Rechtsaußen aus der DR Kongo

Silas: Alle Infos zum Flügelflitzer des VfB Stuttgart – er wurde Opfer eines kriminellen Beraters

Silas spielt seit Sommer 2019 für den VfB Stuttgart.
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Silas Katompa Mvumpa spielt seit Sommer 2019 für den VfB Stuttgart.
  • Antonio José Riether
    VonAntonio José Riether
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Silas eroberte mit seiner Spielweise die Herzen der VfB-Stuttgart-Fans. Der Kongolese wurde zu Beginn seiner Karriere Opfer eines kriminellen Spielervermittlers.

Stuttgart – Der VfB Stuttgart ist nicht nur für seine gute Jugendarbeit bekannt, auch im Scouting taten sich die Schwaben des Öfteren im Vergleich zur Konkurrenz hervor. Sportdirektor Sven Mislintat entdeckte den Kongolesen Silas 2019 in der zweiten französischen Liga, im Sommer des gleichen Jahres lotste er den Rechtsaußen an den Neckar. Silas wurde zum Shootingstar der Schwaben, erlebte neben Verletzungen jedoch mehrere Rückschläge. Ein manipulativer Vermittler drängte den Afrikaner zu einem Identitätsbetrug, der im Juni 2021 durch den Spieler selbst aufgeklärt wurde.

  • Silas Katompa Mvumpa
  • Geboren: 6. Oktober 1998 in Kinshasa (DR Kongo)
  • Position: Rechtsaußen
  • Beim VfB seit: August 2019

Silas Katompa Mvumpa: Seine Karriere begann in der DR Kongo - Profidebüt in der zweiten französischen Liga

Silas Katompa Mvumpa wurde am 6. Oktober 1998 in Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, geboren und spielte zunächst für Jugendakademie von La Grace in seiner Heimatstadt, über einen Verein aus dem Viertel Matonge kam er 2015 zum Profiklub FC MK Etanchéité, wo er sich in zwei Jahren für höhere Aufgaben in Europa empfehlen konnte. So absolvierte er 2017 ein Probetraining beim französischen Ligue-1-Klub HSC Montpellier, bei dem er allerdings nicht überzeugen konnte. Dennoch blieb er in Frankreich und spielte für die Junioren des Fünftligisten Olympique Alès, ehe er nach einer Saison in die Hauptstadt zum Zweitliga-Klub Paris FC.

Zwar war Silas zunächst für die zweite Mannschaft der Pariser eingeplant, wurde aber schnell Teil des Kaders der ersten Mannschaft. So debütierte er am 31. August 2018 im europäischen Profifußball, als er beim 2:0-Heimsieg seines Teams gegen ES Troyes für die zweite Halbzeit ins Spiel kam. In seiner zweiten Partie holte er sich innerhalb von zwanzig Minuten als Einwechselspieler die gelb-rote Karte, trotzdem setzte sein Coach Mehmed Bazdarevic weiter als Joker auf den Kongolesen, der sich im Laufe der Saison zum Stammspieler entwickelte und in 32 Saisonspielen auf elf Treffer sowie zwei Assists kam.

Silas Katompa Mvumpa: VfB Stuttgart zahlte 8 Millionen Euro - „Rookie der Saison“ im ersten Bundesliga-Jahr

Mit seinem Klub erreichte er die Aufstiegs-Playoffs, jedoch scheiterte der Paris FC bereits im ersten Spiel gegen den RC Lens. Für die Franzosen bestritt Silas noch die ersten zwei Saisonspiele der Ligue 2, ehe er Mitte August für satte 8 Millionen Euro zum VfB Stuttgart wechselte. Bei den frisch in die zweite Bundesliga abgestiegenen Schwaben unterschrieb er einen bis Sommer 2024 gültigen Kontrakt.

