Auch Frankreich betroffen

Sonnenblumenöl knapp: TV-Sender sieht Schuld bei Muslimen - Zuschauer außer sich

  • VonStella Henrich
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Ein französischer TV-Sender erklärt die Knappheit an Sonnenblumenöl in den Lebensmittelmärkten zunächst mit dem Fastenmonat Ramadan. Und erntet dafür ironische Kommentare von seinen Zuschauern.

München - Sonnenblumenöl ist beliebt. Die Verbraucher hierzulande können inzwischen ein Lied davon singen. Entweder sie stehen vor leeren Regalen in den Märkten, oder sie müssen für eine Flasche Speiseöl deutlich mehr bezahlen.

Auch im Nachbarland Frankreich sieht die Situation ganz ähnlich aus, das Speiseöl wird knapp, wie der Fernsehsender BFMTV jetzt in einer Reportage berichtet. Als einen Grund dafür nennt der Sender den Fastenmonat Ramadan, wie Merkur.de berichtet. Denn „dieses Öl wird in der religiösen Tradition sehr häufig für Krapfen beim Fastenbrechen verwendet und soll die Regale der Supermärkte leeren.“

Dass der Sender mit seinem Beitrag zur Erklärung des Mangels an Speiseöl mit der Erwähnung des Fastenmonats deutlich überzieht, bringt seine Zuschauer auf die Palme. „Okay, also in Marokko macht niemand den Ramadan? Keine kleinen Krapfen zum Fastenbrechen?“, lautet die Ironie eines Internetnutzers, gefolgt von einem Video über volle Regale mit Sonnenblumenöl in Marokko, wo ja ebenfalls Ramadan gefeiert wird.

Sonnenblumenöl: Der wahre Grund für den Mangel

Doch was ist das wahre Problem? Der Mangel wird mit dem Ukraine-Krieg und der verlangsamten oder gar fehlenden Produktion in Verbindung gebracht. Schon seit Beginn des Krieges berichten die Medien darüber. Die Lieferketten für Sonnenblumenöl sind mit Ausbruch des Kriegs zum Erliegen gekommen.

In den Supermärkten stehen die Kunden oftmals vor halbleeren Regalen. (Symbolbild)

Die Hersteller sind gezwungen, die Zusammensetzung vieler Fertiggerichte, die Sonnenblumenöl enthalten, durch andere Inhaltsstoffe zu ersetzen. Der französische Staat hat den Herstellern von Kartoffelchips und Keksen gerade erst erlaubt, Rapsöl oder sogar Palmöl zuzulassen, ohne ihre Verpackungen zu verändern.

Sonnenblumenöl: Logistikprobleme und fehlende Lkw-Fahrer aus der Ukraine

„Beim Raps gibt es kein Problem“, sagt ein Sprecher des Verbands der ölstaatenverarbeitenden Industrien (Ovid). Denn in Deutschland, Frankreich oder Polen wird Raps demnach auf jeweils einer knappen Million Hektar angebaut. Dass auch Rapsöl derzeit in vielen Supermärkten nicht oder nur schwer zu bekommen ist, liegt laut Verband sowohl an Hamsterkäufen, als auch an Logistikproblemen. So fehlen Lkw-Fahrer aus der Ukraine, von denen viele bislang für polnische Speditionen arbeiteten.

Die Ukraine ist mit 50 Prozent der weltweiten Exporte der größte Exporteur von Sonnenblumenöl. Der herrschende Krieg erschwert den Handel zwischen den Ländern und führt zu dieser Verknappung und hohen Preisen. Aber auch Produkte wie Fleisch, Bier, Kaffee sind inzwischen deutlich im Einzelhandel teurer geworden.

Rubriklistenbild: © Imago

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