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Alltags-Produkte laut Studie bald noch teurer – „das Schlimmste kommt erst“

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Von: Jason Blaschke

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Für Alltags-Lebensmittel müssen Verbraucher bald wohl noch tiefer in die Tasche greifen. Eine neue Studie zeigt, dass die nächste Teuerungswelle naht.

Stuttgart – Die direkten Folgen vom Krieg in der Ukraine bekommen die Verbraucher in Deutschland immer stärker zu spüren. Zu Beginn der Kämpfe waren es primär Energie- und Spritpreise, die in Deutschland steil nach oben geklettert sind. Nach und nach verteuerten sich auch viele alltägliche Produkte, darunter Lebensmittel wie Speiseöle, Getreide- oder Milchprodukte. Experten gehen aktuell davon aus, dass viele Alltags-Produkte bald noch teurer werden.

Studie zu Lebensmittel-Preisen lässt aufhorchen – „250 Euro Mehrkosten pro Kopf“

„Verbraucher müssen für Lebensmittel 2022 voraussichtlich deutlich tiefer in die Tasche greifen“, sagt Aurélien Duthoit – Senior Volkswirt und Branchenexperte bei Allianz Trade. In einer Studie fanden er und sein Team heraus, dass die aktuellen Lebensmittel-Preise im Einzelhandel nicht den tatsächlichen Preisanstieg der letzten 18 Monate widerspiegeln. Das heißt: Die Einzelhändler in Deutschland haben erst einen Teil der Verteuerungen an die Verbraucher weitergegeben.

Duthoit ist sich sicher: „Das Schlimmste kommt auf die Haushalte also erst noch zu.“ Berechnungen im Rahmen der Allianz-Studie legen nahe, dass die Preise im Lebensmitteleinzelhandel 2022 um mehr als 10 Prozent anziehen könnten. Die Entwicklung sei kein Zuckerschlecken, mahnt der Experte. „Umgerechnet sind das im Schnitt 250 Euro Mehrkosten im Jahr – pro Kopf.“ Hinzu kommen die teils massiven Preissteigerungen in anderen Bereichen des täglichen Lebens.

Experte ist sich sicher: Die Teuerungswelle für Verbraucher kommt erst noch

Dass solche Preissteigerungen für die Verbraucher unmittelbar bevorstehen, bekräftigten zuletzt auch mehrere Branchenverbände in Gesprächen mit BW24. „Die Verbraucher hat aktuell erst ein Teil der Verteuerungen erreicht“, sagte dazu etwa Eckhard Heuser – Geschäftsführer im Deutschen Milchindustrie-Verband (MIV) – mit Blick auf die teuren und teils knappen Milchprodukte in nahezu allen Supermärkten und Discountern.

Heuser zu BW24: „Mit Blick auf die Butter sind starke Veränderungen festzustellen, der Rest kommt noch – spätestens zum 1. Juli 2022.“ Die Lebensmittel-Produzenten haben ihre Preise seit Anfang 2021 im Schnitt schon um 16,6 Prozent erhöht, heißt es in der Studie. Hiervon betroffen waren primär Produkte des täglichen Bedarfs, die in erster Linie aufgrund der russischen Invasion in der Ukraine massiv teurer wurden, dazu zählen:

Erzeugerpreise sind auf Rekordniveau – ein schlechtes Omen für Verbraucher

Im Gegensatz dazu haben sich die Verbraucher-Preise im Einzelhandel im gleichen Zeitraum nur um rund 6,6 Prozent erhöht, heißt es in der Allianz-Studie. „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sich Einzelhandelspreise im Großen und Ganzen an die Erzeugerpreise anpassen, wenn auch mit einer gewissen Verzögerung“, sagt Duthoit. Und gerade mit Blick auf die Getreideprodukte ist laut Anne-Kristin Barth, Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft (VGMS) keine Entspannung in Sicht.

Teure Energie- und Logistikkosten, aber auch die Getreidepreise an der Börse würden die Unternehmen massiv belasten, sagte die Expertin im Gespräch mit BW24. Baldige Verteuerungen mit Blick auf viele Getreideprodukte sind aus ihrer Sicht „wahrscheinlich“. Allianz Trade schätzt, dass Einzelhändler wie Kaufland oder Lidl rund 75 Prozent ihrer Mehrkosten an die Verbraucher weitergeben könnten. Das ergibt eine Preissteigerung von 10,7 Prozent in Deutschland.

Facebook-Nutzer sind in Panik: „Wer bitte soll sich das noch leisten?“

Auf Grundlage dieser Zahlen könnte jeder Verbraucher im Schnitt bald 254 Euro mehr für den gleichen Warenkorb zahlen, als noch im Vorjahr. Für einen Zwei-Personenhaushalt wären das satte 500 Euro mehr im Jahr – und zwar nur für Lebensmittel. „Wer bitte soll sich das denn dann noch leisten können. Es geht ja jetzt schon kaum noch“, textet dazu eine Userin auf Facebook. Ein anderer Nutzer ergänzt: „Habe mich heute wieder erschrocken! Bald gehen alle klauen, nur um überleben zu können!“

Die Sorgen und die Ängste vieler Verbraucher sind groß. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Schufa-Umfrage, über die die „BILD“ berichtet. 38 Prozent der Befragten gaben an, dass es ihnen zunehmend schwerfallen wird, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Mit Blick auf die Energiekosten sagen 82 Prozent, dass sie weitere Preissteigerungen befürchten. Und 14 Prozent der Schufa-Befragten gaben sogar an, mit großer Wahrscheinlichkeit einen Kredit aufnehmen zu müssen, um ihre Lebenskosten zu decken.

Teufelskreis der teuren Preise: Verbraucher meiden regionale Produkte

„Ich gehe bald trotz Vollzeitjob in der Stadt Musik machen“, schreibt dazu eine Facebook-Nutzerin. Welche fatalen Auswirkungen die immer teureren Preise haben, zeigt die „verheerende“ Erdbeer-Situation in Baden-Württemberg. Viele Verbraucher verzichten mit Blick auf die Preise auf die oft teureren Regionalprodukte, was die Landwirte im Südwesten in große Schwierigkeiten bringt. „Nur reine Abzocke, mehr kann man dazu nicht mehr sagen“, kommentiert eine Userin zu der aktuellen Situation.

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