Schwieriges Unterfangen

Tedesco-Absage: Mislintats ungewisse Zukunft erschwert Trainersuche beim VfB Stuttgart

Domenico Tedesco ist nicht mehr Trainer von RB Leipzig.
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Domenico Tedesco will nicht zum VfB Stuttgart.
  • Niklas Noack
    VonNiklas Noack
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Die Trainersuche beim VfB Stuttgart gestaltet sich schwierig. Ein Problem macht die Absage von Domenico Tedesco deutlich.

Stuttgart - Es hätte eine gewöhnliche Trainingseinheit des VfB Stuttgart sein können, die Michael Wimmer am Dienstagmittag (12. Oktober) leitete. Allerdings gab er eben nicht mehr als Assistent den Profis Anweisungen, sondern in der Funktion des Interimstrainers. Und sein bisheriger Chef, Pellegrino Matarazzo, ist bei den Schwaben inzwischen Geschichte. Statt auf dem Platz zu stehen, verabschiedete sich der Italoamerikaner von der Mannschaft und fuhr vom Hof der Stuttgarter Geschäftsstelle.

Am Montagabend (10. Oktober) hatte der VfB Stuttgart die Entlassung Matarazzos bekannt gegeben. Eine Entscheidung, die Sven Mislintat leid tat, wie er glaubhaft versicherte. Doch die Trennung war nach der miserablen Punkteausbeute „unausweichlich“, sagte der Sportdirektor.

VfB Stuttgart: Mislintat verhandelte bis zur Matarazzo-Entlassung mit keinem Nachfolger

Aus Respekt gegenüber seinem ehemaligen Trainer, der für ihn in den zweieinhalb Jahren auch ein Freund geworden ist, hatte er bis zur Entlassung Matarazzos noch mit keinem potenziellen Nachfolger verhandelt. Inzwischen läuft die Trainersuche allerdings auf Hochtouren und es gab erste Gespräche, bei denen sich bereits Probleme offenbarten.

Einer der Kandidaten soll Zsolt Löw gewesen sein, der unter anderem als Co-Trainer von Thomas Tuchel gearbeitet hatte. Löw pflegt ein gutes Verhältnis zu Mislintat und wurde bereits nach der Entlassung von Markus Weinzierl beim VfB gehandelt. Jedoch soll er nach übereinstimmenden Medienberichten aus dem Rennen sein. Auch, weil Löw seiner Familie, die in London lebt, nicht schon wieder einen Umzug zumuten möchten, meldete die Stuttgarter Zeitung.

Tedesco zeigte sich gegenüber dem Projekt des VfB Stuttgart skeptisch

Ein weiterer Coach, mit dem der VfB sprach, war Domenico Tedesco. Der Ex-Leipzig-Trainer bringt vieles mit, was der verunsicherten Stuttgarter Mannschaft hätte weiterhelfen können. Denn der 37-Jährige versteht etwas von offensivem Ballbesitzfußball, weiß aber zudem, wann es an der Zeit ist, den Fokus auf Basics wie Disziplin und Leidenschaft zu legen.

Laut der Stuttgarter Zeitung ist Tedesco vom VfB aber nicht überzeugt gewesen. Unter anderem, weil die Zukunft von Mislintat ungeklärt ist. Der Vertrag des Sportdirektors läuft 2023 aus und unklar ist, ob sich Mislintat und Vorstandsboss Alexander Wehrle auf eine weitere Zusammenarbeit einigen können. Einen ersten Streit gab es zwischen den beiden, da Wehrle ohne Mislintats Wissen Christian Gentner als Leiter der Lizenzspielerabteilung verpflichtete. Der Ex-VfBler soll aber ab 1. Januar 2023 eng an der Seite des Sportdirektors arbeiten.

Sebastian Hoeneß ist ein Kandidat für die Nachfolge von Matarazzo beim VfB Stuttgart

Nach dem Disput einigten sich Wehrle und Mislintat darauf, weitere Vertragsgespräche auf die Winterpause zu verlegen. Ein Umstand, der bei der aktuellen Trainersuche sicherlich nicht hilfreich ist. Immerhin ist der Sportdirektor derjenige, der den Coach einstellt und anschließend sein erster Ansprechpartner ist.

Die Kunst ist es jetzt, trotz dieser schwierigen Ausgangslage einen geeigneten Matarazzo-Nachfolger zu finden. Sebastian Hoeneß, zuletzt bei der TSG 1899 Hoffenheim, soll laut Sky einer der heißen Kandidaten sein. Allerdings vermeldete der Bezahlsender am Vortag ähnliches zu Löw, der inzwischen wohl absagte. Zudem ist die Frage, ob Hoeneß der Mann ist, der beim VfB für den Umschwung sorgen könnte. Immerhin scheiterte er bei der TSG daran, die Mannschaft weiterzuentwickeln und bis auf die zwei Jahre im Kraichgau fehlt es dem Sohn von Ex-VfB-Funktionär Dieter Hoeneß an weiterer Bundesligaerfahrung.

So scheint es aktuell, als würde Interimstrainer Wimmer beim Krisengipfel gegen den VfL Bochum an der Seitenlinie stehen. Für den bisherigen Co-Trainer keine ganz neue Situation. Schon bei der Partie gegen den FC Schalke 04 musste Wimmer für den damals gesperrten Matarazzo einspringen.

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