Ärger bei Lidl und Kaufland

Kunden irregeführt? Lidl und Kaufland wegen Deutschland-Mogelei in der Kritik

Die Filial-Logos von Lidl und Kaufland in einer Collage.
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Lidl wirbt mit Produkten aus der Region - diese kommen aber häufig aus dem Ausland.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Regionale Lebensmittel und Produkte sind im Trend. Das machen sich auch Supermarktketten wie Lidl und Kaufland zu Nutze. Doch nur weil „regional“ drauf steht, ist nicht gleich Regionales drin.

Neckarsulm - Produkte aus der Region sind für viele Verbraucher ein Kaufkriterium. Der Lebensmitteldiscounter Lidl wirbt verstärkt damit, einen Großteil seines Sortiments auch regional zu beziehen. „Mit dem Kauf dieser Eier unterstützen Sie unsere Landwirte“, heißt es etwa auf vielen Eierverpackungen. Was aber, wenn die Eier gar nicht aus einem regionalen Betrieb kommen, sondern sogar aus dem Ausland? Diese Frage beschäftigt aktuell die Verbraucherschützer. Denn bei den Supermarktketten Lidl und Kaufland stehen solche „regionalen“ Eier in den Verkaufsregalen.

Besonders irreführend ist dabei der Satz „unsere Landwirte“. Denn die Eier stammen nicht etwa aus landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland, sondern von einem Legebetrieb aus den Niederlanden. Die Verbraucherzentrale Brandenburg mahnt diese irreführende Werbung von Lidl und Kaufland nun ab, berichtet topagrar.com. Der Discounter Lidl habe inzwischen eine Unterlassungserklärung abgegeben und zugesichert, die Eierverpackungen zu ändern, so die Webseite.

„Regionale“ Eier bei Lidl und Kaufland: Produzent zeigt keine Einsicht

Ein Produzent, der die Eier in einer Brandenburger Kauflandfiliale verkauft, weigert sich bisher jedoch, die Angaben auf den Eierverpackungen abzuändern. Er ist der Auffassung, den Verbrauchern sei es geläufig, dass es sich bei den Bezeichnungen „regional“ und „unsere Landwirte“ über Betriebe aus ganz Europa handeln könne. Ganz nach dem Motto: „regional“ kann vieles sein. Die Verbraucherzentrale will weiter gegen den Produzenten vorgehen und bereitet aktuell eine Klage vor.

Die Verpackungen dieser Lidl-Eier versprechen Regionalität. Die Eier selbst kommen allerdings aus den Niederlanden.

Der Landesbauernverband Brandenburg (LBV) zeigte sich ebenfalls empört von den undurchsichtigen Angaben auf den Eierkartons. Der Verband forderte insbesondere Lidl dazu auf, zum 1. September 2021 seine irreführende Werbung für das Produkt „Frische Eier aus Bodenhaltung“ zu beenden. „Wir sehen in diesem Fall ein unlauteres Geschäftsgebaren von Lidl. Verbraucher, die eigentlich eine regionale Kaufentscheidung getroffen haben, werden aufgrund unklarer Angaben dazu verleitet, ein niederländisches Produkt zu erwerben“, sagte Denny Tumlirsch, Hauptgeschäftsführer vom LBV. „Lidl handelt aus unserer Sicht gegen geltendes Recht. Sollte das Unternehmen bei seiner Werbepraxis bleiben, werden wir nicht zögern weitere Schritte einzuleiten“, sagt Tumlirsch laut topagrar.com.

Einkaufen bei Lidl und Kaufland: Achtung bei den Angaben auf der Verpackung

Bisher ist solch eine Kennzeichnung aber legal, denn die „regional“-Hinweise auf den Lebensmitteln sind rechtlich nicht geschützt. Auch interessant: Wenn auf dem Eierkarton eine deutsche Packstelle angegeben ist, können die Eier dennoch zum Beispiel aus den Niederlanden stammen. „Das ist zulässig, denn das Ursprungsland muss im Erzeugercode stehen – im Stempel auf dem Ei – nicht auf der Verpackung“, schreibt die Verbraucherzentrale Brandenburg auf ihrer Webseite. Immerhin: In allen Ländern der Europäischen Union ist eine einheitliche Eierkennzeichnung mit Hinweisen zur Herkunft, Haltung und Frische der Eier gesetzlich vorgeschrieben. An nächster Stelle offenbaren Länderkürzel das Herkunftsland. „DE“ steht für Deutschland.

Dennoch ist noch immer nicht klar geregelt, wer oder was unter den Begriff „regional“ fällt. Die Verbraucherzentrale in Brandenburg setzte sich schon vor dem Vorfall mit Lidl und Kaufland für eine eindeutigere Bezeichnung ein. „Wir brauchen Klarheit bei der Werbung. Die Menschen müssen sich auf Regionalangaben verlassen können, damit sie eine informierte Kaufentscheidung treffen können“, sagt Annett Reinke, Lebensmittelrechtsexpertin bei der VZB.

In Sachen Tierwohl hat die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, allerdings im letzten Jahr ein klares Zeichen gesetzt:
Ab 2022 wird in ganz Deutschland Kükenschreddern verboten. Lidl und Kaufland wollen schon vorab ihre Vorgaben für die Legebetriebe umstellen. Bis Ende 2021 will Lidl bei allen Freiland- und Bio-Schaleneier in seinem Sortiment auf eine Produktion ohne Kükentöten setzen. Kaufland verzichtet bereits im gesamten Bio- und Freiland-Eier-Eigenmarken-Sortiment auf das Töten der männlichen Küken. Bis Ende 2021 sollen die Sortimente vollständig umgestellt sein.

Lidl, Kaufland und Co. wollen zudem künftig Fleisch aus besseren Haltungsbedingungen anbieten. Doch Bauern rechnen mit der Heuchelei bei Lidl, Kaufland und Co. ab. Sie sehen damit das Ende vieler Tierhalter kommen.

Regionale Produkte von Lidl und Kaufland: Genau hinsehen lohnt sich

Wer ganz sicher gehen möchte, woher die Produkte kommen, sollte beim Einkauf genauer hinsehen. Teilweise wird sogar angegeben, wie hoch der Anteil der jeweiligen Rohstoffe aus der Region ist. Kunden können dann selbst entscheiden, zu welchem Produkt sie letzten Endes greifen.

Vorsicht ist auch bei Bio-Produkten geboten. Denn Bio bedeutet noch lange nicht, dass Obst, Fleisch und Gemüse und Co. aus der Region stammen. Zwar darf auch Bio drauf stehen, wenn etwa die Avocado auf einem Bie-Betrieb in Mexiko angebaut wurde - den Kunden muss aber bewusst sein, dass die Frucht weit gereist ist.

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