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Lidl umgeht Strafe mit einfachem Trick - und verkauft beliebtes Produkt trotz Verbot

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Von: Franziska Vystrcil

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Küchenmaschine „Monsieur Cuisine Connect“ vom Discounter Lidl.
Der „Monsieur Cuisine Connect“ von Lidl durfte nach einem verlorenen Rechtsstreit nicht mehr in Deutschland verkauft werden. Mittlerweile ist er wieder erhältlich. © Lidl

Es sah danach aus, als müsste Lidl seinen Verkaufsschlager, die Küchenmaschine Monsieur Cuisine Connect, vom Markt nehmen. Jetzt steht das Gerät wieder zum Verkauf.

Neckarsulm - Es war ein hin und her: Die Discounterkette Lidl und das Unternehmen Vorwerk treffen sich seit Jahren immer wieder vor Gericht. Der Streitgegenstand: Lidls Küchenmaschine Monsieur Cuisine soll eine Kopie von Vorwerks Thermomix sein. Doch während das Gerät vom Discounter für rund 400 Euro zu haben ist, muss man beim Thermomix weitaus tiefer in die Tasche greifen. Etwa 1.300 Euro kostet die Allzweck-Küchenmaschine des Wuppertaler Herstellers.

Klar, dass Lidls Küchenmaschine Vorwerk ein Dorn im Auge war und ist. In Österreich erwirkte Vorwerk einen Verkaufsstopp des Lidl-Geräts. Auch das Oberlandesgericht Düsseldorf stand auf deren Seite und entschied: Lidl verletzt mit dem „Monsieur Cuisine Connect Patentrecht“ und darf nicht mehr verkauft werden. Trotzdem ist das Gerät auf der Onlineseite des Händlers zu finden - denn Lidl umgeht das Verbot mit einem einfachen Trick.

„Monsieur Cuisine Connect“ wieder verfügbar - Lidl umgeht gerichtlich angeordnetes Verkaufsverbot

Wie kann es sein, dass Lidl trotz drohender Strafe das Gerät weiterhin verkauft? Dazu muss man wissen: Im Prozess ging es um ein ganz bestimmtes Teil. Vorwerk nutzt eine spezielle Heizung in seinem Thermomix, für das das Unternehmen aus Wuppertal Patent angemeldet hatte. Laut dem Düsseldorfer Landesgericht hat Lidl mit seinem Gerät genau dieses Patent verletzt, darf den „Monsieur Cuisine Connect“ in Deutschland daher nicht mehr anbieten.

Lidls Lösung: Der „Monsieur Cuisine Connect“ wird künftig nicht mehr mit einer solchen Heizung ausgestattet. Stattdessen bedient sich das Unternehmen der Schwarz-Gruppe nun einer anderen Technik. Die Geräte sind ab sofort mit einem besonderen Hinweis ausgestattet. „Mit geändertem Heizelement“, heißt es bei den Angaben zur Küchenmaschine. Damit hofft der Discounter aus Baden-Württemberg offenbar, das Patent von Vorwerk umgehen zu können.

In einem weiteren Prozess zwischen den beiden Unternehmen zog Vorwerk den Kürzeren. Ein Gericht in Barcelona entschied, dass Lidl seinen Monsieur Cuisine weiterhin in Spanien verkaufen darf.

Lidl will mit neuer Heiztechnik im Monsieur Cuisine Patentrecht umgehen

Ob Vorwerk das Vorgehen von Lidl einfach so hinnehmen wird, oder erneut rechtliche Schritte prüft, wird sich zeigen. Beim Düsseldorfer Urteil hatte Vorwerk noch verlauten lassen, man habe die Hoffnung, das Urteil könne auch Auswirkungen auf andere Verfahren und möglicherweise auf die Gesamttaktik von Lidl im Bereich der Heizmixer haben.

Anmerkung der Redaktion

Dieser Artikel erschien ursprünglich am 23. Februar 2022. Da er für unsere Leser noch immer eine Relevanz hat, hat die Redaktion ihn aktualisiert.

Während sich viele Verbraucher über die Rückkehr des „Monsieur Cuisine Connect“ freuen, zieht Lidl mit seiner Onlineseite aktuell viel Ärger auf sich. Immer mehr Lidl-Kunden beschweren sich über schlechten Kundenservice, lange Lieferzeiten oder schlecht verpackte Ware.

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