Thomas Hitzlsperger spricht

VfB Stuttgart wegen Coronavirus im Ausnahmezustand: „So kenne ich den Verein nicht“

VfB-Vorstandsvorsitzender Thomas Hitzlsperger spricht auf einer Pressekonferenz in ein Mikrofon
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Das Coronavirus trifft den VfB Stuttgart hart: Vorstand Thomas Hitzlsperger kündigt Gehaltsverzicht an
  • Sabrina Hoffmann
    vonSabrina Hoffmann
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Der VfB Stuttgart leidet unter den gravierenden Folgen des Coronavirus für die Wirtschaft in Baden-Württemberg. Deshalb verzichten Mario Gomez, Holger Badstuber & Co. auf Gehalt.

  • Dem VfB Stuttgart drohen wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg finanzielle Schwierigkeiten
  • Einnahmen in Millionenhöhe aus Ticketverkäufen und TV fehlen dem Fußballverein aus der 2. Bundesliga
  • VfB-Vorstandsvorsitzender Thomas Hitzlsperger und die Spieler verzichten nun auf Gehalt

Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg hat gravierende Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Wirtschaft im Bundesland. Auch der VfB Stuttgart muss handeln. Nachdem die Rückrunde der 2. Bundesliga wegen der Ausbreitung von Covid-19 ausgesetzt worden war, pausierte der Fußballverein auch das Training. Der US-Italiener Pellegrino Matarazzo (42) hatte erst im Dezember als neuer VfB-Stuttgart-Trainer angefangen, sollte den Club zurück in die 1. Bundesliga führen.

Nun herrscht wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg Ausnahmezustand - und auch der VfB Stuttgart kämpft mit den Folgen. Das öffentliche Leben in der Region Stuttgart kam durch Kontaktsperre und Schließungen fast vollständig zum Erliegen. Unternehmen geraten in finanzielle Not. Dem VfB Stuttgart fehlen in der Corona-Krise Einnahmen durch TV und Ticketverkauf.

Coronavirus trifft VfB Stuttgart hart: Spieler verzichten auf Gehalt, um Krise abzuwenden

Die Profis des VfB Stuttgart verzichten in Zeiten von Covid-19 auf Teile ihres Gehalts. So wollen die Spieler verhindern, dass der VfB in finanzielle Schwierigkeiten gerät - denn das Coronavirus bedroht die Wirtschaft in Baden-Württemberg massiv. Mario Gomez (34), Holger Badstuber (31) und andere Profi-Fußballer vom VfB Stuttgart könnten bis zu 20 Prozent weniger Gehalt bekommen, wenn die Rückrunde der 2. Bundesliga abgebrochen wird. Sollte die Saison mit Geisterspielen ohne Zuschauer fortgesetzt werden, wären die Gehaltseinbußen nicht ganz so hoch.

Außerdem macht es der VfB Stuttgart anderen Konzernen und Unternehmen in Baden-Württemberg wie Daimler oder Bosch nach und beantragt für 300 Mitarbeiter Kurzarbeit. Diese Regelung gilt ab April und ist in der Geschichte des Fußballvereins bisher einmalig. Beim VfB gab es noch nie Kurzarbeit.

Auch der VfB-Vorstandsvorsitzende Thomas Hitzlsperger (37) verzichtet wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg auf Geld. Er selbst habe sich „ganz oben angesiedelt“, was den Gehaltsverzicht beim VfB Stuttgart angehe. Thomas Hitzlsperger sagte bei einer Pressekonferenz: „Alle haben erkannt, dass diese Situation etwas ist, worauf wir uns nicht vorbereiten konnten, aber jetzt handeln müssen. Der Gehaltsverzicht ist ein wichtiger Aspekt. Das zeigt, dass auch die Spieler verstanden haben, dass sie finanziell mithelfen können. Davon geht auch ein Signal an alle Mitarbeiter des Vereins raus.“

VfB Stuttgart verliert wegen des Coronavirus Einnahmen in Millionenhöhe

Die Saison in der 1. und 2. Bundesliga wurde zunächst bis zum 30. April ausgesetzt. Was danach passiert, hängt von der weiteren Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg und anderen Ländern ab. Auf Einnahmen aus dem Ticket-Verkauf wird der VfB Stuttgart wegen des Coronavirus auf jeden Fall verzichten müssen. Zuschauer wird es bei den Fußballspielen ab Mai wegen Covid-19 mit Sicherheit nicht geben. Es wären Geisterspiele, da bei einer Veranstaltung mit Tausenden Zuschauern im Stadion das Infektionsrisiko zu groß wäre.

