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Harter Hund und trotzdem Vaterfigur: Was Bruno Labbadia von Pellegrino Matarazzo unterscheidet

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Von: Niklas Noack

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Seit anderthalb Monaten ist Bruno Labbadia als Trainer des VfB Stuttgart zurück. BW24 erklärt, welchen Eindruck der Coach bislang macht und inwiefern er sich von seinem Vorgänger Pellegrino Matarazzo unterscheidet.

Stuttgart - Bruno Labbadia steht auf dem Rasen des Trainingsplatzes in Marbella und beobachtet seine Spieler, die gerade versuchen, zwei Tore gegenüber voneinander zu stellen. Die bemühen sich zwar, doch dem Coach des VfB Stuttgart gehen sie nicht präzise genug vor. Freundlich, aber bestimmt, gibt Labbadia seinen Schützlingen deshalb erst eine weitere Chance, bevor er sie kurze Zeit später wegschickt und das Unterfangen mit seinem Assistenten Bernhard Trares selbst in die Hand nimmt.

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VfB Stuttgart: Der detailverliebte Bruno Labbadia

Trotzdem dauert es eine Weile, bis sich der VfB-Coach tatsächlich zufriedengibt. Ob er penibel ist? „Ja, würde ich schon sagen, gerade was das Aufbauen betrifft. Selbst meine Co-Trainer sind manchmal von mir genervt, weil ich immer nochmal schaue, ob die Linien passen oder so etwas. Da bin ich sehr speziell“, gibt Labbadia auf BW24-Nachfrage zu. Er sei einfach „detailverliebt“, schiebt er nach. Eine Charaktereigenschaft, die der Stuttgarter Trainer allerdings für notwendig hält, um eine Mannschaft weiterzuentwickeln.

Das Auge fürs Detail hatte auch Pellegrino Matarazzo, jedoch eher in Sachen taktischer Finesse. Der ehemalige VfB-Trainer ließ zum Beispiel gerne mit einer äußerst variablen sowie asymmetrischen Fünferkette spielen. Eine Variante, die von seinem Nachfolger Labbadia eher nicht zu erwarten ist. Der erfahrene 56-Jährige scheint derweil auf ein klassisches 4-3-3-System mit zwei defensiven Außenverteidigern zu setzen und hat somit die taktische Vorgabe stark vereinfacht.

Mit Bruno Labbadia (l.) folgte auf Pellegrino Matarazzo ein erfahrener Mann auf dem Cheftrainerposten des VfB Stuttgart.
Mit Bruno Labbadia (l.) folgte auf Pellegrino Matarazzo ein erfahrener Mann auf dem Cheftrainerposten des VfB Stuttgart. (Fotomontage) © Michael Weber/IMAGO/Sportfoto Rudel/Montage/BW24

Warum VfB-Trainer Bruno Labbadia kein Felix Magath ist

Mehr als Matarazzo erwartet Labbadia dagegen im Fitnessbereich, da die Schwaben im Ligavergleich bisher am drittwenigsten gelaufen sind und Labbadias Fußball eben eine höhere Laufleistung bedingt. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, mussten die VfB-Profis im Trainingslager in Marbella besonders schwitzen.

Unter strenger Beobachtung des Stuttgarter Trainers, der jede Einheit hautnah beobachtet und nicht zögert zu unterbrechen, wenn das Ausgeführte nicht seinen Vorstellungen entspricht. Dann folgt – auch mal wild gestikulierend – eine deutliche Ansage in Richtung seiner Spieler. In einer Art und Weise, die erklärt, weshalb ihm zuletzt das Image anhaftete, ein harter Hund zu sein. Doch damit wird man Labbadia, der als aktiver Fußballer mit dem 1. FC Kaiserslautern und Bayern München Deutscher Meister wurde, nicht gerecht.

Denn er ist alles andere als ein Schleifer wie einst Felix Magath. Vielmehr folgt der Stuttgarter Coach dem Prinzip Zuckerbrot und Peitsche und weiß sehr wohl, wann es angebracht ist, Empathie zu zeigen. Dies belegt sein Umgang mit Tanguy Coulibaly, der im Trainingslager oft unglücklich agierte. Zunächst verletzte sich Dan-Axel Zagadou nach einem übermotivierten Einsteigen des Franzosen, ehe sich Coulibaly mit Labbadia höchst persönlich anlegte.

Labbadia kann auch einfühlsam

Der VfB-Profi hatte sich über eine Abseitsentscheidung des Trainerteams beschwert, weshalb ihn der Chefcoach kurzerhand in die Kabine zum Duschen schickte. Nach der Vormittagseinheit suchte Labbadia aber das Gespräch mit dem Youngster und redete minutenlang auf ihn ein. Was er zu ihm sagte, ist nicht bekannt, doch in einem folgenden Trainingskick spielte Coulibaly befreit auf.

So macht Labbadia den Eindruck, für manch einen Spieler eine Vaterfigur zu sein. Eine Rolle, die er sich vor allem aufgrund seiner Erfahrung erlauben kann und die sein Vorgänger Matarazzo eben nicht hatte. Abgesehen von seinen Erfolgen als aktiver Profi rettete Labbadia in seiner ersten Amtszeit den VfB vor dem Abstieg, später gelang ihm mit dem Hamburger SV, dem VfL Wolfsburg und Hertha BSC das Gleiche.

Den VfB führte er sogar als bisher letzter Coach ins europäische Geschäft und stand mit den Schwaben im Pokalfinale in Berlin. Sollte ihm bei seinem zweiten Anlauf in Stuttgart nur ansatzweise Ähnliches gelingen, dürfte ihm seine manchmal anstrengende Detailverliebtheit wohl von allen verziehen werden.

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