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Benefits, Sozialleistungen und Co.: Was Arbeitnehmer beanspruchen können

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Von: Jason Blaschke

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Die betrieblichen Sozialleistungen kann oder muss ein Arbeitgeber sogar zusätzlich zum Gehalt gewähren – bei der Arbeitgeberwahl können sie entscheidend sein.

Stuttgart – In Zeiten teurer Lebensmittel-, Kraftstoff- und Energiepreise pochen viele Gewerkschaften in Deutschland auf deutliche Lohnsteigerungen für ihre Mitglieder. Prominent sind Tarifrunden bei der IG Metall oder der Gewerkschaft Ver.di – beide vertreten eine große Arbeitnehmerzahl in Deutschland. Das Hauptargument der Arbeitnehmervertreter ist immer auch die Inflationsrate, die im September 2022 die Marke von 10 Prozent geknackt hat – ein neuer Rekord.

Betriebliche Sozialleistungen: steuerfrei und teils sogar Pflicht

Doch auch, wer nicht in einer Gewerkschaft organisiert ist, kann in der jetzigen Situation aktiv werden. Vor wenigen Wochen etwa hat die Ampel-Koalition im Bundestag eine steuerfreie Inflationsprämie von bis zu 3.000 Euro gebilligt, die Arbeitgeber befristet bis zum 31. Dezember 2024 an ihre Mitarbeiter auszahlen können. Und steuerfrei sind auch die vermögenswirksamen Leistungen, die in Deutschland jedem Arbeitnehmer gewährt werden können.

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Grund genug, sich das Thema betriebliche Sozialleistungen genauer anzuschauen. Unter diesen Begriff fallen sämtliche Leistungen, die der Arbeitgeber zusätzlich zum Gehalt gewährt. Benefits, Mitarbeitervorteile oder Lohnnebenleistungen – all das fällt unter die betrieblichen Sozialleistungen (BS). Zum Teil sind diese BS gesetzlich verankert – teils sind es aber auch freiwillige Leistungen. Die BS lassen sich in drei folgenden Kategorien unterteilen:

Gesetzliche Sozialleistungen: Was der Chef zum Lohn gewähren muss

Die gesetzlichen Sozialleistungen sind primär die Beiträge, die der Arbeitgeber zur gesetzlichen Sozialversicherung zahlen muss. In Deutschland sind das: Kranken-, Pflege-, Unfall-, Rente- und Arbeitslosenversicherung. Berichten der Online-Plattform „kununu.com“ zufolge, gehören zudem die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, der Mutterschutz, die Bezahlung von Feiertagen und die Kosten für den Betriebsrat in die Kategorie der gesetzlichen Sozialleistungen.

Für die gesetzlichen Sozialleistungen muss der Arbeitgeber aufkommen – im Gegensatz dazu sind die tariflichen Sozialleistungen in Deutschland nicht vorgeschrieben. Sie werden von Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern in den Tarifrunden festgelegt, sprich: Sie gelten nur, wenn sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer in den Tarifrunden vertreten sind. Benefits, die in einigen Betrieben in Tarifverträgen geregelt sind, werden in anderen Unternehmen möglicherweise nicht gewährt.

Firmen-Pkw, Weihnachtsgeld und Co. – welche Boni sich auszahlen können

Die dritten im Bunde sind die freiwilligen Sozialleistungen, die jeder Arbeitnehmer mit seinem Chef individuell vereinbaren muss. Im Kern wird hier zwischen Geld- und Sachleistungen unterschieden, die das Gehalt zusätzlich „aufhübschen“ können, wie es „kununu“ schreibt. Oft sind die freiwilligen Sozialleistungen deshalb auch Gegenstand in Gehaltsverhandlungen, da sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber profitieren können – ein Überblick:

Freiwillige Sozialleistungen: Geld extra zum Gehalt – teils sogar steuerfrei

Benefits wie Urlaubs-, Weihnachts- oder auch Fahrtkostengeld sind bekannte freiwillige Sozialleistungen, die viele Arbeitgeber den Angestellten gewähren. Interessant sind aber auch die Zuschüsse, die nicht versteuert werden müssen. Dazu zählen die VL oder die Beihilfen für Geburten oder Hochzeiten. Leistungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld müssen wiederum versteuert werden. Hier können Arbeitnehmer jedoch mit der richtigen Steuerklasse profitieren.

Sachbezüge nicht unterschätzen: Firmen-Pkw und Co. können Gehalt aufbessern

Im Unterschied zu den Geldleistungen gehen die Sachleistungen nicht unmittelbar auf das Girokonto ein. Sie können allerdings als sogenannte „Fringe Benefits“ das Bruttogehalt aufbessern, da sie von materiellem Wert sind. Der große Vorteil ist: Als betriebliche Sozialleistungen sind auch die Sachleistungen nach § 8 Abs. 2 Satz 11 EStG bis zu 50 Euro monatlich pro Mitarbeiter steuerfrei und werden – etwa im Fall eines Firmen-Pkws – mit dem Bruttogehalt verrechnet.

Das bedeutet, dass sich das Gehalt – von dem prozentual Sozialversicherung und Lohnsteuer abgezogen werden – verringert, was sich wiederum positiv auf das Nettogehalt auswirkt. Wer also sein Brutto- und Nettogehalt berechnen will, sollte die betrieblichen Leistungen nicht außer Acht lassen. Im Zweifelsfall kann ein Arbeitgeber mit einem niedrigeren Grundgehalt attraktiver sein, sofern die freiwilligen Sozialleistungen die besseren sind.

Fazit zu den betrieblichen Leistungen: Nicht nur das Gehalt im Blick haben

Zu nennen sind in Bezug auf die Sachbezüge noch die Dienstleistungen, die in diese Kategorie der betrieblichen Sozialleistungen in Deutschland eingeordnet werden. Weiterbildungsangebote, Betriebsausflüge oder auch eine betriebliche Altersvorsorge – auch sie sind Benefits, die Arbeitgeber als freiwillige Leistungen gewähren können und die bei einem Arbeitgeberwechsel mitunter relevant sind und nicht außer Acht gelassen werden sollten.

Das Fazit: Wer mit einem Arbeitgeber über das Gehalt verhandelt, sollte die betrieblichen Leistungen nicht vergessen. Sowohl die finanziellen, als auch die materiellen Leistungen haben einen Wert, der im Zweifelsfall sogar mehr wert sein kann, als ein höheres Gehalt. Der große Vorteil ist, dass auch viele der freiwilligen Sozialleistungen zumindest bis zu einem gewissen Grad steuerfrei sind – und auf der Gehaltsabrechnung beim Bruttogehalt auftauchen.

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