Twitter-Nutzer sind empört

Speiseöl zurück im Regal, doch der Preis schockt: „Kaufland zockt die Leute ab“

  • Jason Blaschke
    VonJason Blaschke
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Wer Speiseöl kaufen will, bekommt es in vielen Kaufland-Filialen wieder. Für eine einzige Flasche müssen die Kunden aber tiefer in die Tasche greifen.

Neckarsulm – Dass der Krieg in der Ukraine auch massive Folgen für die Verbraucher in Deutschland hat, merken die Menschen seit Wochen im Portemonnaie. Neben Energie- und Spritpreisen sind es primär die Lebensmittel, für die Verbraucher deutlich mehr bezahlen müssen. Erst vor wenigen Wochen korrigierten auch die zwei Discounter Aldi und Lidl ihre Preise nach oben, was in den sozialen Netzwerken für hitzige Debatten gesorgt hatte.

Speiseöl von Kaufland macht Schlagzeilen: Preisschild erschreckt die Kunden

„Alles bloß noch Abzocke“, schrieb eine Nutzerin auf Facebook als Reaktion auf die sprunghaft angestiegenen Preise für zahlreiche wichtige Alltags-Lebensmittel im Einzelhandel. Speziell all die Produkte, die aus Russland oder der Ukraine nach Deutschland importiert werden, sind am stärksten betroffen. Von exemplarischer Bedeutung ist hier das knappe und teure Speiseöl, das immer wieder für Schlagzeilen sorgt.

Als bekannt wurde, dass Lidl gewisse Alltags-Lebensmittel noch stärker rationiert, nachdem die Nachfrage stark zugenommen hatte, haben Recherchen von BW24 ergeben, dass neben Mehl auch Speiseöl von Einschränkungen bei der Abgabemenge betroffen war. Doch die Verfügbarkeit dürfte für einige Kunden in den Hintergrund rücken, wenn sie das neue Preisschild am Speiseöl-Regal bei Kaufland entdecken.

UnternehmenKaufland
HauptsitzNeckarsulm
Umsatz21 Milliarden EUR (2019)
Gründung1984, Neckarsulm
Mitarbeiterzahl139.000 (Oktober 2021)

Früher unter 2 Euro, heute fast 5 Euro pro Flasche – „Kaufland zockt ab“

Zwar gibt es wohl in mehreren Filialen wieder ausreichend Flaschen, die haben aber buchstäblich ihren Preis. „Im Kaufland gibt es wieder Sonnenblumenöl“, twittert ein User und ergänzt: „Aber für fünf Euro die Flasche.“ Dazu postet er ein Bild, das ein übervolles Speiseöl-Regal zeigt. Wer aber eine oder mehrere der begehrten Flaschen will, muss genau 4,99 Euro ausgeben. Dafür gibt es einen Liter Sonnenblumenöl in Bio-Qualität.

Mehrere Twitter-User können es nicht fassen. „Kaufland zockt die Leute aber auch ab, wo es nur geht“, schreibt ein verärgerter Nutzer. Die Botschaft sei klar: „Hättet ihr mal rechtzeitig gehamstert, müsstet ihr jetzt nicht den sechsfachen Preis bezahlen“. Das begehrte Produkt ist im Kaufland-Regal aber wenigstens immer noch günstiger, als auf Ebay, wo absurde Preise für Speiseöl ausgerufen werden – Angebote, die 50 Euro pro Liter verlangen, sind keine Seltenheit.

Kaufland ist übrigens kein Einzelfall. Berichten von HEIDELBERG24 zufolge verkauft auch Aldi ein Sonnenblumenöl für 4,99 Euro pro Liter. Zum Vergleich: Das sind stolze 3,20 Euro mehr, als die Eigenmarke von Aldi („Bellasan“, 1,79 Euro) zuletzt gekostet hatte. Auch andere Einzelhändler haben vergleichbare Angebote, die sich eher in die Richtung fünf Euro, statt zurück unter die Zwei-Euro-Marke bewegen. Dass die Preise so manche Hamsterer aber trotzdem nicht abschrecken, zeigt ein Bericht von 24hamburg.de, wonach in Hamburg jetzt Secirity das Speiseöl bewacht.

Speiseöl-Preis schockt nicht nur Verbraucher – auch die Wirtschaft bangt

Zum Glück gibt es viele gute Alternativen zum Sonnenblumenöl, die sich sowohl zum Braten, als auch zum Frittieren eignen. Doch auch hier ist das Problem, dass die Preise steigen, was speziell auch die Gastronomen zu spüren bekommen. Im Gespräch mit BW24 sagte ein Sprecher der DEHOGA Baden-Württemberg, dass der Kostendruck in der Gastronomie massive Probleme verursache. Auf Anfrage gab ein Restaurantchef an, dass er Angst habe, dass seine Gäste nicht mehr kommen werden.

Und auch die Pommes- und Chips-Produzenten schlagen angesichts des Speiseöl-Preises Alarm. Deren Verband warnt in einer Mitteilung vor den Engpässen in der Versorgung, die drohen, sollte sich die Lage nicht ändern. Mit Blick in die Ukraine wird das aber zumindest nicht in naher Zukunft der Fall sein. Wie wichtig das Land für die Speiseöl-Exporte nach Deutschland ist, zeigt eine Grafik vom Verband der Ölsaaten-verarbeitenden Industrie in Deutschland (OVID).

Deutschland deckt seinen Sonnenblumenöl-Bedarf zu 94 Prozent aus Importen. Russland und die Ukraine spielen dabei eine wichtige Rolle.

Speiseöl in Deutschland plötzlich massiv teurer – das steckt dahinter

Allein der Bedarf an Sonnenblumenöl wird zu 51 Prozent mit Produkten aus der Ukraine gedeckt, aus Russland zu 27 Prozent – lediglich sechs Prozent der benötigten Mengen pro Jahr deckt Deutschland mit der eigenen Landwirtschaft ab. Vor Kriegsbeginn waren die Geschäfte mit Russland und der Ukraine ein lukratives Geschäft. In Filialen von Kaufland, Lidl und Co. kostete der Liter lange unter zwei Euro. Sowohl die Ukraine als auch Russland waren günstige Importländer.

Heute zahlen die Verbraucher in Deutschland die Rechnung dafür. Ähnlich wie bei Erdöl oder Gas auch, ist es schwierig, von heute auf morgen die Bezugsquellen umzustellen. Die Auswirkungen sehen die Kunden am Preisschild – und in Zukunft womöglich auch bei anderen Produkten. Erst vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass das nächste Grundnahrungsmittel knapp und in der Folge teurer werden könnte. Der Discounter Aldi ermahnt die Hamsterer laut HEIDELBERG24 schon.

Rubriklistenbild: © Screenshot/Twitter

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