„Tür zur Rückkehr ist zu“

Rente reicht nicht für Leben in Deutschland: Ruheständlerin wandert aus - und ist völlig ernüchtert

Küstenlandschaft auf der tunesischen Insel Djerba
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Ein Rentnerdasein auf der tunesischen Insel Djerba kann Schattenseiten haben 
  • Markus Hofstetter
    VonMarkus Hofstetter
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Viele Deutsche träumen von einem unbeschwerten Rentnerdasein im Ausland. Doch wenn man es aus finanzieller Not machen muss, können sich Abgründe auftun.

Berlin/Djerba - Die Zahl der Rentenbezieher im Ausland beläuft sich nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung (DRV) auf rund 1,8 Millionen. Die große Mehrheit von ihnen sind Ausländer, die in Deutschland gearbeitet haben und nun die Rente in ihrem Geburtsland genießen. Doch auch viele Deutsche lassen sich ihre Rente ins Ausland überweisen, im vergangenen Jahr waren es insgesamt 248.000.

Seniorin lebt wegen geringer Rente in Tunesien: 900 Euro Rente im Monat nach 45 Jahren Arbeit

Es ist nicht immer der Traum von einem unbeschwerten Ruhestand in einem exotischen Land mit besserem Wetter, der deutsche Rentner ins Ausland führt. Viele treibt die finanzielle Not in die Ferne*. Das zeigt eindrucksvoll ein Beitrag der Bild am Sonntag. Die Zeitung berichtet von der 73-jährigen Marlies Müßigmann aus Stuttgart, die nach 45 Jahren Arbeit als Kinderpflegerin 900 Euro Rente* erhält.

In Deutschland kam sie mit dieser Rente* nicht über die Runden. „Seit dem Ruhestand mit 60 Jahren drohte mir die Schuldenfalle. Nach Abzug aller Kosten blieben mir mit etwas Glück 120 Euro zum Leben. Sobald eine ungeplante Rechnung kam, musste ich beim Essen kürzertreten“, erzählt Müßigmann der Bild am Sonntag. Deswegen wanderte sie auf die Mittelmeerinsel Djerba aus, die zu Tunesien* gehört.

Seniorin lebt wegen geringer Rente in Tunesien: Negative Seite ist das einsame Leben

Das macht sich finanziell bezahlt. Für das Bungalow mit 90 Quadratmetern zahlt sie umgerechnet 154 Euro Miete im Monat, für Strom und Wasser 7,72 Euro. Die Versicherung für ihren Fiat Punto kostet 185 Euro.

Doch damit scheinen sich die positiven Seiten ihres Rentnerinnen-Daseins auf Djerba erschöpft zu haben. „Natürlich ist es günstig hier, aber ich lebe einsam in der Steppe“, sagt Müßigmann. Da das Auto derzeit kaputt ist, kann sie selbst nicht einkaufen gehen, die Geschäfte sind fünf Kilometer entfernt. Zum Strand sind es zwei Kilometer.

Seniorin lebt wegen geringer Rente in Tunesien: Rückkehr nach Deutschland ausgeschlossen

Das Leben von Müßigmann scheint auch einsam zu sein. Tochter und Enkel kommen nur zweimal jährlich zu Besuch, ein vor Ort lebende Freundin kann vorbeischauen. Einziger Fixpunkt ist die tägliche Fütterung von Tieren in einer Lagune am frühen Morgen.

Die Rückkehr in die Heimat hält die Rentnerin aus finanziellen Gründe aber für ausgeschlossen, auch weil Mieten und Lebenskosten steigen und ihr keine Rentenerhöhung zusteht. „Die Tür zur Rückkehr in die Heimat ist zu“, sagte sie der Bild am Sonntag. Sie wolle ihrer Familie nicht auf der Tasche liegen. Mit ihrer Rente sei Deutschland nicht mehr finanzierbar, zieht sie ein bitteres Fazit. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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