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Hersteller vertuschen Preiserhöhungen mit Mogelpackungen - „Ganz schön asozial“

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Von: Franziska Vystrcil

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Chips der Firma Lays in einem Regal bei Edeka
Chipspackungen stehen oftmals aufgrund ihrer geringen Füllmenge in der Kritik. Doch nicht nur bei den Snacks mogeln die Hersteller. © imago stock&people

Mehr Luft als Inhalt: Sogenannte Mogelpackungen bereiten Verbraucherschützern seit langem Kopfzerbrechen. In den vergangenen Monaten war der Preisanstiege immens.

Stuttgart/Hamburg - Explodierende Gaspreise, teure Lebensmittel und fast unbezahlbares Benzin - derzeit steigen die Kosten scheinbar in allen Lebensbereichen ins Unermessliche. Während man diese Mehrkosten spätestens bei der Nebenkostenabrechnung oder aber auf dem Kassenzettel feststellen kann, finden andere Veränderung beinahe still und heimlich statt: Verpackungen werden minimal kleiner oder der Inhalt weniger - der Preis bleibt jedoch gleich. Solche Mogelpackungen finden sich in deutschen Supermärkten und Discountern zuhauf. Zuletzt gab es auf Facebook einen Sturm der Entrüstung, da in den Haribo-Packungen weniger Goldbären sind.

Viele dieser Mogelpackungen werden auch von der Verbraucherzentrale registriert. Rund 3.000 Beschwerden erreichen diese jedes Jahr. Das Schlimme daran: Die Gesetzgebung in Deutschland macht es den Unternehmen leicht, bei Verpackungen und Füllmengen zu tricksen.

Gleiche Packung, weniger Inhalt: Verbraucher werden unbewusst über den Tisch gezogen

Der NDR machte den Test, setzte Passanten verschiedene Lebensmittelverpackungen vor. Zwei Packungen Frischkäse, zwei Chipsdosen sowie zwei Chipstüten. Auf den ersten Blick gibt es keinen Unterschied. Doch wer genau hinsieht, erkennt: In einer von zweien ist weniger Inhalt zu finden. Während eine Chipstüte der Marke Lays 175 Gramm Chips enthält, sind es in der anderen - mit identischer Verpackung - lediglich 150 Gramm.

Auch beim Frischkäse von Milkana wurde geschummelt. „Die Verpackung wirkt auf mich gleich groß“, meint ein Passant, während er die beiden Artikel vergleicht. Einen Unterschied bemerkt ein anderer Mann erst beim Blick auf die Grammangabe - einmal sind 200 Gramm, bei der anderen Packung nur 190 Gramm enthalten. Das gleiche Spiel bei den Chipsdosen von Pringles. 15 Gramm liegen zwischen beiden Dosen. Und das, obwohl beide gleich groß sind. Nur ist eben eine mit weniger Inhalt befüllt.

Dabei ist jedoch nicht nur das Gewicht unterschiedlich, sondern oftmals auch der Preis. Bei Milkana ist nicht nur weniger drin, sondern der Aufstrich ist auch noch teurer. Anstatt 1,99 Euro für 200 Gramm müssen Kunden für 190 Gramm nun 2,29 Euro bezahlen. Somit liegt eine Preiserhöhung von 21 Prozent vor. Im Fall der Lays Chips gibt es 25 Gramm weniger Inhalt und eine saftige Preiserhöhung von 17 Prozent. Auch die abgespeckte Version der Chips von Pringles ist 16,5 Prozent teurer. „Das ist ganz schön asozial“, findet ein befragter Passant, während er die Pringlespackungen miteinander vergleicht.