Die finanziellen Ausfälle aus dem Ticketverkauf treffen den VfB Stuttgart und andere Vereine in Baden-Württemberg und in ganz Deutschland hart. Schlimmer wird es noch, wenn die Rückrunde der 2. Bundesliga wegen des Coronavirus ganz abgebrochen werden muss. Denn dann muss der VfB Stuttgart auch ohne die 6,5 Millionen Euro an TV-Einnahmen auskommen, die dem Fußballverein durch die Ausstrahlung der Spiele im Fernsehen normalerweise zustehen. Auch die Einnahmen aus dem Sponsoring würden dem VfB fehlen, wenn die Saison wegen des Coronavirus abgebrochen werden würde. Bisher habe noch keiner der Sponsoren des VfB Stuttgart sein Engagement bei dem Fußballverein reduziert, sagte Thomas Hitzlsperger.

Kündigungen wegen der durch das Coronavirus in Baden-Württemberg drohenden Wirtschaftskrise gab es beim VfB Stuttgart noch nicht. „Es muss das Ziel sein, dass wir durch diese Krise, für die keiner was kann, gemeinsam durchkommen. Jeder muss mithelfen“, sagte Thomas Hitzlsperger bei der Pressekonferenz. Der Vorstandvorsitzende der Stuttgarter macht sich keine Sorgen, um die Existenz des VfB. „Wirtschaftlich sind wir solide aufgestellt, so dass wir nicht gleich Angst kriegen müssen“, sagte Thomas Hitzlsperger. „Aber unsere Basis sind Fußballspiele, dieses Kerngeschäft bricht aktuell weg.“

VfB Stuttgart setzt Training aus: Mario Gomez, Holger Badstuber & Co. trainieren zu Hause

Weil wegen des Coronavirus das Training des VfB Stuttgart nicht mehr stattfindet, trainieren Mario Gomez, Holger Badstuber, Daniel Didavi und die anderen Profis alleine in ihrem zu Hause in Baden-Württemberg. VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo kann höchstens aus der Ferne Anweisungen zum Training geben. Auf Instagram veröffentlichte zum Beispiel Holger Badstuber ein Foto davon, wie er auf seiner Terrasse offensichtlich ein Cardio-Workout macht und schreibt: „Hausaufgaben erledigt. Vermisse das Gras unter meinen Füßen.“

Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg hat die Landesregierung alle Sportstätten bis zum 15. Juni geschlossen. Deshalb ist das Vereinsgelände des VfB Stuttgart derzeit nahezu verlassen. „Das ist eine ganz neue Situation. Ich kenne den VfB so auch nicht. Hier war immer Leben in der Bude. “, sagte der VfB-Vorstandsvorsitzende Thomas Hitzlsperger in einem Video, das der VfB Stuttgart auf seiner Homepage veröffentlichte. „Der Verein mit seinen Mitgliedern und Mitarbeitern war irgendwie auch immer laut - auf eine angenehme Art und Weise. Und plötzlich sieht man nur noch wenige Menschen, wenn man hier die Gänge entlanggeht.“

Der VfB Stuttgart möchte das Training trotz der schwierigen Situation rund um das Coronavirus in Baden-Württemberg bald wieder aufnehmen. Deswegen führt der VfB-Vorstandsvorsitzende Thomas Hitzlsperger Gespräche mit Politikern und anderen Fußballvereinen im Bundesland. „Wir tauschen uns da aus“. sagte Thomas Hitzlsperger.

Mit Material der dpa

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