich kein Problem hat. „Das beste Argument gewinnt“, predigte er zuletzt stets, wenn er auf die Zusammenarbeit in der sportlichen Führung angesprochen wurde. Dennoch macht es nach außen weiterhin nicht den Eindruck, dass man an einem Strang zieht. Auch, weil die Vertragsgespräche mit Mislintat bis zur WM-Pause auf Eis gelegt wurden.

So gibt der VfB alles in allem mal wieder ein katastrophales Bild ab: Man hat einen Trainer, dem nur für die kommenden vier Spiele das Vertrauen ausgesprochen wurde und einen Sportdirektor, dessen Tage in Stuttgart gezählt sein könnten. Eine Situation, die am Ende Vorstandsboss Wehrle zu verantworten hat.

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