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Mercedes-Benz Arena: Die Heimat des VfB Stuttgart – geschichtsträchtiges Stadion in Bad Cannstatt

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Von: Antonio José Riether

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Die Mercedes-Benz-Arena ist seit 1945 das Wohnzimmer des VfB Stuttgart.
Die Mercedes-Benz-Arena ist seit 1945 das Wohnzimmer des VfB Stuttgart. © Steffen Kuttner/imago-images

Seit 1933 steht die heutige Mercedes-Benz Arena in Stuttgart, seitdem war die Spielstätte ständig im Wandel. Bei der EM 2024 wird auch hier gespielt.

Stuttgart - Der VfB Stuttgart trägt seine Heimspiele in der traditionsreichen Mercedes-Benz Arena im Stadtbezirk Bad Cannstatt aus. Das Stadion hat eine bewegte Historie und trug bereits viele Namen, nach den Weltmeisterschaften 1974 und 2006 sowie der EM 1988 ist es auch bei der Europameisterschaft 2024 in Deutschland einer der Austragungsorte.

Mercedes-Benz Arena: Spielstätte des VfB Stuttgart hieß einst „Adolf-Hitler-Kampfbahn“

Die Geschichte der heutigen Mercedes-Benz Arena beginnt mit dem Bau zwischen 1929 und 1933 durch die Architekten Paul Bonatz und Eugen Scholer. Unter dem Namen „Stuttgarter Kampfbahn“ wurde das Stadion im Jahr 1933 im Rahmen des 15. Deutschen Turnfests eröffnet und unter dem abgeänderten Namen „Adolf-Hitler-Kampfbahn“ in Betrieb genommen. Das Stadion war zum Zeitpunkt seiner Fertigstellung ein Unikat unter den Sportstätten Deutschlands, da es die erste Tribüne mit frei auskragendem, stützenlosem Dach aus Stahlbeton besaß.

Etwa zwei Monate vor Beginn des zweiten Weltkriegs, am 2. Juli 1939, wurde der Boxkampf zwischen Max Schmeling und Adolf Heuser vor der deutschen Rekordkulisse von mehr als 60.000 Zuschauern ausgetragen, bei dem Heuser nach 72 Sekunden zu Boden ging. Nach dem Krieg wurde die Arena durch die US-amerikanischen Besatzer in „Century Stadium“ umbenannt und später in „Zeppelin-Kampfbahn“ oder nur „Kampfbahn“ umgetauft, in der Folge wurden hier auch Baseballspiele ausgetragen. Im Jahr 1949 erhielt es schließlich den Namen „Neckarstadion“, der bis heute im Volksmund verwendet wird.

Mercedes-Benz Arena: VfB-Stuttgart-Stadion war mehrfach Austragungsort für Europapokal-Endspiele

1949 fand hier das Finale um die deutsche Meisterschaft zwischen dem VfR Mannheim und Borussia Dortmund statt, bei dem über 92.000 Zuschauer einen 3:2-Sieg der Kurpfälzer nach Verlängerung sahen. Vor 103.000 Zuschauern wurde ein Jahr später das erste Länderspiel der Nachkriegszeit gegen die Schweiz in Stuttgart ausgetragen, das die Herberger-Elf mit 1:0 für sich entschied.

Neben den Spielen des VfB Stuttgart, der seine Spiele ab Dezember 1945 in seiner heutigen Spielstätte austrug, war die Arena Bühne für weitere große Partien. So sahen 80.000 Zuschauer 1959 das Endspiel des Europapokal der Landesmeister zwischen Real Madrid und Stade Reims, drei Jahre später fand eines der Finalspiele des Europapokals der Pokalsieger zwischen Atlético Madrid und dem AC Florenz in der Schwabenmetropole statt.

Mercedes-Benz Arena: Heimat des VfB Stuttgart - mehrere Modernisierungen zur Heim-WM

Zur Heim-Weltmeisterschaft 1974 wurde das Stadion modernisiert, neben einer dreigeschossigen Tribüne und Überdachungen wurde auch eine Anzeigetafel angebracht. Das Fassungsvermögen wurde darum auf 72.000 Plätze reduziert. Vier WM-Spiele fanden hier statt, allerdings keines des späteren Weltmeisters Deutschland. Weitere Modernisierungen wurden 1986 vorgenommen, womit die Kapazität weiter auf 70.000 Zuschauer sank. Im selben Jahr wurden hier die Leichtathletik-Europameisterschaften ausgetragen, die insgesamt 300.000 Besucher lockte.

