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Milchprodukte werden deutlich teurer und knapp – Experte warnt

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Von: Jason Blaschke

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Der Krieg in der Ukraine wirkt sich massiv auf die Milchindustrie in Deutschland aus. Lieferengpässe und ein akuter Fahrermangel sind nur zwei Probleme.

Berlin – Der Krieg in der Ukraine beeinflusst die Wirtschaft in Deutschland massiv. In nahezu allen Branchen kämpfen die Firmen mit explodierenden Energie- und Spritpreisen, die trotz staatlicher Hilfen nicht spürbar sinken. Erst vor wenigen Wochen mussten auch die Discounter Lidl und Aldi ihre Preise anpassen und einige Lebensmittel sogar rationieren. Und auch, wer viel außerhalb isst, bleibt von Preisüberraschungen nicht mehr verschont.

Ukraine-Krieg belastet die Milchindustrie – Experte nennt größte Probleme

Dass zum Beispiel Döner bald mehr als sieben Euro kosten, könnte aus Sicht eines Experten bald Realität sein. Hintergrund sind Lieferengpässe in Deutschland, aber auch die Energiepreise, die laut der neuesten Gaspreis-Prognose der EnBW zumindest vorerst wohl nicht wieder sinken werden. Eine Branche, die besonders extrem von den Kriegsfolgen in der Ukraine betroffen ist, ist die Milchindustrie. Neben Lieferengpässen und Energiepreisen gibt es hier noch andere Probleme.

„Futter- und Düngemittel sind enorm im Preis gestiegen“, sagt Eckhard Heuser – Hauptgeschäftsführer im Milchindustrie-Verband e. V. (MIV). Auf Anfrage von BW24 erzählt er, dass Lieferanten teilweise nicht lieferfähig seien. Die Lieferketten insgesamt seien in Deutschland bedroht. Und: „In Europa herrscht Fahrermangel, die sind alle an der Front!“ Es sind gewaltige Herausforderungen, vor denen die Milchindustrie steht.

Teilweise sind die Lieferanten nicht lieferfähig. Lieferketten insgesamt sind bedroht.

Eckhard Heuser, Geschäftsführer Milchindustrie-Verband e. V.

Experte mit düsterer Prognose zu Milchpreisen – „der Rest kommt noch“

Kein Wunder, dass die Preise für Milch und Milchprodukte zuletzt angestiegen sind. Zum Vergleich: 2021 hatte ein Stück Butter (250 Gramm) der Lidl-Eigenmarke Milbona noch 1,35 Euro gekostet, aktuell sind es 1,65 Euro. Und auch der Naturjoghurt von Lidl kostet mit aktuell 65 Cent mehr, als noch vor Kriegsbeginn. Heuser: „Mit Blick auf die Butter sind starke Veränderungen festzustellen, der Rest kommt noch, spätestens zum 1. Juli 2022.“

Die oben genannten Gründe sind hauptverantwortlich für die Preissteigerungen, aber auch die Verbraucher tragen eine Mitschuld. „Eine erhöhte Nachfrage durch Hamstern erhöht den Preis bei knappem Angebot“, erklärt Heuser. Immer wieder macht das Thema Schlagzeilen – erst vor wenigen Wochen wurde ein Hamsterkäufer in einer Kaufland-Filiale ertappt, als er einen ganzen Wagen mit Ketchup und Mayonnaise eingekauft hatte.

Diese Faktoren bestimmen den Milchpreis:

Milchpreis-Sprünge erzürnen Facebook-User – „wie viel Geld denn noch?“

Immer wieder machen Experten auf die unnötigen Hamsterkäufe aufmerksam und empfehlen, lediglich einen 10-Tage-Notfallvorrat anzulegen, der im Alltag tatsächlich auch aufgebraucht werden kann. Heuer geht davon aus, dass die Preise für Milch und auch für Milchprodukte künftig noch weiter ansteigen werden. Die Butter sei schon auf etwa 2,09 Euro das Päckchen angestiegen, was der Experte mit Blick auf die Ausgaben der Milchproduzenten nicht überzogen findet.

Und auch Trinkmilch werde in der Preiseingangsstufe über einen Euro pro Packung kosten. Eine Ankündigung, die in der Facebook-Community scharf kritisiert wird. „Schon wieder? Die Preise wurden doch erst vor Kurzem aufgeschlagen! Wie viel Geld wollen die denn noch?“, schreibt eine verärgerte Userin. Viele Nutzer prangern zudem an, dass die Preise für Lebensmittel bloß in Deutschland anziehen würden und nicht in anderen Staaten.

Längst nicht bloß die Milchprodukte – auch andere Nahrungsmittel betroffen

„Aber nur in Deutschland! Die Mittelschicht verabschiedet sich“, lautet ein Kommentar dazu. Die Facebook-Nutzer sind verärgert – viele Milchproduzenten in Deutschland dürfte die Preissteigerungen aber freuen, denn laut Heuer kommen die Mehrkosten für die Milch und Milcherzeugnisse tatsächlich bei den einzelnen Milchviehaltern an. „Der Jahresmittelpreis 2021 war 36,3 Cent pro Kilo, jetzt sind wir bei 43 und die 50 werden wir bald sehen.“

Gut für die Produzenten und Milchviehhalter, aber eine zusätzliche finanzielle Belastung für die Verbraucher: besonders im Bereich Lebensmittel sind es längst nicht mehr bloß die Milchprodukte, die spürbar im Preis ansteigen. Welche Produkte noch viel teurer im Einkauf werden könnten, enthüllte Ariane Amstutz vom LBV Baden-Württemberg erst vor einigen Wochen im Gespräch mit BW24, als das Mehl in Deutschlands Läden knapp wurde.

Ein Lebensmittel – wo der Preis besonders extrem angestiegen ist – ist das Speiseöl. Zuletzt hatte sogar Kaufland für eine Flasche Sonnenblumenöl fast fünf Euro verlangt. Ähnliche Preise verlangt Berichten von HEIDELBERG24 zufolge auch der Discounter Aldi. Einem Nutzer auf Twitter geht das zu weit, er sagt: „Nee Danke Aldi, last mal stecken“ und kauft das teure Speiseöl nicht. Doch in einigen Filialen scheinen auch die günstigeren Eigenmarken langsam wieder zurückzukommen. 

Lebensmittel werden knapp und teuer: So können Verbraucher noch sparen

Ein Ende von Lieferengpässen und neuen Preissteigerungen scheint also erst einmal nicht in Sicht zu sein. Berichten von RUHR24 zufolge wird nach Öl, Mehl und Honig aktuell ein weiteres Lebensmittel knapp, das in Deutschlands sehr bekannt ist. Die Kunden von Kaufland, Lidl und Co. haben darauf erst einmal keinen Einfluss. Mit ein paar Tricks können Verbraucher aber viel Geld sparen, heißt es von der Verbraucherzentrale Brandenburg.

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