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Pommes- und Chipshersteller schlagen Alarm: „Uns ist das Lachen vergangen“

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Von: Jason Blaschke

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Speiseöl ist knapp und teuer – davon betroffen ist auch die Kartoffel-Industrie. Der Verband stellt eine düstere Prognose auf.

Bonn – Der seit mehreren Wochen tobende Krieg in der Ukraine ist auch im Alltag der Verbraucher deutlich spürbar. Teure Energie- und Spritpreise, aber auch Lieferengpässe sind mit Blick auf die Wirtschaft die zwei größten Probleme. Immer mehr Produkte sind knapp und zum Teil doppelt so teuer, wie noch 2021. Stark von Lieferengpässen betroffen ist aktuell das Sonnenblumenöl, das zu über 50 Prozent aus der Ukraine importiert wird.

Sonnenblumenöl ist aktuell rar und teuer – Mangel wird durch Hamsterkäufe verstärkt

„Sogar Spanien importiert Sonnenblumenöl aus der Ukraine“, sagt Horst-Peter Karos, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Obst-, Gemüse- und Kartoffelverarbeiter (BOGK) im Gespräch mit RTL/ntv. In Deutschland werden rund 94 Prozent des Bedarfs an Sonnenblumenöl importiert – größtenteils aus der Ukraine, aber zu rund 25 Prozent auch aus Russland. Verstärkt wird der Mangel an Sonnenblumenöl noch durch Hamsterkäufe.

Statt wie früher auf Klopapier haben es Hamsterer derzeit verstärkt auf Speiseöl abgesehen. Erste Händler wie Aldi, Lidl und Co. mussten schon mit Rationierungen reagieren, damit die flächendeckende Versorgung sichergestellt werden kann. Um das Thema Versorgungssicherheit macht sich auch BOGK-Geschäftsführer Karos Sorgen, denn der Speiseöl-Engpass, gepaart mit steigenden Produktionskosten, macht der Kartoffel-verarbeitenden Industrie zu schaffen.

Pommes- und Chipshersteller schlagen Alarm: Auch die Alternativen fehlen

In einer Mitteilung des BOGK ist von „explosionsartig gestiegenen Kosten in nahezu allen Bereichen“ die Rede, die die Herstellung von Kartoffelprodukten explizit betreffen. Der Engpass an Speiseölen in Deutschland ist für die Branche somit bloß ein Punkt. Dass zudem Sonnenblumenöl-Alternativen wie Rapsöl im Preis deutlich gestiegen sind, macht es für die Branche nicht einfacher. Karos nennt im Gespräch mit RTL/ntv Zahlen, die die Problematik verdeutlichen:

„Pommes Frites bestehen aus sechs bis acht Prozent Sonnenblumenöl.“ Mit Blick auf Kartoffelchips liege der Anteil mit teils bis zu zwölf Prozent sogar nochmal deutlich höher. Zwar können auch Pommes- und Chipshersteller auf Alternativen ausweichen, die jedoch zunehmend schwinden, wenn der Speiseöl-Markt leergekauft wird oder einzelne Alternativ-Produkte schlicht nicht mehr bezahlt werden können. Der Spritpreis-Irrsinn an der Tankstelle oder die düstere Energiepreis-Prognose für Deutschland tun ihr Übriges.

Experte mit finsterer Prognose – „fraglich, ob Produktion sichergestellt werden kann“

Karos: „Hinzu kommt der Ausfall von ukrainischen Fahrern und Arbeitern, die in der Logistikbranche und Landwirtschaft eingesetzt werden.“ Sicher ist somit, dass sich Verbraucher neben möglichen Lieferengpässen bei Kartoffelprodukten wie Chips und Pommes auch auf höhere Preise einstellen müssen, sollte sich an der aktuellen Marktsituation nichts ändern.

Karos sieht die Situation noch dramatischer: „Für die Unternehmen im BOGK geht es damit nicht nur um die Frage, zu welchen Preisen jetzt und mittelfristig produziert werden kann, sondern um die Frage, ob die Produktion von Lebensmitteln für die Verbraucher überhaupt sichergestellt werden kann.“ Die Kartoffel-verarbeitende Industrie ist dabei längst nicht der einzige Wirtschaftszweig, der mit der Speiseöl-Problematik zu kämpfen hat. Alarm schlägt auch die Gastronomie, wo das Öl zum Frittieren benötigt wird.

Mann macht Pommes an der Fritteuse
Bald könnte Schluss sein mit frittierten Pommes. Denn das Öl, was dafür dringend gebraucht wird, ist entweder knapp, oder zu teuer (Symbolbild). © Carmen Jaspersen/dpa

Restaurant-Chef vergeht das Lachen: Pommes fliegen von der Speisekarte

Berichten von wa.de* zufolge müssen erste Restaurants die Pommes von der Karte nehmen, weil schlichtweg das Öl zum Frittieren fehlt. „Das ist kein Aprilscherz. Uns ist das Lachen vergangen“, zitiert der Kölner Stadt-Anzeiger Erwin Ott, der in Köln das Restaurant „Gaffel am Dom“ leitet. Die Lieferanten könnten laut Ott nicht mehr genug Speiseöl liefern, weshalb sich man sich zu diesem Schritt entschlossen habe.

Die Nutzer auf Facebook sehen die Problematik um die Kartoffel-Produkte gelassen. „Wenn für jemanden Pommes und Chips lebensnotwendig sind, hat derjenige ganz andere Probleme“, schreibt eine Userin. Eine andere Nutzerin sieht sogar einen Vorteil: „Besser für die Figur und den Cholesterinspiegel.“ Viel Zuspruch bekommt auf Facebook auch der Kommentar „Sack Kartoffeln und man kann selbst alle frisch machen. Wo ist das Problem?“

Engpässe und steigende Kosten – BOGK mit klarer Botschaft an Handel

Aus Sicht des BOGK ist in der aktuellen Situation eine verstärkte Partnerschaft und eine Neukalkulation der Vertragsabschlüsse mit dem Handel dringend erforderlich. Für die Verbraucher bedeutet das: steigende Preise, auch für Pommes Frites und Chips – umso wichtiger ist es in der aktuellen Situation ein paar gute Spar-Tricks beim Einkaufen zu beherzigen, die an der Kasse das Portmonnaie schonen. *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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