Die Außenansicht der Mercedes-Benz-Arena in Bad Cannstatt.
Die Außenansicht der Mercedes-Benz-Arena in Bad Cannstatt. © Pressefoto Rudel/imago-images

Zwei Jahre später fand hier erneut ein Endspiel des Europapokals der Landesmeister statt, das die PSV Eindhoven im Elfmeterschießen gegen Benfica Lissabon für sich entschied. Bei der Heim-EM 1988 wurden hier zwei Partien ausgetragen, darunter das Halbfinale zwischen Italien und der Sowjetunion (0:2). Im Jahr darauf trat der VfB Stuttgart hier im zweiten Finale des UEFA-Pokals gegen den SSC Neapel an, nach einer 1:2-Niederlage im Hinspiel endete das Heimspiel der Schwaben mit 3:3.

Mercedes-Benz Arena: Heimat des VfB Stuttgart wurde vom Leichtathletik-Stadion zur Fußball-Arena

1993 fanden für die Leichtathletik-Weltmeisterschaften erneute Umbaumaßnahmen statt, wodurch die Kapazität zwischenzeitlich auf 53.700 sank. Die Veranstaltung wurde von mehr als 585.000 Zuschauern besucht. Anlässlich des umfangreichen Umbaus erhielt das Stadion den neuen Namen „Gottlieb-Daimler-Stadion“. Damit war Stuttgart auch in Sachen Stadion-Sponsoring der Vorreiter des deutschen Fußball-Oberhauses.

Bei der Weltmeisterschaft 2006 fanden gleich sechs Partien im „Gottlieb-Daimler-Stadion“ statt, neben vier Vorrundenspielen und dem Achtelfinale zwischen England und Ecuador sicherte sich Deutschland hier gegen Portugal den dritten Platz. Nach dem Turnier regte der damalige VfB-Präsident Erwin Staudt die Umwandlung des Leichtathletikstadions in ein reines Fußballstadion an, 2008 eigneten sich Stadt und Verein auf einen weiteren Umbau.

Das Gottlieb-Daimler-Stadion wurde angesichts des Umbaus, der mit dem Verkauf der Namensrechte an den Daimler-Konzern einherging, am 30. Juli 2008 mit einem Freundschaftsspiel des VfB Stuttgart gegen den FC Arsenal offiziell in seinen heutigen Namen umbenannt. Die letzte Leichtathletik-Veranstaltung fand im September 2008 statt, der Württembergische Leichtathletik-Verband hatte lange aber vergeblich gegen den Abänderung des Stadions in eine reine Fußball-Arena protestiert.

Mercedes-Benz Arena: EM Stadion 2024 war das erste deutsche Fußballstadion, in dem Konzerte stattfanden

In der jüngsten Vergangenheit wurde das Stadion weiter umgebaut, so wurde die Sommerpause 2017 genutzt, um das Dach für 9,75 Mio. Euro erneuern. Im selben Jahr wurde die Mercedes-Benz Arena als Austragungsort der Fußball-Europameisterschaft 2024 ausgewählt.

Neben Heimspielen des fünffachen deutschen Meisters VfB Stuttgart nutzte auch der Lokalrivale Stuttgarter Kickers das Stadion während seiner beiden Bundesliga-Saisons 1988/89 sowie 1991/92, zudem wurden vereinzelte Partien der Kickers sowie der Reservemannschaft des VfB in der Arena ausgetragen. Auch außersportliche Veranstaltungen, etwa das erste Freiluftkonzert in einem deutschen Fußballstadion, fanden hier statt. Bei diesem handelte es sich um ein Konzert der Rolling Stones im Jahr 1976, die Band spielte auch 2006 und 2008 noch einmal hier. Zudem traten in Pink Floyd, Herbert Grönemeyer, Bon Jovi, Robbie Williams oder Phil Collins weitere musikalische Größen in der heutigen Mercedes-Benz Arena auf. (ajr)

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