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Umstrittener „Selfmade-Millionär“ aus Stuttgart will Schlecker zurückholen - erste Filialen 2022

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Von: Franziska Vystrcil

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Eine Schlecker-Filiale im Jahr 2012.
2012 hat die Drogeriekette Schlecker Insolvenz angemeldet. Doch der gebürtige Stuttgarter Patrick Landrock hat sich den Markennamen gesichert und will eine neue Handelskette aufbauen. © imago stock

Fast zehn Jahre sind seit der Insolvenz und Zerschlagung der Drogeriekette Schlecker vergangen. Nun will ein gebürtiger Stuttgarter die Marke wieder ins Leben rufen.

Stuttgart - Im Jahr 2012 beantragte die Drogeriekette Schlecker Insolvenz, Tausende Mitarbeiter verloren ihre Jobs. Schlecker war mit 12.000 Filialen einst die größte Drogeriekette Europas. Inzwischen haben dm und Müller als größte Drogerieketten Deutschlands die Lücke von Schlecker gefüllt, dm ist sogar der beliebteste Markt. Doch womöglich kehrt Schlecker bald in deutsche Städte zurück.

Der gebürtige Stuttgarter Patrick Landrock hat sich den Markennamen von Schlecker gesichert. Sein Plan: eine neue Handelskette aufbauen. In einer eigenen Pressemitteilung bezeichnet er sich selbst als „Selfmade-Millionär“. Doch das Bild vom erfolgreichen Unternehmer allein hält kaum Stand, wie unter anderem Business Insider berichtet. Der Unternehmer steht beispielsweise aktuell in Österreich vor Gericht.

Unternehmer will Schlecker wiederbeleben - Filialen in Großstädten wie Berlin und Stuttgart geplant

Auch wenn die Marke Schlecker seit fast zehn Jahren von der Bildfläche verschwunden ist, ist der Name des Unternehmens aus Baden-Württemberg noch immer für viele ein Begriff. Das will sich Patrick Landrock zu nutzen machen. Sein Unternehmen Kitz-Venture hat sich bereits die internationalen Namensrechte von Schlecker gesichert. Unter dem alten Namen will der gebürtige Stuttgarter ein neues Unternehmen aufbauen, berichtet die Stuttgarter Zeitung (StZ). „Den Markennamen kennt jeder – auch wenn er zuletzt etwas negativ angehaucht war“, sagte Landrock der StZ. Denn vielen blieb besonders eine Sache im Gedächtnis: Obwohl 23.000 Mitarbeiter ihren Job verloren, lebte die Schlecker-Familie im Luxus.

Unternehmer Patrick Landrock
Der gebürtige Stuttgarter Patrick Landrock hat sich die Markenrechte von Schlecker gesichert. Für 2022 sind bereits neue Filialen geplant. © kitz/Venture GmbH

Deswegen plant Landrock, die Marke Schlecker neu zu positionieren. Im Zuge dessen soll auch das Sortiment frisch aufgestellt werden. So sollen neben Drogerieartikeln auch Lebensmittel, Bürobedarf und Baumarktartikel in den Filialen angeboten werden. Ein Mietgeschäft für Unterhaltungs- und Haushaltsgeräte sowie ein Lieferservice seien ebenfalls angedacht.

Bereits in der ersten Hälfte des Jahres 2022 will Patrick Landrock eine Onlineplattform starten, ehe in der zweiten Jahreshälfte Filialen in Berlin, München und auch Stuttgart eröffnet werden sollen. Insgesamt ist zunächst von 20 bis 50 größeren Geschäften die Rede.

Marke Schlecker soll zurückkehren: Unternehmer Patrick Landrock steht wegen schweren Betrugs vor Gericht

Fraglich ist nach aktuellem Stand jedoch, wie der Unternehmer das Geld für sein Vorhaben zusammenbringen will. Laut Informationen der Stuttgarter Zeitung erwirtschaftete Patrick Landrocks Firma Kitz-Venture im vergangenen Jahr gerade einmal knapp zehn Millionen Euro. Die Wiederbelebung von Schlecker wird den 36-Jährigen aber vermutlich mehrere hundert Millionen Euro kosten.

Und noch ein Problem muss der Unternehmer vorerst bewältigen: Patrick Landrock steht wegen gewerbsmäßig schweren Betrugs vor dem Innsbrucker Landgericht. Zwischen September 2016 und März 2017 soll der gebürtige Stuttgarter Investments mit einem fixen Zinssatz von 9,75 Prozent beworben und damit 79 Anleger getäuscht haben. Er schaltete zudem Werbung in Fernsehen und Presse für Kosten von rund 659.000 Euro. Gezahlt hat er den Betrag jedoch bis heute nicht.

Anmerkung der Redaktion

Dieser Artikel wurde ursprünglich am 28. Dezember 2021 veröffentlicht. Da er für unsere Leser noch immer Relevanz besitzt, hat die Redaktion ihn aktualisiert.

Wie Patrick Landrock selbst aussagt, habe er die Werbung nie in Auftrag gegeben, die Unterschriften hierfür seien gefälscht worden. Die Anlage hingegen habe er nach bestem Wissen und Gewissen und mit rechtlicher Absicherung entwickelt. Skurril ist jedoch: Weil er angeblich Anfeindungen erlebe, tritt er bei den Verhandlungen mit Personenschutz auf. Ob der Unternehmer so das angeknackste Image von Schlecker aufpolieren kann, wird die Zukunft zeigen.

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