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VfB Stuttgart ignoriert Tatsache im Fall Atakan Karazor und kehrt zu früh zur Normalität zurück

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Von: Niklas Noack

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Atakan Karazor vom VfB Stuttgart applaudiert.
VfB-Star Atakan Karazor darf wieder Bundesliga spielen. © Michael Weber/IMAGO

Atakan Karazor feierte gegen RB Leipzig sein Comeback auf der großen Bundesligabühne. Das laufende Verfahren gegen ihn, wegen einer mutmaßlichen sexuellen Nötigung, blendet der VfB Stuttgart vorerst aus und ermöglicht seinem Profi zu früh den Weg zurück zur Normalität. Ein Kommentar.

Stuttgart - Kurz vor dem Ende der Partie war die Spannung zum Greifen nah. Aber nicht wegen des Geschehens auf dem Feld, sondern vor allem mit Blick auf die Ersatzbank des VfB Stuttgart. In der 90. Minute war es dann so weit: Atakan Karazor, der zuletzt auf Ibiza sechs Wochen in Untersuchungshaft saß, betrat den Rasen und feierte gegen RB Leipzig sein Comeback.

Doch entgegen sämtlicher Befürchtungen waren von den Rängen nur vereinzelte Pfiffe und Buhrufe zu hören und es überwog ein unterstützender Applaus. Für Karazor, gegen den ein Verfahren wegen mutmaßlicher sexueller Nötigung läuft, ist damit der Schritt zurück in eine vermeintliche Normalität vollzogen.

VfB Stuttgart will den Fall Atakan Karazor nicht mehr kommentieren

Ein Schritt, der vom VfB forciert wurde. Auch, weil Atakan Karazor sportlich ein wichtiger Faktor im Spiel der Schwaben ist. Allerdings ignoriert der Klub dabei die Tatsache, dass der 25-Jährige nur gegen eine Zahlung einer Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen wurde. Eine mögliche Anklage gegen Karazor sowie die Frage, ob unschuldig oder schuldig, steht weiterhin im Raum, spielt beim VfB aber keine Rolle mehr.

Wir haben genug darüber gesprochen.

Sportdirektor Sven Mislintat über den Fall Atakan Karazor

Man wolle den Fall erst wieder kommentieren, wenn es neue Erkenntnisse gebe, sagte Sportdirektor Sven Mislintat nach dem Spiel gegen Leipzig und machte keinen Hehl daraus, genervt von der Karazor-Thematik zu sein: „Wir haben genug darüber gesprochen.“

Atakan Karazor vom VfB Stuttgart wärmt sich vor der Partie gegen RB Leipzig auf.
Atakan Karazor (Mitte) beteuert weiterhin seine Unschuld. © Pressefoto Rudel/Robin Rudel/IMAGO

Kommt der Bundesligaeinsatz von VfB-Star Atakan Karazor zu früh?

Dabei ist Karazors Comeback sehr wohl eine neue und eine entscheidende Entwicklung. Immerhin steht ein Fußballer, der von einer 18-jährigen Spanierin der Vergewaltigung bezichtigt wird, wieder im Rampenlicht einer mit 48.000 Zuschauern gefüllten Mercedes-Benz Arena. Fragen dazu, wie dies mit der Vorbildfunktion eines Profis vereinbar ist, drängen sich auf. Oder, ob es nicht, wie ich finde, zu früh ist, Karazor zurück in den Bundesligazirkus zu werfen.

Am Dienstag twitterte der VfB ein Bild von Karazor mit seinen Teamkollegen auf dem Trainingsplatz. Grinsend und mit Daumen nach oben, als ob nie etwas gewesen wäre. Doch sollte sich der Vorwurf gegen Karazor schlussendlich als wahr herausstellen, wäre der aktuelle Umgang des VfB mit seinem beschuldigten Profi ein Schlag ins Gesicht der Betroffenen.

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