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„Attacke“ der Maultasche: Bürger-Chef will schwäbische Leibspeise in Deutschland bekannter machen

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Von: Jason Blaschke

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Die Maultaschen von Bürger sollen auch außerhalb von Baden-Württemberg bekannter werden. Bürger-Chef Bihlmaier verfolgt deshalb ein spezielles Projekt.

Ditzingen – In Baden-Württemberg kennt die Maultaschen von Bürger fast jeder. Eigentlich kein Wunder, denn nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen (FAZ) verdrückt jeder Baden-Württemberger im Schnitt 42 Maultaschen pro Jahr. Außerhalb der schwäbischen Maultaschen-Hochburg sind es im Schnitt bloß acht der Teigtaschen im Jahr.

Bürger-Chef will Maultaschen-Äquator verschieben – „sehe viel Potenzial“

Martin Bihlmaier vom Familienunternehmen Bürger in Ditzingen (nahe Stuttgart) will das ändern und die schwäbische Spezialität bundesweit bekannter machen. Er sehe hier sehr viel Potenzial, sagte Bihlmaier im Gespräch mit der FAZ. Er hat es sich zum Ziel gesetzt, den Maultaschen-Äquator nach Norden zu verschieben.

Intern wurde das Projekt „Attacke Deutschland“ getauft und steht für Bihlmaiers Vorhaben, mit seinen Maultaschen auch den Norden Deutschlands zu erobern. In den benachbarten Bundesländern Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und auch im Saarland sind die Maultaschen von Bürger schon häufiger anzutreffen.

UnternehmenBürger
Gründung1934
Mitarbeiterzahl989
SitzDitzingen, Deutschland
GeschäftsführerMartin Bihlmaier

Bürger-Maultaschen sollen bekannter werden – mithilfe von „Exilschwaben“

Auch weit in den Norden nach Düsseldorf sei man schon vorgerückt, so Bihlmaier. Ebenso nach Berlin und Hamburg, wo der Bürger-Chef auf eine ganz bestimmte Zielgruppe setzt, die sein Produkt bekannter machen soll: die „Exilschwaben“. Sie sollen „den Umsatz seiner Spezialität anzukurbeln“.

Martin Bihlmaier, der Geschäftsführer von Bürger, sitzt hinter einem Band, auf dem Maultaschen liegen.
Martin Bihlmaier, der Chef des Teigwarenproduzenten Bürger aus Ditzingen, möchte die Maultasche deutschlandweit bekannter machen. © Marijan Murat/dpa

Unterstützt werden die Maultaschen-Trendsetter von Plakaten und Hörwerbung. Damit wolle man ganz gezielt in einer Region werben, sagte Bihlmaier im FAZ-Gespräch und bekräftigte zugleich, dass ganz Deutschland für sein Familienunternehmen aus Baden-Württemberg ein wichtiger Absatzmarkt sei.

Rund 40 verschiedene Maultaschen-Varianten von Bürger – fleischlose Alternativen im Trend

„Im Ausland sind Maultaschen ein erklärungsbedürftiges Geschäft.“ Zwar gebe es immer wieder mal Deutschland-Wochen im Ausland, feste Maultaschen-Stammesser aber weniger. Auch deshalb liegt der Fokus sehr stark auf Deutschland und speziell eben auf Baden-Württemberg, wo die Verbraucher immer wieder neue Kreationen serviert bekommen.

Von der traditionellen Bürger-Maultasche gibt es mittlerweile rund 40 verschiedene Varianten. Es habe sogar schon einmal eine scharfe Chili-Maultasche gegeben, so Bihlmaier. „Das hat nicht funktioniert.“ Sehr im Trend sind stattdessen die fleischlosen Alternativen, also die Teigtaschen mit rein pflanzlicher Füllung.

Folgen des Ukraine-Kriegs bereiten Maultaschen-Chef Sorgen – Gas für Produktion dringend benötigt

Die Zielgruppe der Veganer und Flexitarier werde immer wichtiger, sagt Bihlmaier. Als „Flexitarier“ bezeichnet der Maultaschen-Chef all jene, die gelegentlich auf Fleisch verzichten wollen oder ihren Fleischkonsum generell reduzieren möchten. Der Geschäftsführer von Bürger ist optimistisch, obwohl auch ihn große wirtschaftliche Sorgen plagen.

Die Kosten für wichtige Rohstoffe und Energie belasten das Familienunternehmen aus der Nähe von Stuttgart schwer, allen voran die Gasproblematik. Das Gas wird für die Produktion im baden-württembergischen Crailsheim für den Betrieb des Schnelldampferzeugers dringend benötigt.

Auch Bürger kämpft mit teuren Lebensmitteln – diese Produkte sind stark betroffen

Denn bevor die Maultaschen verpackt werden, müssen sie bei über 90 Grad durch den mit Gas betriebenen Dampfgarer. „Wir benötigen Dampf“, sagt Bihlmaier, der mit Blick auf den Gas-Notfallplan der Bundesregierung schon vorgesorgt und einen Umbausatz gekauft hat.

Eine Mitarbeiterin richtet Maultaschen von Bürger in einer Verpackung aus.
Maultaschen von Bürger erfreuen sich vor allem in Baden-Württemberg großer Beliebtheit. © Marijan Murat/dpa

Zur Not könne der Dampfgarer auch mit Öl betrieben werden. Ein Gas-Stopp würde in Ditzingen also keinen Maultaschen-Stopp bedeuten. Die größere Sorge ist, dass die Preise für benötigte Lebensmittel weiter durch die Decke gehen. Als Beispiel nennt Bihlmaier die Kosten für Mehl.

Laut Experten sind es aber auch Milch und Milchprodukte sowie Speiseöle, die in absehbarer Zeit noch teurer werden könnten. Der Hintergrund für die düstere Prognose der Lebensmittelpreise ist, dass ein Kriegsende in der Ukraine nicht absehbar ist.

Werden jetzt auch die Maultaschen teurer? Bürger-Chef äußert sich

Hinzu kommt, dass Preisfaktoren wie Mindestlohn, Missernten oder auch Hamsterkäufe schwer kalkulierbar sind und es dazu keine verlässlichen Prognosen gibt. Für Bihlmaier ein zusätzliches Problem, das sich nicht so leicht beheben lässt, denn der Einzelhandel zeige laut Bihlmaier wenig Verständnis für schnelle Preisanpassungen.

Bihlmaier im FAZ-Gespräch: „Es ist schwierig, eine Preiserhöhung durchzusetzen.“ Rund zwei Drittel des Umsatzes erzielt Bürger mit dem Verkauf seiner Maultaschen an den Einzelhandel. Nur rund ein Drittel der Erlöse kommt über die Geschäfte mit Großverbrauchern wie Gastronomie, Mensen, Kantinen, Heimen und Heimdiensten.

Die Maultaschen-Liebhaber müssen also erst einmal keine Angst vor gewaltigen Preissprüngen haben. Fakt ist aber, dass viele Experten mit teureren Lebensmittel-Preisen rechnen, sollten die Ausgaben der Produzenten weiter steigen. Ein ganz entscheidender Faktor ist hier der Krieg in der Ukraine.

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