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Maskenverweigerer lassen Supermarkt-Verkäufer verzweifeln - „werde beschimpft und angespuckt“

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Von: Sina Alonso Garcia

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Verkäufer im Supermarkt zeigen sich zunehmend gefrustet. Nach zwei Jahren Pandemie müssen sie noch immer mit Kunden diskutieren, die auf die Hygieneregeln pfeifen.

Stuttgart - Nicht nur im Privatleben hat das Coronavirus zunehmend Auswirkungen auf unsere zwischenmenschlichen Beziehungen. Auch in Supermärkten kommt es aufgrund der Hygieneauflagen immer wieder zu Reibereien. Besonders leiden darunter Verkäufer, die nach zwei Jahren Pandemie offenbar noch immer mit Kunden über die Maskenpflicht diskutieren müssen. Zahlreiche Mitarbeiter im Einzelhandel äußern nun ihren Unmut und erzählen von rücksichtslosen Kunden.

Anlass für die Diskussion war der Beitrag eines Kunden auf der Facebook-Seite von Kaufland, der sich über die Verkäufer beschwerte. „Ich sehe bei Kaufland leider immer sehr viele Kunden und auch Mitarbeiter, die ihre Maske falsch oder gar nicht tragen“, schreibt er. „Ist euch der Schutz anderer so wenig Wert? Warum gehen die Kaufland-Mitarbeiter nicht auf Kunden zu und bitten sie, die Maske richtig zu tragen?“

Verkäufer berichten von unglaublichen Vorfällen - „mir reicht es so langsam“

Den Beitrag des verärgerten Kunden wollten Verkäufer verschiedener Supermärkte nicht auf sich sitzen lassen - und erklärten ihre Situation. „Jetzt sag ich dir mal was“, schreibt eine Verkäuferin. „Was ich in den letzten Wochen wieder mit dummen Menschen diskutieren musste wegen der Maskenpflicht. Was ich mir wieder alles anhören musste. Nein Danke. Sollen alle machen, was sie wollen. Mir reicht es so langsam. Wenn erwachsene Menschen es nach zwei Jahren Pandemie immer noch nicht gecheckt haben, dann tut es mir leid. Ich bin nicht angestellt, um mich jeden Tag ärgern zu müssen.“

Wie eine andere Verkäuferin berichtet, sei auch sie langsam müde von den Diskussionen: „Wenn ich was sage, wird die Maske richtig angezogen. Bis ich weg bin. Dann hatte ich Glück. Habe ich Pech, muss ich diskutieren. Dafür werde ich aber nicht bezahlt. Oder noch schlimmer: Ich werde beschimpft, bespuckt und angepackt.“ Sie könne gut nachvollziehen, dass sich viele Verkäufer nicht mehr trauen, ihre Kunden in die Schranken zu weisen.

Verkäufer resignieren: „Verstehe jeden im Handel, der lieber die Klappe hält“

„Kunden gegenüber sagen wir bei uns auch nur noch selten was, da die meisten die Maske bewusst falsch tragen und nur auf Diskussionen, Beleidigungen und Bedrohungen aus sind. Da verstehe ich jeden im Handel, der lieber die Klappe hält“, bestätigt ein weiterer Verkäufer die Erfahrungen. Wie skrupellos die Problem-Kunden teilweise vorgehen, wenn sie anderer Meinung sind, zeigte sich erst kürzlich bei einem Vorfall mit einem Maskenverweigerer in einem Discounter. Weil ein 64-jähriger Senior einen Mann auf die Maskenpflicht hinwies, schlug dieser ihm mit der Faust ins Gesicht.

Eine Verkäuferin kassiert in einem Supermarkt eine Kundin ab.
Mitarbeiter in Supermärkten müssen sich immer wieder mit Kunden auseinandersetzen, die keine Rücksicht auf die Hygieneregeln nehmen. (Symbolbild) © Roland Schlager/APA/dpa

Durch die Corona-Pandemie haben sich die Anfeindungen im Berufsalltag von Supermarkt-Verkäufern offenbar im Vergleich zu vor der Pandemie verschlimmert. Während die Mitarbeiter im Einzelhandel anfangs noch als systemrelevante Helden galten, lässt sich seit einiger Zeit das genaue Gegenteil der ehemals entgegengebrachten Anerkennung beobachten: Sie erleben Hass, Spott und Verachtung. Auch eine Lidl-Verkäuferin rechnete kürzlich mit den Kunden ab und bezeichnete sie als „die letzten Asozialen“.

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