Verbraucherwarnung

Besorgniserregende Laborergebnisse: Gefährliche Stoffe in Nutella und Knorr-Produkten entdeckt

Aromatische Mineralöle in Lebensmitteln: In Deutschland sind Nutella, Nusspli Nuss-Nougat-Creme sowie Brühwürfel und Bratensauce von Knorr betroffen. (Symbolbild)
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Aromatische Mineralöle in Lebensmitteln: In Deutschland sind Nutella, Nusspli Nuss-Nougat-Creme sowie Brühwürfel und Bratensauce von Knorr betroffen. (Symbolbild)
  • Luisa Weckesser
    VonLuisa Weckesser
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Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat 152 Lebensmittel aus verschiedenen EU-Ländern getestet. Das Ergebnis ist erschreckend. Ein Überblick.

Kassel – Ob Brühwürfel oder Schokocreme: Einige alltägliche Lebensmittel sollen mit gefährlichen Mineralölrückständen belastet sein, wie ein europaweiter Labortest von Foodwatch zeigt. Die Verbraucherorganisation forderte den neuen Bundesernährungsminister Cem Özdemir daher kürzlich auf, einen EU-weiten Grenzwert für Mineralölbelastungen durchzusetzen.

Foodwatch hat bei dem Labortest insgesamt 152 Lebensmittel aus verschiedenen europäischen Ländern untersuchen lassen – und jedes achte Produkt ist tatsächlich mit sogenannten aromatischen Mineralölen (MOAH) belastet, die unter Verdacht stehen, krebserregend und erbgutverändernd zu sein. In Deutschland sind Nutella, Nusspli Nuss-Nougat-Creme sowie Brühwürfel und Bratensauce von Knorr betroffen. Die Produkte müssten sofort öffentlich zurückgerufen werden, so Foodwatch.

Gefährliche Stoffe in Nutella und Knorr-Produkten entdeckt: Foodwatch veröffentlicht Labortest

„Der eigentliche Skandal ist: Obwohl das Problem gefährlicher Mineralölverunreinigungen seit Jahren bekannt und vollständig lösbar ist, gibt es noch immer keinen Grenzwert, der Verbraucher* schützt – das ist ein echtes Politikversagen. Der neue Bundesernährungsminister hat eine dringende Aufgabe: Cem Özdemir muss sich umgehend für einen strengen EU-weiten Mineralöl-Grenzwert starkmachen“, sagte Saskia Reinbeck von Foodwatch

Außerdem betonte die Organisation, dass das EU-Lebensmittelrecht klar vorschreibe: „Lebensmittel, die nicht sicher sind, dürfen nicht in Verkehr gebracht werden.“ Die deutsche Lebensmittelindustrie habe sich, beginnend im Mai 2019, gegenüber den Aufsichtsbehörden verpflichtet, inzwischen acht Produktkategorien ohne aromatische Mineralöle zu liefern, erklärt Foodwatch.

Besorgniserregende Laborergebnisse: 152 Produkte im Mineralöl-Test

Trotzdem weisen Tests auch in Deutschland immer noch Mineralölrückstände nach. Das europäische Lebensmittelrecht gelte für die gesamte EU-Bevölkerung und deshalb müsse die EU so schnell wie möglich eine MOAH-Nulltoleranz für alle Lebensmittelkategorien im EU-Schadstoffrecht verankern, forderte Foodwatch.

Für den aktuellen Test hat die Verbraucherbehörde 152 Produkte aus Deutschland, Österreich, Belgien, Frankreich und den Niederlanden in zwei verschiedenen Laboren untersuchen lassen. In 19 Produkten (12,5 Prozent) wurden dann tatsächlich auch Mineralölrückstände nachgewiesen.

Als Nachweisgrenze gelte dabei in den allermeisten Produkten ein Wert von 0,5 mg pro Kilogramm, schreibt die Internetseite Produktwarnung.eu. Die Kontaminationswerte reichten aber von 0,63 mg/kg (Bio-Nuss-Nougat-Aufstrich aus Belgien) bis zu enormen 82 mg/kg (in Knorr Bratensaft Basis aus Deutschland).

Was sind eigentlich Mineralöle?

Mineralöle sind die größte Verunreinigung im menschlichen Körper. Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA beschreibt besonders die aromatischen Mineralöle (MOAH) als potenziell krebserregend und erbgutschädigend – weshalb solche Rückstände selbst in kleinsten Mengen nicht in Lebensmitteln enthalten sein sollten. Neben Maschinen bei Ernte und Verarbeitung kann auch die Verpackung der Grund für die Mineralöl-Verunreinigung sein. So enthalten zum Beispiel Verpackungen aus Altpapier oft Mineralöle aus Druckfarben, die auf Lebensmittel übergehen können. (Quelle: produktwarnung.eu)

Erschreckende Laborergebnisse: Gefährliche Stoffe in Nutella und Knorr-Produkten entdeckt

Der Knorr-Bouillonwürfel des Herstellers Unilever sei in mehreren Chargen in den fünf verschiedenen Ländern stark mit MOAH kontaminiert gewesen. Bei Nutella war eine Charge aus Deutschland mit 2,3 mg/kg MOAH verunreinigt, in den anderen Chargen war MOAH nicht nachweisbar.

„Die Testergebnisse zeigen, dass es zwar viele Hersteller mittlerweile schaffen, Produkte ohne krebsverdächtige Mineralöle herzustellen, einige jedoch nicht. Knorr-Produkte von Unilever sind in allen untersuchten Ländern teils enorm hoch mit krebsverdächtigen Mineralölen belastet – sie müssen sofort aus den Verkaufsregalen verschwinden.“, so Saskia Reinbeck von Foodwatch.

Nutella-Hersteller Ferrero habe offenbar auch ein Problem mit seiner Qualitätssicherung, sonst dürfte keine einzige Nutella-Charge MOAH enthalten, sagt Reinbeck. „Mineralölverunreinigungen in Lebensmitteln sind ein inakzeptables, vermeidbares und lösbares Gesundheitsproblem. Lebensmittelfirmen müssen über einen strengen gesetzlichen Grenzwert endlich dazu gebracht werden, Mineralölbelastungen aus ihren Produkten herauszuhalten.“

Besorgniserregende Laborergebnisse: Den ersten Test veröffentlichte die Organisation im Jahr 2015

Es sei bereits das dritte Mal, dass Foodwatch durch Labortests nachgewiesen hat, dass mit MOAH belastete Produkte in den Regalen stehen. Den ersten Test veröffentlichte die Organisation im Jahr 2015. Im November 2019 wies ein weiterer Labortest im Auftrag von Foodwatch Mineralöl in mehreren Säuglingsmilchprodukten nach, darunter in Produkten von Nestlé, Danone und Novalac.

Daraufhin beschlossen die Europäische Kommission und die EU-Mitgliedstaaten laut Produktwarnung.eu im Juni 2020, einen Schwellenwert von 1 mg/kg MOAH-Gehalt für Säuglingsmilchpulver. Nach Ansicht von Foodwatch sei dieser Grenzwert jedoch unzureichend, um die Verbraucher in Europa zu schützen.

Derzeit wird eine Gewürzmischung sowie ein Gewürz zurückgerufen*. Der Rückruf geht vom Bundesamt für Verbraucherschutz aus. Es besteht ebenfalls Krebs-Gefahr. (luw) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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