Schon in seiner ersten Saison verhalf er den Schwaben mit sieben Treffern sowie acht Vorlagen zum direkten Wiederaufstieg ins Oberhaus. Sowohl unter Tim Walter als auch unter seinem Nachfolger Pellegrino Matarazzo spielte er eine wichtige Rolle in der Mannschaft. In seiner ersten Bundesliga-Saison war Silas einer der großen Gewinner, in 25 Einsätzen steuerte er gleich elf Tore und fünf Assists bei, im März 2021 folgte jedoch der Schock: Silas zog sich am 26. Spieltag gegen den FC Bayern einen Kreuzbandriss zu. Dennoch wurde er von der DFL zum „Rookie der Saison“ ausgezeichnet, nachdem er zuvor in drei Monaten zum „Rookie des Monats“ gewählt wurde.

Nach achtmonatiger Leidenszeit gab Silas Ende November sein Comeback, als er am 13. Spieltag seiner zweiten Erstligasaison mit dem VfB gegen Mainz eingewechselt wurde. Nur drei Monate später, im Februar 2022, zog er sich im Heimspiel gegen Bochum eine Schulterluxation zu, die kurz danach operativ behandelt wurde. Erneut beendete eine schwere Verletzung somit vorzeitig seine Saison, in seinen neun Einsätzen 2021/22 war er an keinem Tor seiner Mannschaft beteiligt.

Silas Katompa Mvumpa: Rechtsaußen des VfB Stuttgart fiel kriminellen Berater zum Opfer

Silas wurde jedoch nicht nur von Verletzungen zurückgeworfen, zu Beginn seiner Karriere im europäischen Fußball fiel er „den Machenschaften seines ehemaligen Spielervermittlers zum Opfer“, wie der VfB Stuttgart in einer Pressemitteilung vom Juni 2021 erklärte. Der dubiose Berater hatte ihm im Alter von 18 Jahren ein Probetraining beim RSC Anderlecht organisiert, wofür er sich vom 15. August bis zum 14. November 2017 ein Visum organisierte, das noch auf seinen bürgerlichen Namen ausgestellt wurde. Da ihn der Verein offenbar verpflichten wollte, bat Silas seinen Berater darum, für die Beschaffung eines weiteren Visums in seine Heimat zurückzukehren, um anschließend einen Vertrag beim belgischen Topklub zu unterschreiben.

Der Berater drängte den Teenager dazu, in Europa zu bleiben und überzeugte ihn davon, dass er nicht mehr zurückkehren könne, sollte er in seine Heimat reisen. Wie Silas später in Kooperation mit dem VfB Stuttgart aufklärte, sei er in ein „komplettes Abhängigkeitsverhältnis“ geraten. So schottete ihn der Berater, bei dem er auch wohnte, von der Außenwelt ab und kontrollierte dessen Konto und Papiere. In der Folge änderte der Vermittler auch die Identitätsangaben des Spielers und änderte Silas‘ Nachnamen in ‚Wamangituka Fundu‘. Auch das Geburtsdatum verfälschte er um ein Jahr.

Silas Katompa Mvumpa: VfB-Stuttgart-Profi trotz Erpressung durch Berater von DFB-Sportgericht bestraft

Grund dafür soll die Unterbrechung der Verbindung des Spielers zu seinem Ausbildungsverein in der DR Kongo gewesen sein, zudem soll er Berater Silas damit laufend damit erpresst haben, die Wahrheit zu offenbaren und dadurch möglicherweise seine Karriere zu beenden. Der heutige VfB-Profi wandte sich aufgrund der psychischen Belastung sowie der Sorgen um seine Familie in seiner Heimat an den Verein, der den Sachverhalt aufklärte. Vom DFB-Sportgericht wurde Silas aufgrund des Vorfalls im Juli 2021 für drei Monate gesperrt und zu einer Geldstrafe von 30.000 Euro verdonnert. Mittlerweile erklärte der Flügelflitzer, nur noch Silas genannt werden zu wollen. (ajr)

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