„Das ist Nötigung“

Lidl-Kunde parkt eine Minute zu lang - und muss Strafe zahlen: „Sauerei und Abzocke“

Filiale des Discounters Lidl.
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Lidl straft „Fremdparker“ ab. Wer länger als 60 Minuten auf dem Parkplatz des Supermarkts steht, muss blechen.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Weil er 68 Sekunden länger als erlaubt auf einem Lidl-Parkplatz parkte, wurde ein Kunde in Düsseldorf zu einer Strafe von 24,90 Euro verdonnert. Das will er sich nicht gefallen lassen.

Düsseldorf - 60 Minuten und nicht länger: Diese Regel gilt für alle Kunden einer Lidl-Filiale in Düsseldorf, die ihr Auto auf dem Parkplatz des Discounters abstellen. Wer die Höchstparkdauer auch nur um das Geringste überschreitet, wird sofort zur Kasse gebeten. Ein Kunde, der die 60 Minuten Parkdauer um gerade einmal 68 Sekunden überschritt, erhielt unmittelbar ein Knöllchen - und zwar über happige 24,90 Euro. Nun geht der Mann gegen den verantwortlichen Dienstleister vor, der den Parkraum überwacht.

Hinter der Parkplatzüberwachung bei Lidl steckt die Firma Safe Place. Der externe Dienstleister soll sicherstellen, dass keine Dauerparker von dem Discounter-Parkplatz Gebrauch machen. Safe Place scannt alle Fahrzeuge, die auf einem bestimmten Parkplatz parken. Sobald die Autos die Parkzeit von einer Stunde überschreiten, sendet der Sensor ein Signal an Safe Place. Diese schickt dann einen Mitarbeiter los, der Knöllchen verteilt. Erst kürzlich beschwerte sich ein Lidl-Kunde über das System, das ihn fälschlicherweise als Langzeitparker identifizierte.

Lidl-Kunde: „Das ist schon eine Sauerei und Abzocke für mich“

Im Fall des Lidl-Kunden der Filiale in Düsseldorf-Flingern will sich der Mann nicht mit seiner Strafe zufriedengeben. „Nach exakt 68 Sekunden wurde mir das Ticket ausgestellt“, sagt er gegenüber rp-online.de. „Das ist schon eine Sauerei und Abzocke für mich.“ Neben seiner Strafe von 24,90 Euro stört ihn auch die Androhung von Mehrkosten, sollte er die geforderte Summe nicht innerhalb von 14 Kalendertagen nach Ausstelldatum überwiesen haben. „Das ist Nötigung und überhaupt nicht erlaubt“, meint er. Die Verbraucherzentrale NRW stimmt ihm zu: „Ich halte diese Androhung für rechtswidrig und im Zusammenhang mit der Androhung der Zahlung erhöhter Kosten auch für Nötigung“, heißt es von einem Vertreter der Verbraucherzentrale auf Anfrage von rp-online.de.

Bereits mehrfach hat sich der Kunde schriftlich an Safe Place und Lidl gewandt. Seine Strafe hat er längst bezahlt. Zwar erklärte Lidl, dass eine Rücküberweisung des Betrags durch Safe Place nicht möglich sei. Stattdessen stellte der Handelsriese dem Kunden einen Einkaufsgutschein über 25 Euro aus. Das zeigt, dass Lidl immerhin eingesehen hat, dass die Praxis, Kunden auf die Sekunde genau in ihrer Parkdauer einzugrenzen, nicht gerade zu einer guten Kundenbeziehung beiträgt.

Lidl: Parkraum-Überwachung soll Fremdparker stoppen

Hintergrund für die Einführung der Parkraum-Überwachung bei Lidl war die zunehmende Anzahl an Menschen, die die Parkplätze des Discounters als Gratis-Option nutzen, um ungestört ihr Fahrzeug für einen längeren Zeitraum abzustellen, obwohl sie gar nicht hier einkauften.

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