Experte warnt: Händler und Hersteller haben „überhaupt keine Hemmungen mehr“, Preise zu erhöhen

Solche versteckten Preiserhöhungen durch weniger Inhalt sind jedoch keine Seltenheit. Als „shrinkflation“ wird dieser Vorgang unter Experten bezeichnet. Der Begriff setzt sich aus den Wörtern „shrink“, dem englischen Wort für „schrumpfen“, und „Inflation“ zusammen. Diesen Verteuerungs-Trick beobachtet Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg schon länger, doch vor allem in den vergangenen Monaten hätten sich die Fälle gehäuft. „Auffällig ist, dass die Hersteller und Händler jetzt überhaupt keine Hemmungen mehr haben, die Preise zu erhöhen“, sagt Valet im Gespräch mit dem NDR.

Drei Tricks im Speziellen konnte der Verbraucherschützer bisher ausmachen: Die Packung wird kleiner, der Preis niedriger, jedoch wird das Produkt dennoch teurer. Das wird am Beispiel vom Bitter-Lemon-Getränk von Pennys Eigenmarke deutlich. Die Flasche schrumpft von 1,5 Liter auf 1 Liter. Zwar wird auch der Preis gesenkt, unterm Strich ist das Getränk dennoch 25 Prozent teurer geworden. Auch Coca-Cola hat eine Preisanpassung geplant.

Der zweite Trick: weniger Inhalt für mehr Geld. „Wir haben jetzt deutlich mehr doppelte Preiserhöhungen“, sagt Armin Valet. „Das heißt, es ist weniger drin und man muss oft auch mehr bezahlen.“ Auch beliebt bei vielen Herstellerin ist die Minderung der Stückzahlen oder Menge in einer Packung. Die Verpackung bleibt identisch, die Füllmenge wird reduziert. Und der Preis bleibt zum Leidwesen der Verbraucher unverändert.

Verboten sind all diese Tricks außerdem nicht, denn in Deutschland gibt es keine rechtlichen Vorgaben für bestimmte Füllmengen oder Preiserhöhungen. Den Verbrauchern bleibt da nur, wachsam zu bleiben und beim Einkauf genauer hinzusehen. Mit einigen Tricks können sich Verbraucher vor Abzocke schützen.

Achtung, Mogelpackung: So erkennt man versteckte Preiserhöhungen

Die Hersteller liefern unterdessen viele - teilweise auch durchaus plausible - Gründe für die Preiserhöhungen. Gestiegene Energie- und Rohstoffpreise, teurere Düngemittel oder aber Lieferengpässe durch Lieferprobleme sind nur drei von vielen Gründen.

Doch wie können Verbraucher darauf reagieren? Die Verbraucherzentrale rät, Preise pro 100 Gramm zu vergleichen, also den sogenannten Grundpreis. Oftmals kann man hier von teuren Markenprodukten auf weitaus günstigere Eigenmarken von Kaufland, Lidl und Co. ausweichen. Jedoch befürchten Experten, dass auch hier in naher Zukunft eine Preiserhöhung stattfinden wird. Supermärkte haben bereits viele Preise um bis zu 60 Prozent angehoben. Bei Kosmetikprodukten sollte man ebenfalls genau hinsehen. Oftmals sind große Packungen pro 100 Gramm teurer als kleinere Packungen. Dem Kunden wird hierbei vorgegaukelt, viel Inhalt für wenig Geld zu bekommen.

Auch bei neuen Sorten ist Vorsicht geboten. Hersteller von Frischkäse oder Schokolade bieten regelmäßig neue Sorten an. Diese sehen auf den ersten Blick gleich groß aus, wie die altbekannten Sorten. Doch manche Hersteller reduzieren bei neuen Sorten den Inhalt und setzen darauf, dass Verbraucher, die die Marke und das Produkt seit langem kaufen, die Reduzierung übersehen. Denn aus Gewohnheit kontrollieren viele Kunden die Mengen nicht.

Ähnlich sieht es bei Relaunches aus. Neue Verpackungen oder ein neuer Name verstecken oftmals, dass der Inhalt mit dem Relaunch geschrumpft ist. Die Rezepturen der Waren bleiben unterdessen gleich, jedoch bekommen Kunden weniger für das gleiche Geld. Weitere Tipps, wie man in der Krise sparen kann, gibt es auf der Verbraucher-Seite von BW24.

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