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VfB Stuttgart und Pellegrino Matarazzo: Entwicklung einer Symbiose

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Von: Niklas Noack

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Pellegrino Matarazzo, Trainer vom VfB Stuttgart, vor dem Testspiel gegen den FC Brentford.
Trainer Pellegrino Matarazzo ist inzwischen seit mehr als zweieinhalb Jahren beim VfB Stuttgart und ist in seinem Auftreten stets souveräner geworden. © nordphoto GmbH / Hafner/IMAGO/

Seit Dezember 2019 ist Pellegrino Matarazzo Trainer beim VfB Stuttgart und schreibt eine Erfolgsgeschichte.

Stuttgart - Vor zweieinhalb Jahren ist der VfB Stuttgart gewaltiges Risiko eingegangen. Im Dezember 2019, als das Ziel Bundesligaaufstieg zumindest ins Wanken geriet, entschied sich der Klub für eine Entlassung des damaligen Trainers Tim Walter. Doch statt einen alten Hasen und eine vermeintliche Erfolgsgarantie zu verpflichten, entschied sich Sportdirektor Sven Mislintat mit Pellegrino Matarazzo für ein unbeschriebenes Blatt.

Ein mutiger Plan, der voll aufging. Inzwischen sitzt Matarazzo, der zuvor keine Profimannschaft als Chefcoach verantwortete, länger auf dem Trainerstuhl als die meisten seiner Vorgänger. In einigen Tagen überholt er sogar Bruno Labbadia und rückt somit auf den zehnten Rang in der Tabelle der dienstältesten Stuttgarter Trainer vor.

Der VfB ist schnell ein Teil von mir geworden.

- Pellegrino Matarazzo, Trainer des VfB Stuttgart -

VfB Stuttgart: Trainer Pellegrino Matarazzo mit Liebeserklärung an seinen Verein

An solch eine Erfolgsgeschichte haben die wenigsten geglaubt, aber Matarazzo hat sich in Windeseile mit dem schwäbischen Fußballprojekt identifiziert. In einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung sagte er jetzt: „Der VfB ist schnell ein Teil von mir geworden. Die Emotionalität, die der Verein ausstrahlt, ist einmalig.“

Die Symbiose VfB Stuttgart und Matarazzo ist gelungen, weil der Trainer demütig und lernfähig blieb, was sich zum einen in seiner taktischen Variabilität, zum anderen in seinem Auftreten zeigt. Dies bekommt seine Mannschaft zu spüren, wie er verriet: „Ich definiere Rollen und Struktur im Team heute anders. Früher wollte ich jeden Spieler mitnehmen und habe auf eine flache Hierarchie gesetzt.“

VfB-Coach Pellegrino Matarazzo ist gelassener geworden

Inzwischen ist ihm jedoch bewusst: „Eine Mannschaft braucht Klarheit. Dazu gehören eine klare Führungsachse auf und neben dem Platz, aber auch unbequeme Wahrheiten. Früher habe ich viel Energie aufgewandt, jeden Spieler anzutreiben und voranzubringen – auch wenn über einen längeren Zeitraum kein Fortschritt zu erkennen war. Das ist jetzt ein Stück weit anders.“

Sein Umgang mit den Medien hat sich ebenfalls verändert. Matarazzo war nie derjenige, der große Reden geschwungen hat. War er zu Beginn allerdings noch distanziert und vorsichtig, gibt er sich im Umgang mit Journalisten längst locker und selbstbewusst.

Im StZ-Interview beschrieb er die Entwicklung selbst: „Es ist doch normal, dass man mit jeder Erfahrung mehr Ruhe und Selbstsicherheit ausstrahlt. Heute muss ich mich weniger auf Auftritte vor der Kamera vorbereiten. Ich weiß inzwischen besser, was ich sagen kann und was nicht. Entsprechend verändert sich auch die öffentliche Wahrnehmung.“

Er ist gelassener geworden. Zurecht, wenn man auf seine Bilanz blickt: Mit Stuttgart feierte er einen Aufstieg und zweimal den Klassenerhalt. In der anstehenden Saison soll es erneut der Ligaverbleib werden, wie Matarazzo deutlich machte. Da lässt sich der Coach nicht aus der Reserve locken und bleibt, im Gegensatz zu manch einem von der Conference League träumenden VfB-Fan, auf dem Boden.

Los geht es mit der Pflichtspielsaison am Freitag (29. Juli, 18.01 Uhr/Sky). Im DFB-Pokal trifft der VfB Stuttgart auf Dynamo Dresden.

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