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Kampf der Kulturen beim VfB Stuttgart: Nicht Mislintats Show

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Von: Niklas Noack

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Alexander Wehrle und Sven Mislintat vom VfB Stuttgart ziehen derzeit nicht an einem Strang.
Ziehen gerade nicht an einem Strang: VfB-Boss Alexander Wehrle und Sportdirektor Sven Mislintat. © Fotomontage BW24/IMAGO/Sportfoto Rudel

Beim VfB Stuttgart könnte ein Kampf der Kulturen bevorstehen. Lassen sich die unterschiedlichen Vorstellungen des Vorstandsvorsitzenden Wehrle und Sportdirektor Mislintat unter einen Hut bringen?

Stuttgart - Alexander Wehrle ist ein guter Redner. Das bewies der Vorstandsvorsitzende des VfB Stuttgart einmal mehr auf der Mitgliederversammlung am Sonntag (11. September). Emotional baute er einen Spannungsbogen auf, bevor er voller Stolz die Bombe platzen ließ: Wehrle ist es gelungen, die verlorenen Söhne Philipp Lahm, Sami Khedira und Christian Gentner vom Verein für Bewegungsspiele zu überzeugen.

Die Weltmeister Lahm und Khedira werden dem Stuttgarter Boss ab sofort als Berater mit Rat und Tat zur Seite stehen, während der langjährige VfB-Kapitän Gentner Sportdirektor Mislintat unterstützen soll. Was genau der Aufgabenbereich der drei Herren sein wird, ließ Wehrle allerdings offen, was im Umfeld des Traditionsvereins für Unruhe sorgt.

VfB Stuttgart: Der unausgereifte Plan mit Christian Gentner

Besonders hinsichtlich der Verpflichtung von Gentner, der zum 1. Januar 2023 seine Arbeit als Leiter der Lizenzspielerabteilung aufnehmen wird, herrscht Unklarheit. Nicht nur in der Öffentlichkeit, wie nach Wehrles Rede bei der Mitgliederversammlung die After-Show-Einlage am Tag danach zeigte.

So wurde bei der Vorstellungspressekonferenz deutlich, dass der Plan mit Gentner alles andere als ausgereift ist. Der ehemalige Stuttgarter Kapitän, der aktuell beim FC Luzern noch selbst kickt, kündigte nämlich an, erst in den kommenden Wochen mit Mislintat über die mögliche Rollenverteilung zu sprechen. Und generell habe er mit dem Sportdirektor bislang kein Wort über das anstehende Engagement gewechselt.

Mislintat selbst soll außerdem kurzfristig vor vollendete Tatsachen gestellt worden sein. Bei der Pressekonferenz war er zwar vor Ort, ging aber auf Distanz. Nur als Zuschauer verfolgte er, wie Vorstandschef Wehrle und Präsident Claus Vogt stolz ihren Legenden-Coup verkündeten. Was der Sportdirektor von dem Spektakel hielt, machte er im Anschluss gegenüber der Bild deutlich: „Das ist deren Show, nicht meine!“

Verantwortliche des VfB Stuttgart tragen unterschiedliche Vorstellungen nach außen

Mislintats Show-Vorwurf ist nachvollziehbar. Immerhin stellt sich die Frage, weshalb man Berater pompös bei einer Pressekonferenz vorstellt, wenn man gleichzeitig Fragen nach deren konkreten Aufgaben offen lässt. Und weshalb präsentiert man einen verdienten Ex-Spieler als Leiter der Lizenzspielerabteilung, ohne klare Vorstellungen zu haben, welchen Mehrwert dieser bietet?

Wehrle erklärte, Gentner solle als Bindeglied zwischen Mislintat und Trainer Pellegrino Matarazzo agieren, was für noch größere Verwunderung sorgte, da die beiden schon seit zweieinhalb Jahren zusammenarbeiten und nicht gerade den Eindruck erwecken, als bräuchten sie einen Vermittler.

Somit trugen die VfB-Verantwortlichen mit ihrem Auftreten in den vergangenen Tagen nach außen, sich uneins zu sein, was vielen Fans, die in der Vergangenheit ein feines Gespür für falsche Entwicklungen ihres Vereins bewiesen haben, Sorgen bereitet. Es herrscht die Angst vor, Wehrle und Vogt würden den bei Anhängern beliebten Mislintat vergraulen.

Das werden intensive Gespräche, in denen es ein paar Dinge zu besprechen gibt. Wir sind beide keine angenehmen Gesprächspartner, das wird bestimmt eine interessante Sache.

Alexander Wehrle, Vorstandsvorsitzender des VfB Stuttgart, über die anstehende Vertragsverhandlung mit Sven Mislintat

Lässt sich die Philosophie von VfB-Sportdirektor Sven Mislintat mit der Linie von Wehrle und Vogt vereinen?

Fakt ist, dass der Vertrag des Sportdirektors im kommenden Sommer ausläuft und bislang keine Gespräche geführt wurden. Vorstandsboss Wehrle will sich nicht unter Druck setzen lassen: „Ich werde mir die Zeit nehmen, um eine gute Entscheidung im Sinne des VfB zu treffen. Wir kennen uns jetzt schon ein paar Monate. Das werden intensive Gespräche, in denen es ein paar Dinge zu besprechen gibt. Wir sind beide keine angenehmen Gesprächspartner, das wird bestimmt eine interessante Sache.“

Mislintat hat sich in seinem aktuellen Vertrag absichern lassen, dass er in Sachen Transfers das letzte Wort hat, was ihm der damalige Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger zugestanden hatte. Es soll für Mislintat Voraussetzung gewesen sein. Eine Machtfülle, die Wehrle aber zu viel sein könnte. Weshalb sollte der Vorstandschef sich sonst mit Lahm und Khedira zwei Charakterköpfe an die Seite holen, die ihn unter anderem in Sachen Kaderplanung beraten, wenn er am Ende trotzdem nur die Unterschrift zum Durchwinken setzen darf?

Abgesehen davon ist unklar, ob Wehrle und Mislintat überhaupt zusammen passen. Während der Sportdirektor mit seinen Vertrauenspersonen Markus Rüdt (Sportkoordinator) und Thomas Krücken (Leiter NLZ) sowie Trainer Matarazzo für nüchterne analytische Arbeit steht, erwecken Wehrle und Vogt derzeit den Eindruck, sich in den Vordergrund drängen zu wollen. An einem Strang ziehen die Verantwortlichen jedenfalls nicht und es könnte sich ein Kampf der Kulturen beim VfB entwickeln. Dabei wird es spannend, zu beobachten, ob sich die unterschiedlichen Vorstellungen unter einen Hut bringen lassen.

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