Preisanstieg bei Lidl & Co.

Lidl erhöht Preise massiv: So viel mehr müssen Kunden zahlen 

Lidl-Filiale in Rathenow
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Markenprodukte sind in Discountern wie Lidl um bis zu 30 Prozent geworden.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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„Lidl lohnt sich“ - tut es das wirklich? Der Discounter erhöht seit Januar stetig seine Preise. Viele Produkte sind bis zu 30 Prozent teurer als zum Jahresanfang. Doch woher kommt der Preisanstieg?

Stuttgart - Der Einkaufswagen ist nur halb voll und trotzdem erschrickt man an der Kasse, wenn es ans Zahlen geht. Vielen Lidl-Kunden ist es bereits aufgefallen: Die Preise haben sich erhöht. Und nicht nur Lidl dreht an der Preisschraube, auch andere Discounter ziehen nach und verteuern ihre Produkte. Sowohl Eigenmarken als auch Markenprodukte sind davon betroffen.

Grund dafür ist unter anderem die Corona-Pandemie. Im Gegensatz zu Einzelhandel, Gastronomie oder Kultureinrichtungen durften Lebensmittelhändler während der Pandemie weiter geöffnet bleiben. Eine direkte Auswirkung hatte Corona auf die Discounter bislang nicht. Lidl etwa verzeichnete 2020 sogar einen Umsatzrekord.

Lidl und Co.: Preiskampf im Lebensmittelmarkt

Die Corona-bedingte Mehrwertsteuersenkung von 19 auf 16 Prozent kam den Verbrauchern während der Corona-Pandemie zugute. Bei Lebensmitteln gab es sogar eine Senkung von sieben auf fünf Prozent. Die Mehrwertsteuersenkung von sieben Prozent wurde für die Gastronomie in Baden-Württemberg bis Ende 2022 verlängert.

Im Lebensmittelhandel hingegen gilt seit Anfang des Jahres wieder der übliche Steuersatz. Um Kunden zu binden, warben Discounter wie Lidl und Aldi mit weiterhin niedrigen Preisen, wohl auch, amit die erhöhte Mehrwertsteuer den Verbrauchern nicht auffällt. Ein regelrechter Preiskampf brach aus. Doch mit zunehmenden Lockerungen spüren auch Lidl und Co. die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie. Und das bekommen vor allem die Kunden bei den Preisen zu spüren.

Lidl: Markenprodukte noch teurer, Eigenmarken günstiger

Wie die Lebensmittelzeitung unter Beruf auf das Marktforschungsunternehmen Preiszeiger.de berichtet, sind vor allem Markenprodukte von den steigenden Preisen betroffen. Eine Auswertung ergab, dass Lidl allein von Januar bis Mai die Preise von 262 Markenprodukten erhöht hat. Im gleichen Zeitraum wurden aber auch die Preise von 130 vorrangig Lidl-eigenen Produkten gesenkt.

Ähnlich ging auch Lidl-Konkurrent Aldi bei der Preisgestaltung vor. Aldi Nord verteuerte 163 Markenprodukte, vergünstigte in der gleichen Zeit 127 Artikel. Ebenso wie sein Bruder Aldi Süd: Bei 154 Markenprodukten stieg der Preis, bei 124 sank er. Am meisten Erhöhungen gab es beim Lebensmitteldiscounter Netto: Von Januar bis Mai wurden insgesamt 512 Artikel des Discounter-Sortiments teurer, bei nur 130 Produkten wurde der Preis gesenkt.

Wie die Auswertung von preiszeiger.de ergab, lässt es sich jedoch bei allen Discountern vor allem im No-Name-Segment, also den Eigenmarken der jeweiligen Geschäfte, sparen. Insbesondere bei Aldi werden nun 408 Artikel günstiger angeboten. Bei Lidl waren Erhöhungen und Senkungen im No-Name-Bereich etwa gleich hoch. Bei den Eigenmarken erhöhten sich die Preise von 289 Produkten, gleichzeitig sanken die Preise für 294 Artikel.

Lidl & Co.: Produkte bis zu 30 Prozent teurer

Besonders happig wird es bei allen Discountern bei Produkten von Unilever, Nestlé, Coca-Cola und Ferrero. Viele der Marken sind in den Discountern nun bis zu 30 Prozent teurer. Der Preis für eine 1,25-Liter-Flasche Coca-Cola etwa wurde bei Aldi von 99 Cent auf 1,19 Euro erhöht - seit Weihnachten ist das ein Zuschlag von 20 Prozent. Eine Tafel Milka-Schokolade ist nun etwa 30 Prozent teurer, kostet nun statt 89 Cent 1,15 Euro.

Auf Anfrage von Bild wollte sich Lidl nicht zu seiner neuen Preisgestaltung äußern. Der Discounter teilte der Zeitung lediglich mit: „Es ist unser Anspruch, unseren Kunden immer das beste Preis-Leistungs-Verhältnis zu bieten.“

Aldi-Nord hingegen begründete seine Preiserhöhungen mit gestiegenen Einkaufspreisen. Durch die Corona-Pandemie seien unter anderem die Kosten für Fracht, Verpackungen und Rohstoffe gestiegen. „Einsparungen, die wir im Einkauf erzielen, geben wir wo immer möglich auch an unsere Kunden durch vergünstigte Preise weiter. Genauso lässt es sich auf der anderen Seite mitunter nicht vermeiden, Produktpreise nach oben anzupassen, wenn sich die Marktpreise ändern“, sagte ein Sprecher zu Bild. Laut Lebensmittelzeitung ist noch kein Ende der Preiserhöhungen in Sicht. Wie die Verbraucher darauf reagieren, bleibt abzuwarten. Schon in der Vergangenheit hatten sich Kunden aus Unzufriedenheit von Lidl abgewandt.

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