Leeres Stadion wegen Coronavirus

„Beklemmendes Gefühl“: Schiedsrichter warnt vor Geisterspielen, die auf VfB Stuttgart zukommen

Beim Spiel des VfB Stuttgart gegen Arminia Bielefeld am 9. März blieben die Zuschauerränge in der Mercedes-Benz-Arena leer
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Geisterspiele beim VfB Stuttgart: Dieser Anblick wird für die letzten neun Saisonspiele zum Normalzustand für Spieler und Schiedsrichter.

Der Spielbetrieb in der Bundesliga startet wieder - trotz Coronavirus. Die Partien finden ohne Zuschauer statt. Das ist für die Spieler ungewohnt, besonders beim verwöhnten VfB Stuttgart. Auch bei Schiedsrichtern sorgen leere Stadien für ein „beklemmendes Gefühl“.

  • Ab dem 16. Mai nehmen die Vereine der 1. und 2. Bundesliga den Spielbetrieb wieder auf
  • Der VfB Stuttgart spielt dann trotz Coronavirus in Baden-Württemberg in der leeren Mercedes-Benz Arena
  • Fehlende Zuschauer sind nicht nur für Spieler, sondern auch für Schiedsrichter eine Herausforderung

Stuttgart - Der VfB Stuttgart darf trotz Coronavirus in Baden-Württemberg wieder spielen. Am Donnerstag gab der DFL- Geschäftsführer Christian Seifert in einer Pressekonferenz die Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der Bundesliga und 2. Bundesliga bekannt.

Wichtigste Bedingung sind sogenannte Geisterspiele, also Partien gänzlich ohne Zuschauer. Bereits zuvor hatte die Ministerpräsidenten-Konferenz die Lockerung der Maßnahmen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg und anderen Bundesländern beschlossen.

VfB Stuttgart bestreitet Corona-Geisterspiele: schwierig für Spieler und Schiedsrichter

Der VfB Stuttgart und sein Vorstandsvorsitzender Thomas Hitzlsperger zeigten sich nach der Corona-Pause erleichtert über diese Entscheidung. Allerdings bedeutet die Wiederaufnahme des Spielbetriebs nicht nur viel Verantwortung für die Vereine. Es heißt auch: Geisterspiele für die verbleibenden neun Spieltage. Die Mercedes-Benz Arena bleibt damit wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg ebenfalls leer.

Das trifft besonders den VfB Stuttgart hart. In eine ausverkaufte Mercedes-Benz Arena würden ohne das Coronavirus in Baden-Württemberg 60.449 Zuschauer passen. Mit durchschnittlich über 51.000 Zuschauern pro Spiel ist der VfB nicht nur Spitzenreiter der 2. Bundesliga - auch so mancher Bundesligist würde solche Zahlen gerne zustande bringen.

Doch nicht nur dem VfB Stuttgart fehlen durch das Coronavirus in Baden-Württemberg und die daraus folgenden Geisterspiele ihre Fans. Der frühere Top-Schiedsrichter Knut Kircher stellte die fehlenden Zuschauer gegenüber der Deutschen Presse-Agentur auch für die Schiedsrichter als Herausforderung dar. „Wenn im weiten Rund nichts mehr ist, dann ist das wirklich ein ungewohntes, vielleicht auch ein beklemmendes Gefühl“, so Knut Kircher.

Geräuschkulisse im Stadion trägt auch Schiedsrichter

Als Laie könnte man meinen, Geisterspiele mit fehlender Lärmbelastung trügen zur Konzentrationsfähigkeit der Schiedsrichter bei. Für Knut Kircher ist das Gegenteil der Fall: „Als Schiedsrichter ist man es auch gewöhnt, diese Geräuschkulisse als Push-Faktor zu haben, du bist dann auch in dieser Manege drin, das ist das gleiche wie für einen Spieler, der ja auch von den Massen getragen wird.“ Zwar würden die Fans nicht den Unparteiischen antreiben. Die Zuschauer seien aber wichtiger Referenzpunkt und gäben Rückmeldung. Diese Reize zu ersetzen sei schwer, so Knut Kircher. Insofern macht das Coronavirus in Baden-Württemberg sowohl dem VfB Stuttgart, als auch den Schiedsrichtern das Leben schwer.

Die strengen Auflagen und Geisterspiele treffen Knut Kircher übrigens selbst. Ohne das Coronavirus wäre er als Schiedsrichter-Beobachter des DFB vor Ort, um die Spielleitung der Unparteiischen zu beurteilen. Stattdessen greift Knut Kircher dafür jetzt auf TV-Eindrücke und Coaching per Telefon zurück. Das halte er aber für machbar. „Es fehlt nachher nur der persönliche Austausch mit dem Schiedsrichter, aber den kann man übers Telefon machen,“ berichtet Knut Kircher gegenüber der dpa. Ob Kircher auch bei Spielen des VfB Stuttgart eingesetzt worden wäre, erwähnte er im Gespräch mit der dpa nicht.

VfB Stuttgart: Erstes Geisterspiel beim „Tabellenletzten“

Der VfB Stuttgart bestreitet sein erstes Geisterspiel nach der Unterbrechung durch das Coronavirus in Baden-Württemberg am 17. Mai. Dann geht es für VfB-Stuttgart-Trainer Pellegrino Matarazzo und seine Mannschaft zum Auswärtsspiel nach Wiesbaden. Was den Zuschauerschnitt der 2. Bundesliga angeht, ist es das Duell Erster gegen Letzter. Etwas mehr als 5000 Zuschauer zählte der SV Wehen Wiesbaden bis zum 25. Spieltag pro Spiel, der VfB bringt es also auf mehr als das Zehnfache.

Mit besonderer Corona-Botschaft ins erste Heimspiel: VfB Stuttgart mit toller Aktion

Am 28. Mai bestreitet der VfB Stuttgart sein erstes Heimspiel nach der Saisonunterbrechung gegen den Hamburger SV. Die VfB-Spieler wollen dann ein Trikot mit besonderer Corona-Botschaft tragen und damit allen Helfern danken, die sich trotz Coronavirus in Baden-Württemberg sozial engagieren. Statt des Sponsors bekommt jedes VfB-Trikot eine andere Dankesbotschaft auf den Brustring. Kapitän Marc Oliver Kempf läuft mit dem Schriftzug „Wir sind Fans von Euch“ auf.

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