Vorbereitung für den Katastrophenfall

Krieg in der Ukraine: Regierung empfiehlt 10-Tage-Notfallvorrat – die Checkliste

  • Jason Blaschke
    VonJason Blaschke
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Im Katastrophenfall ist es sinnvoll, einen Notvorrat an Lebensmitteln im Haus zu haben. Doch nicht alle Produkte eignen sich dafür.

Bonn - Der Krieg in der Ukraine macht in Deutschland vielen Menschen Angst und die Auswirkungen des Konflikts sind mittlerweile deutlich im Alltag zu spüren. Es ist sicher keine Untertreibung zu behaupten, dass beinahe alle Bürger in irgendeiner Form betroffen sind, denn: Längst sind es nicht mehr bloß die Spritpreise auf Rekordniveau, die kräftig zu Buche schlagen. Auch wichtige Alltags-Lebensmittel werden knapp und teuer und sind zum Teil in Läden wie Kaufland oder Lidl nicht mehr zuverlässig zu bekommen.

Für die Lebensmittel-Engpässe und die Preissprünge gibt es mehrere Gründe. Zum einen beeinträchtigen der Ukraine-Krieg und die Sanktionen die Lieferketten, zum anderen sorgen die aktuell explodierenden Rohstoff-, Energie- und Verpackungskosten für extrem steigende Herstellungskosten, die wiederum an die Verbraucher weitergegeben werden. Das, aber auch die Tatsache, dass gewisse Artikel schnell vergriffen sind, schürt unter Kunden Panik, was wiederum zu Hamsterkäufen führen kann.

Regierung gibt Tipps für Notvorrat: Worauf es im Ernstfall wirklich ankommt

Dabei sind solche panischen Hamsterkäufe „impulsiv und wenig durchdacht“, heißt es vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Und weiter: „Sollten die Güter tatsächlich einmal knapp werden, ist es ziemlich unsolidarisch, Produkte über den persönlichen Bedarf hinaus zu horten.“ Die Behörde rät stattdessen zum „ganz gezielt angelegten Notvorrat“, mit dem eine Familie etwa zehn Tage problemlos überbrücken kann.

Eine wichtige Faustregel: Füllen Sie Ihre Speisekammer klug und kaufen Sie mehrere Lebensmittel-Arten für Ihren Notvorrat.

Würde sich jeder in sicheren Zeiten einen solchen Notvorrat anlegen, könne man Engpässe im Ernstfall gemeinschaftlich überbrücken. „Ein Notvorrat ist daher sogar gut für die Gemeinschaft.“ Sprich: Nicht bloß mit Blick auf die derzeit dramatische Lage in der Ukraine ist es sinnvoll, sich einen solchen Vorrat anzulegen. Das extreme Wetterjahr 2021 hat gezeigt, dass auch Ereignisse wie Hochwasser oder schlimme Unwetter Katastrophen sein können, auf die sich Menschen vorbereiten sollten.

7 Tipps für Verbraucher: BBK-Checkliste hilft bei der Zusammenstellung des Notvorrats

Was gehört in einen Notvorrat und auf welche Produkte sollte besser verzichtet werden? Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) gibt Verbrauchern konkrete Tipps. Da Lebensmittel- oder auch Getränkevorräte etwas sehr Individuelles sind, gibt es nicht die eine in Stein gemeißelte Checkliste. Die folgenden BBK-Hinweise können aber eine Hilfe bei der Zusammenstellung sein:

  • Essen und Trinken für 10 Tage: Der Notvorrat sollte für zehn Tage reichen. Doch auch kleinere Vorräte für weniger Tage sind laut BBK besser, als gar kein Vorrat. Selbst wer in einer kleinen Wohnung lebt, sollte im Idealfall zumindest ein paar Tage mit Vorräten überbrücken können.
  • 2 Liter Flüssigkeit pro Person und Tag: Noch vor Nahrungsmitteln sind Getränke das Wichtigste, denn ohne Nahrung kann ein Mensch unter Umständen drei Wochen auskommen – ohne Flüssigkeit nicht. Für einen 10-Tages-Vorrat sollten Familien 20 Liter pro Person kalkulieren. Am besten eignet sich Mineralwasser – aber auch Fruchtsäfte oder allgemein lagerfähige Getränke sind sinnvoll.
  • 2.200 kcal pro Person und Tag ist im Regelfall der Gesamtenergiebedarf eines Erwachsenen. Was abstrakt klingt, kann recht schnell mithilfe einer Checkliste zusammengestellt werden. Ein nützliches Tool ist der Vorratskalkulator des Bundesamts für Ernährung und Landwirtschaft, der die Vorratsmenge anhand von Personenzahl und Dauer ermittelt.
  • Haltbarkeit und Vorlieben: Im Notvorrat sind Produkte von Vorteil, die möglichst lange gelagert werden können – also zum Beispiel Konserven oder trockene Lebensmittel wie Zwieback. Zudem sollten Verbraucher Allergien, besonderen Bedarf (wie Babynahrung) oder Unverträglichkeiten berücksichtigen.
  • Prinzip „lebender Vorrat“: Im Idealfall wird der Notvorrat in den alltäglichen Lebensmittelverbrauch integriert, sodass Vorräte verbraucht werden, ehe sie verderben. Die Faustregel hier: Neu gekaufte Vorräte gehören ganz nach hinten ins Regal.
  • Das „Hamstern“-Light: Von Lebensmitteln, die länger haltbar sind – zum Beispiel Nudeln oder Reis – kann man schon auch mal eine Packung mehr einkaufen. Wichtig ist, dass dies in Maßen geschieht und das Prinzip „lebender Vorrat“ beherzigt wird.
  • Hinweise zur Lagerung: Speziell die Lebensmittel im Notvorrat sollten richtig gelagert werden, damit sie nicht schlecht werden. Produkte, die weder tiefgekühlt noch im Kühlschrank verstaut werden müssen, eignen sich ideal. Das BBK rät zudem zu „luftdichten Verpackungen“.

Lebensmittel für Notfallvorrat mit Bedacht wählen – Strom kann ausfallen

So mancher User auf Facebook hält nichts von solchen Notvorräten. Im Gegenteil: viele Nutzer tun die Maßnahme als „Panikmache“ ab. Wortmeldungen wie „so ein Blödsinn“ oder „das ergibt keinen Sinn“ sind gleich mehrfach zu lesen. Eine Facebook-Userin schreibt: „Im Katastrophenfall kann man weder kochen, noch backen! Und auch keine Dosen öffnen. Bitte bedenken.“ Damit spricht sie einen wichtigen Punkt an, denn die Strom- oder auch die Wasserversorgung können im Katastrophenfall ausfallen.

Daher empfiehlt es sich, nicht bloß auf Tiefkühlkost, sondern auch auf Lebensmittel zu setzen, die bei Zimmertemperatur gelagert werden können. Um Speisen im Katastrophenfall zu erhitzen, ist zudem ein Gaskocher ideal, wie er zum Beispiel beim Camping zum Einsatz kommt. Welche konkreten Mengen an Lebensmittel-Arten im Notfallvorrat sein sollten, fasst Merkur.de* in einer Tabelle zusammen. *Merkur.de ist wie BW24 ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Martin Wagner/imago

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