„Nächste absolut dämliche Werbung“

Lidl wirbt mit Hochzeitsvideo und Kunden sind irritiert - „geschmacklos“ und „peinlich“

Das Lidl-Logo mit dem Motto „Lidl lohnt sich“ am Ende eines Werbevideos.
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Die Discounter-Kette Lidl wirbt mit einem Hochzeitsvideo. Das kommt im Netz weniger gut an.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Die Discounter-Kette Lidl wirbt mit einem Hochzeitsvideo. Im Netz kommt der Spot allerdings überhaupt nicht gut an.

Bad Wimpfen - Eine Frau und ein Mann stehen am Traualtar. Sie trägt ein weißes Kleid, er einen hellen Anzug. Zwischen den beiden steht ein weiterer Herr im dunklen Anzug, der die beiden wohl vermählen soll. Da dieser Clip von der Discounter-Kette Lidl mit Hauptsitz in Bad Wimpfen (Kreis Heilbronn) veröffentlicht wurde, stellen sich wohl mehrere Fragen. Ist das eine symbolische Bekanntgabe, dass sich Lidl mit einem anderen Unternehmen zusammenschließt? Verkauft Lidl jetzt etwa Hochzeitskleider und Anzüge? Oder wahrscheinlich am realistischsten: Bietet Lidl nun besondere Lebensmittel für die Hochzeitsfeier an?

Was der Werbeclip, der auch auf der Facebook-Seite von Lidl veröffentlicht wurde, wirklich bewerben soll, zeigt sich jedoch relativ schnell. Im Video fragt der Herr im dunklen Anzug die Braut, ob sie ihr Gegenüber auch wirklich heiraten will. Bevor die Frau antworten kann, unterbricht er sie jedoch. „Oder doch lieber Paul?“, fragt er und ein weiterer Mann in dunklem Anzug taucht aus dem Nichts auf. Auf einer wirklichen Hochzeit würde das wohl für einige Verwirrung sorgen und auf einer öffentlichen wohl auch für viele Schlagzeilen. Im Lidl-Werbeclip geht das Ganze jedoch anders aus.

Lidl: Discounter-Kette wirbt mit Hochzeitsvideo - „nächste absolut dämliche Werbung“

In dem rund 80 Sekunden langen Werbevideo von Lidl beugt sich die Braut gegen Ende zu dem Mann, der sie eigentlich vermählen sollte und fragt: „Kann ich auch beide haben?“. Die Discounter-Kette Lidl wirbt mit dem Spot also für die große Auswahl. „Lass die Korken knallen, denn bei Lidl hast du immer die Wahl“, heißt es am Ende des Videos. „Egal ob starke Marken oder starke Eigenmarken oder beides, du hast die Wahl.“ Auf Facebook waren viele Nutzer von dem Video nicht gerade begeistert. „Die nächste absolut dämliche Werbung“, schrieb eine Userin. Häufig sind auch Kommentare wie „geschmacklos“, „peinlich“ und „bescheuert aber lustig“, zu lesen.

Das Werbevideo von Lidl wurde erst vor wenigen Tagen veröffentlicht und hat bereits jetzt allein auf Facebook 1,2 Millionen Aufrufe. Einige Kommentatoren nehmen das ganze auch mit Humor. „Echt mal was anderes“, kommentiert eine Userin. „Schöne Werbung und amüsant.“ Den Kommentatoren auf Facebook ist jedoch auch ein subtiler Seitenhieb auf die Konkurrenz nicht entgangen.

Nach der Szene, in der der zweite potentielle Bräutigam aus dem Nichts auftaucht und vorgestellt wird, erhebt sich ein korpulenter Mann unter den Zuschauern und ruft: „Ich wäre auch noch zu haben.“ Daraufhin wird er von einer Frau an seiner auffälligen, mit blauen „E“s auf gelbem Grund verzierten Krawatte wieder nach unten gezogen. „Absoluter Knaller“, kommentiert ein User, der den Seitenhieb von Lidl identifiziert hat. „Am besten war der Edeka-Mann.“

Lidl mit polarisierender Werbung - das kann auch Kaufland

Ob das Werbevideo von Lidl begeistert oder irritiert, es polarisiert zumindest und sorgt für Aufmerksamkeit. Das zeigen neben den 1,2 Millionen Aufrufen auch die über 500 Kommentare auf Facebook. Und das war wohl auch die Intention der Marketingabteilung. „Lidl interessiert es übrigens herzlich wenig, ob euch dieser Spot persönlich gefällt“, vermutet ein User. „Die wollen einzig und allein Umsatz generieren, mehr nicht.“

Lidl gehört zur Schwarz-Gruppe, zu der auch die Supermarkt-Kette Kaufland gehört. Diese hat in den vergangenen Monaten mehrmals mit polarisierender Werbung für Irritation, Ablehnung aber auch Begeisterung gesorgt. Der Schlagersänger Michael Wendler textete für Kaufland beispielsweise seinen Song „Egal“ zu „Regal“ um. Die Werbepartnerschaft hielt jedoch nicht lange. Kaufland löschte die Werbung mit Wendler wegen dessen verstörender Corona-Aussagen wieder. Nur wenige Monate später holte Kaufland ein weiteres umstrittenes Testimonial ins Boot. Diesmal sollte der Streamer „Knossi“ Werbung für den Lebensmittelhändler machen, die Kunden waren empört.

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