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„Tut einfach extrem weh“: Ahamadas Auftritt zwischen Genie und Wahsinn

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Von: Korbinian Kothny

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Naouirou Ahamadas Leistung steht nach dem Remis des VfB Stuttgart bei der TSG 1899 Hoffenheim im Mittelpunkt. Positiv wie negativ. Wie gehen die Schwaben nun mit dem Youngster um?

Stuttgart - Diesen Auftritt wird Naouirou Ahamada nicht so schnell vergessen. Der 20-Jährige erlebte beim 2:2 gegen die TSG Hoffenheim ein Wechselbad der Gefühle. Gegentor mitverschuldet. Zwei Assists. Spiel gedreht. Gelb-Rote Karte innerhalb von fünf Minuten aufgrund von Disziplinlosigkeiten. Ausgleich in der 95. Minute in Unterzahl kassiert.

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Das ist der Arbeitsnachweis von Ahamada beim gestrigen Spiel des VfB Stuttgarts in Hoffenheim und somit auch die Kurzzusammenfassung des gesamten Stuttgarter Spiels im Baden-Württemberg-Duell. Ahamada war an allen entscheidenden Situationen beteiligt – positiv wie negativ.

VfB Stuttgart: Korrekter Ahamada-Platzverweis führt zu spätem Ausgleich

Aufgrund des späten Ausgleichstreffers von Andrej Kramaric bestimmte aber vor allem die unnötige Ampelkarte des Franzosen die Fragen der Journalisten nach dem Spiel. Bis zum 2:1-Führungstreffer hatten die Schwaben nämlich die zweite Halbzeit komplett kontrolliert und das Spiel verdientermaßen gedreht. Doch dann sprang Ahamada über die Werbebande und jubelte zu enthusiastisch mit den Fans, sodass Schiedsrichter Florian Badstübner nichts anderes übrig blieb, als die Nummer 32 des VfB vorzeitig zum Duschen zu schicken. Fünf Minuten zuvor hatte der 20-Jährige erst die Gelbe Karte wegen Meckerns gesehen.

Über den Sinn der Regel lässt sich freilich streiten, dass es sie gibt, ist aber Fakt und sollte einem Bundesligaspieler bekannt sein. In dieses Horn blies auch VfB-Sportdirektor Fabian Wohlgemuth nach dem Spiel: „Die Regel gibt es und deswegen ist sie auch korrekt. Letztendlich war die Unaufmerksamkeit von Naoui ein Puzzleteil dafür, dass wir noch den Ausgleich bekommen.“

Naouirou Ahamada muss nach seinem Platzverweis das Feld verlassen.
Naouirou Ahamada muss nach seinem Platzverweis das Feld verlassen. © IMAGO/Oliver Zimmermann

VfB-Torwart Florian Müller und Trainer Bruno Labbadia nehmen Ahamada in Schutz

Ein Puzzleteil dafür, dass der VfB überhaupt erst das Spiel drehen konnte, war aber ebenfalls Ahamada. Der Mittelfeldspieler bereitete sowohl den Ausgleichstreffer von Guirassy als auch das 2:1 durch Endo vor. Nachdem der Franzose das 0:1 mit einem schlampigen Klärungsversuch mitverschuldet hatte, gingen die Emotionen mit Ahamada beim 2:1 durch – verständlich bei einem 20-jährigen Youngster.

So sahen das zumindest VfB-Coach Bruno Labbadia und Keeper Florian Müller. „Er ist ein sehr junger Mensch, der sich gefreut hat. Ob die Regel jetzt sinnvoll ist oder nicht, sei mal dahingestellt. Fehler gehören im Fußball dazu. Wichtig ist, dass wir Naoui jetzt mitnehmen. Fußball ist Euphorie, Leidenschaft und Lust“, sagte Labbadia nach dem Spiel. Auch Müller kritisierte eher die Regel als Ahamada: „Es ist immer noch Fußball. Da gehören Emotionen dazu. Am Ende tut es einfach extrem weh.“

Naouirou Ahamada springt beim Jubel an den Zaun und feiert mit den Fans.
Naouirou Ahamada springt beim Jubel an den Zaun und feiert mit den Fans. © IMAGO/Ralf Poller/Avanti

VfB Stuttgart: Wechselt Ahamada noch in der Winterpause?

Am Ende kostete die „Unaufmerksamkeit“ den VfB aber zwei wichtige Punkte im Abstiegskampf. Da waren sich sowohl Wohlgemuth, Labbadia als auch Müller allesamt einig. Ahamada-Kritiker würden sagen, die nächsten zwei Punkte. Schon vergangene Woche hatte der Franzose mit einem unnötigen Foul im Strafraum den Elfmeter der Mainzer verursacht, der zum 1:1 führte.

Doch nicht nur auf dem Rasen gibt es derzeit Diskussionen um Ahamada. Am Montag (23. Januar) berichteten plötzlich französische und englische Medien, dass der Juniorennationalspieler Frankreichs kurz vor einem Wechsel zu Crystal Palace stehe. Wohlgemuth dementierte die angebliche Einigung mit dem Premier-League-Klub nach dem Spiel jedoch: „Es gibt keine Einigkeit mit einem Verein“, fügte aber hinzu, dass er sich an Transfergerüchten nicht beteiligen wolle. Nach einer endgültigen Absage für einen Wechsel klang die Aussage des Sportdirektors nicht. Beim VfB weiß man wohl zurzeit selbst nicht, wie man mit einem Spieler, der zwischen Genie und Wahnsinn wandelt, im Abstiegskampf umgehen soll.

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