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Dennis Aogo zu Vorwurf gegen VfB-Trainer Bruno Labbadia: „Das ist weit weg von Rassismus“

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Von: Niklas Noack

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Für eine Aussage bei seiner ersten Pressekonferenz nach der Rückkehr zum VfB Stuttgart wurde Trainer Bruno Labbadia Rassismus vorgeworfen. Das sagt sein ehemaliger Schützling Dennis Aogo im Gespräch mit BW24 dazu.

Stuttgart - Hat sich Bruno Labbadia bei seiner Vorstellung als Trainer des VfB Stuttgart rassistisch geäußert? Dennis Aogo, der beim Hamburger SV selbst unter Labbadia spielte, sagte gegenüber BW24 zu dem Vorwurf: „Ich kenne Bruno jetzt schon mehr als zehn Jahre. Das Letzte, was ich ihm zuschreiben würde, ist Rassismus. Und die Aussage ist für mich weit weg von Rassismus.“

Labbadia wurde am Montag (12. Dezember) auf der Pressekonferenz gefragt, ob es für die Spieler des VfB Stuttgart ein Ski-Verbot gebe. Anlass für die Frage war die schwere Verletzung des deutschen Nationaltorhüters Manuel Neuer, der sich beim Skitourengehen den Unterschenkel gebrochen hatte. Daraufhin sagte der Coach: „Wenn ich mir unsere Mannschaft angucke, würde ich jetzt nicht so viele finden, also wenn ich es mir bildlich vorstelle, dass jetzt ein Coulibaly oder ein Guirassy auf Ski stehen - vielleicht täusche ich mich da auch. Aber für mich verbinde ich sie einfach mehr mit Sonne und mit Lust.“

Rassismus-Vorwurf gegen VfB-Trainer Bruno Labbadia: Dennis Aogo kritisiert soziale Medien

Im Anschluss entflammte auf Twitter eine Diskussion darüber, ob die Aussagen des VfB-Trainers Labbadia rassistisch gewesen seien. Was dafür spricht? Labbadia verbindet offenbar bestimmte Eigenschaften der Spieler mit ihrer schwarzen Hautfarbe. Ob es sich dabei um negative oder positive Attribute handelt, ändert zunächst nichts daran, dass es sich bei solchen Äußerungen um diskriminierende handelt. 

Aogo sieht das anders und wittert das Problem eher in den sozialen Medien: „Ich habe manchmal das Gefühl, dass da auf jedes Wort geachtet wird, wenn jemand öffentlich was sagt und dann nur darauf gewartet wird, dass man irgendwo reinspringen kann, um daraus ein Thema zu machen. Es gibt Fälle, da ist es gerechtfertigt, aber das ist für mich eine Kleinigkeit und daraus ein Thema zu machen, finde ich falsch.“ 

Jens Lehmann beleidigte Dennis Aogo rassistisch

Aogo selbst wurde schon mehrfach rassistisch beleidigt. Ex-Nationaltorhüter Jens Lehmann schickte dem ehemaligen VfB-Spieler einst eine Nachricht mit den Worten: „Ist Dennis eigentlich euer quotenschwarzer?“ Aogo machte die Nachricht anschließend auf Instagram öffentlich und schrieb: „WOW, dein Ernst? Die Nachricht war wohl nicht an mich gedacht!!!“ Aogo arbeitete zu dieser Zeit bei Sky als TV-Experte. Lehmann entschuldigte sich zwar, verlor aber dennoch seinen Posten im Aufsichtsrat bei Hertha BSC.

In diesen Streit schaltete sich auch Tübingens umstrittener Oberbürgermeister Boris Palmer ein, der darin ein Beispiel für Cancel Culture sah. In diesem Zuge provozierte der Politiker mit einem rassistischen Beitrag auf Facebook: „Der Aogo ist ein schlimmer Rassist. Hat Frauen seinen N***s***** angeboten.“

Dennis Aogo spielte beim Hamburger SV unter Coach Bruno Labbadia.
Dennis Aogo (l.) spielte beim Hamburger SV unter Coach Bruno Labbadia (r.). © imago sportfotodienst

VfB Stuttgart: Dennis Aogo traut Bruno Labbadia den Klassenerhalt zu

Unter Labbadia spielte Aogo zwischen 2009 und 2010 beim HSV. Auch den VfB Stuttgart kennt der ehemalige Spieler bestens: Von 2017 bis 2019 trug er das Trikot mit dem Brustring und stieg in seiner letzten Saison mit den Schwaben in die 2. Bundesliga ab.

Wie Aogo BW24 erklärte, verfolge er den VfB immer noch. Die Labbadia-Pressekonferenz habe er sogar live gesehen und traut seinem ehemaligen Coach mit den Stuttgartern den Klassenerhalt zu: „Bruno hat schon mehrfach bewiesen, dass er in solch einer Situation in der Lage ist, für einen Umschwung zu sorgen. Er ist sehr erfahren, hat ein großes Fußballwissen. Er war selbst ein sehr guter Spieler.“ Auch die Kritik an Labbadias Verpflichtung habe Aogo vernommen, doch die gebe es nach Ansicht des ehemaligen Defensivspielers „gerade bei Traditionsvereinen oft. Ich glaube, dass er es schaffen kann und wünsche ihm dabei alles Gute.“

Ex-Nationalspieler Dennis Aogo stärkt VfB-Trainer Bruno Labbadia den Rücken. (Montage)
Ex-Nationalspieler Dennis Aogo (l.) stärkt VfB-Trainer Bruno Labbadia den Rücken. (Montage) © IMAGO/ Gartner/IMAGO / Sportfoto Rudel/Montage/BW24

Generell findet Aogo den aktuellen Weg des VfB nachvollziehbar. Dazu, dass zuletzt Sportdirektor und Trainer ausgetauscht wurden, sagte er: „Alexander Wehrle (Vorstandsvorsitzender, Anm. d. Red.) ist konsequent in seinem Handeln. Er hat das ja auch auf der Pressekonferenz betont: Am Ende des Tages muss sich jeder am sportlichen Erfolg messen lassen. Die Verantwortlichen haben die letzten zweieinhalb Jahre Revue passieren lassen und da kam bei heraus, dass der VfB unterm Strich nicht da steht, wo man es sich wünscht. Deshalb wurden die Entscheidungen getroffen.“

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