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Zecken-Plage in Baden-Württemberg: Droht nach dem milden Winter erneut ein Rekordjahr?

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Von: Franziska Schuster

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 Eine Zecke sitzt auf der Spitze eines Grashalmes.
Da es im vergangenen Winter mild war, sind Zecken schon jetzt wieder vermehrt aktiv. © Patrick Pleul/dpa

Das vergangene Jahr war ein Rekordjahr für Zecken in Baden-Württemberg. Nach dem milden Winter 2022/2023 könnte sich dies wiederholen.

Stuttgart - Der Winter 2022/2023 fiel erneut ungewöhnlich mild aus. Schnee und Kälte traten beim Wetter in Deutschland nur kurzzeitig auf. Eine längere „Eiszeit“ gab es auch in diesem Winter wieder nicht. Der Start ins neue Jahr wie auch der Februar fielen viel zu warm aus. Dass die Natur auf diese milden Temperaturen reagiert, bekommen seit einigen Wochen auch Allergiker zu spüren. Laut Experten leiden Pollenallergiker von Jahr zu Jahr mehr, da durch den Klimawandel die Temperaturen steigen und Pflanzen früher beginnen zu blühen. Nicht nur bei den Pflanzen, auch in der Tierwelt macht sich das bemerkbar. Zugvögel kommen früher aus ihren Winterquartieren zurück, einige Arten überwintern mittlerweile sogar in Deutschland.

Bei einem Tierchen könnte man allerdings auf die verfrühte Aktivität verzichten: Die Zeckensaison hat in diesem Jahr schon früh begonnen. Auch hier sind die milden Temperaturen Schuld. Für alle Naturliebhaber und Haustierbesitzer werden die Zecken immer mehr zum Problem. Denn sie mögen zwar klein sein, die Gefahr, die von ihnen ausgeht, ist allerdings groß. Zecken übertragen Krankheiten, wie zum Beispiel FSME und Borreliose. Baden-Württemberg gehört zu den sogenannten Risikogebieten, da hier die Infektionsgefahr durch FSME-Viren besonders groß ist. Schon 2022 war ein Rekordjahr bei den Blutsaugern, nun spricht vieles dafür, dass auch 2023 zum Zeckenjahr werden könnte. BW24 hat beim Sozial- und Gesundheitsministerium Baden-Württemberg nachgefragt, was wir in diesem Jahr zu erwarten haben.

Zecken in Baden-Württemberg: „Die Zecken-Aktivität schwankt von Jahr zu Jahr“

Anders als etwa Igel und Eichhörnchen verbringen Zecken den Winter nicht mit Winterschlaf. Auch wenn wir sie in den kalten Monaten weniger zu Gesicht bekommen: Verschwunden sind die Tierchen nicht. So richtig aktiv werden die Krabbeltiere allerdings erst, wenn es an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen sieben Grad Celsius warm oder wärmer ist. Als Zeckensaison in Deutschland grenzt man daher den Zeitraum von Februar bis Oktober ein. Da die Temperaturen allerdings immer milder ausfallen, verschiebt sich dieser Zeitraum zunehmend. Zecken sind laut einer Studie der Universität Hohenheim sogar zunehmend ganzjährig aktiv.

Achtung, Zecke: Ein Mitarbeiter des Instituts für Zoologie zeigt einen toten weiblichen Holzbock
Achtung, Zecke: Die Gemeine Holzbockzecke kommt am häufigsten in Baden-Württemberg vor. © Marijan Murat / dpa

2023 hat die Zeckensaison bereits begonnen. Vor allem Hundebesitzer, die sich mit ihren Vierbeinern oft in Wald und Wiesen aufhalten, haben es schon bemerkt: die Zecken krabbeln über das Fell, auf der Suche nach einer passenden Stelle, um ihr Beißwerkzeug in die Haut zu bohren. Wenn die Tierchen schon so früh unterwegs sind – kommt es dann auch das restliche Jahr über zur Zeckenplage? „Das kann man heute schwer sagen“, teilt Pascal Murmann, Sprecher des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration, auf Anfrage von BW24 mit. „Die Zecken-Aktivität schwankt von Jahr zu Jahr. Eine konkrete Aussage über die kommende Zeckensaison lässt sich somit im Moment noch nicht treffen.“

Diese Zeckenarten gibt es in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg kommen mehrere Zeckenarten vor. Die Gemeine Holzbockzecke ist die häufigste Art und kann sowohl die Lyme-Borreliose als auch die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen. Die Taigazecke ist seltener und wurde in Baden-Württemberg bisher vor allem im Südwesten gefunden. Sie kann ebenfalls die FSME übertragen.

„Es wird natürlich weiter gewisse Schwankungen geben. Eventuell ist dieses Jahr auch eine geringere Aktivität als 2022 zu verzeichnen, aber die Grundtendenz zeigt, dass die Zeckenaktivität wahrscheinlich weiter zunehmen wird.“ Das Ministerium räumt ein: „Durch die milden Winter der vergangenen Jahre hat die Aktivität allerdings zugenommen, da mehr Zecken den Winter überleben. Besonders im Frühjahr hatten wir in Baden-Württemberg in den vergangenen Jahren eine erhöhte Aktivität.“ Zudem bestehe ein weiteres Problem: Die Zecken breiten sich immer weiter aus und seien mittlerweile auch in größeren Höhen zu finden.

Fakt ist: In den vergangenen Jahren war ein starker Anstieg der Zeckenzahlen in Baden-Württemberg zu beobachten. Ihren Höhepunkt erreichten sie 2022. Eine vermehrte Aktivität sei vor allem im Frühjahr zu verzeichnen. „Dagegen ist der zweite Peak im Herbst schwächer ausgeprägt als früher“, so das Ministerium. Beunruhigend ist unterdessen, dass in der Nähe von Mannheim zuletzt Hyalomma-Zecken gesichtet wurden, eine exotische Gattung, die eigentlich aus den trockenen Gebieten Asiens, Afrikas und Südosteuropas stammt.

Zecken-Alarm: Das bietet den besten Schutz vor den Blutsaugern

Es ist schwierig, Zecken aus dem Weg zu gehen. Die Parasiten kommen überall dort vor, wo es grün ist. Nicht nur in Wäldern, Wiesen, im Unterholz oder in hohem Gras fühlen sich Zecken wohl, sie können auch im Stadtpark, in Schrebergärten und sogar auf dem Fußballplatz vorkommen. Kann man sich dennoch vor den Blutsaugern schützen? „Man kann zu den Hauptaktivitätszeiten (Mai, Juni und September) die Zeckenbiotope (vor allem den Wald) meiden“, rät das Sozial- und Gesundheitsministerium Baden-Württemberg. Außerdem empfiehlt sich festes Schuhwerk und lange, geschlossene sowie helle Kleidung, um sich gegen Zecken zu schützen.

Was tun, wenn die Zecke schon gebissen hat?

(Quelle: Sozialministerium Baden-Württemberg)

Auch zeckenabwehrende Mittel bieten einen Schutz. Jedoch ist dabei zu beachten, dass die Mittel nur eine begrenzte Wirkungsdauer haben und somit mehrmals täglich aufgetragen werden müssen. „Wichtig ist auch, sich nach dem Aufenthalt in einem Zeckengebiet unbedingt nach Zecken abzusuchen. Oft findet man die Zecken noch auf der Suche nach einer geeigneten Stichstelle und kann sie entfernen“, empfiehlt das Ministerium. Sollte die Zecke schon gestochen haben, sei vor allem bei der Übertragung der Borrelien eine frühzeitige Entfernung der Zecke wichtig, da diese Erreger erst nach einer mehrstündigen Stichdauer übertragen werden. Denn je länger der Parasit Zeit hat, Blut zu saugen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung von Krankheiten.

Im Fall von FSME, einem Virus, das auch von der Gemeinen Holzbockzecke übertragen wird, gibt es eine Schutzimpfung, die von Experten auch empfohlen wird. Neben anderen Zeckenarten breitet sich auch das „tödlichste Tier der Welt“ in Baden-Württemberg aus: Die Asiatische Tigermücke überträgt gefährliche Viren. Weitere spannende Themen rund um Gesundheit, Ratgeber und Service gibt es auf der Verbraucher-Seite von BW24.

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