Rote Karte für Lebensmittelhändler

Lidl produziert zu viel Müll - So schlecht schneidet der Discounter im Test ab

Eine Lidl-Filiale von Außen.
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Ein aktueller Vergleich zeigt: Lidl schneidet in Sachen Produktverpackungen schlecht ab. Der Discounter produziert zu viel Müll.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Die Deutsche Umwelthilfe hat Supermärkte und Discounter mit Blick auf unnötigen Verpackungsmüll untersucht. Lidl kommt dabei alles andere als gut weg.

Neckarsulm - Gurken in Plastikfolie, Orangen im Kunststoffnetz und Getränke in Einwegflaschen: Wer in Supermärkten und Discountern einkaufen geht, weiß, wie schwierig es sein kann, mit seinem Einkauf keinen Müll zu produzieren. Auch wenn seit 2022 Plastiktüten verboten sind, stecken viele Lebensmittel noch immer in Einwegverpackungen. Bei der Discounterkette Lidl nimmt das sogar extreme Ausmaße an.

Ein aktueller Vergleich verschiedener Händler in Deutschland zeigt: Das Unternehmen der Schwarz-Gruppe schneidet in Sachen unnötige Verpackungen besonders schlecht ab.

Verband nimmt Discounter unter die Lupe: Lidl erhält für Nachhaltigkeit „Rote Karte“

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat Supermärkte und Discounter einem Verpackungscheck unterzogen. Das Resultat ist ernüchternd: Obwohl immer mehr Lebensmittelhändler auf das Thema Nachhaltigkeit setzen, produzieren große Läden wie etwa Lidl, Aldi und Edeka noch immer viel zu viel Müll.

Der Verband untersuchte das Angebot und Sortiment in 48 Filialen von insgesamt 12 verschiedenen Supermarktketten und Discountern. Dabei stellte sich heraus: Die vielen Versprechungen der Märkte, weniger Verpackungen oder „grüne“ Verpackungen anzubieten, sind oftmals „viel heiße Luft und ein weiter ungelöstes Abfallproblem“, schreibt die Deutsche Umwelthilfe auf ihrer Seite.

Der Discounter Lidl sowie Kaufland, Edeka, Rewe, Netto, Penny, Aldi Nord und Aldi Süd erhielten vom Verband allesamt die „Rote Karte“. Das Fazit der Deutschen Umwelthilfe: „Diese Unternehmen setzen in den getesteten Filialen viel zu stark auf Einwegverpackungen und lassen Möglichkeiten zu Abfallvermeidung und Mehrweg vielfach ungenutzt.“

Lidl, Kaufland und Co.: Supermärkte und Discounter werben aktiv mit Nachhaltigkeit - alles gelogen?

Kein klassischer Supermarkt oder Discounter konnte den Verband bei Abfallvermeidung und Ressourcenschonung überzeugen. Lediglich die Biosupermärkte im Test zeigten, dass weniger Verpackungen möglich und praktikabel sind. Auch der Baden-Württemberger Hergen Blase beweist seit 2020, dass einkaufen ohne Plastik geht: Er betreibt den Unverpackt-Drogerieladen „Ohne PlaPla“ in Stuttgart.

„Mit allerlei Tricks versuchen viele Lebensmitteleinzelhändler, sich als Umwelt- und Klimaschützer zu inszenieren. Die Wahrheit am Verkaufsregal ist jedoch zumeist eine andere. Abfallvermeidung und Mehrweg müssen deshalb gesetzlich verpflichtend gemacht werden“, fordert Barbara Metz, stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin.

Für Lidl-Kunden dürfte das Testergebnis der Deutschen Umwelthilfe überraschend kommen. Schließlich wirbt der Discounter aus Baden-Württemberg aktiv für seine Maßnahmen im Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit. So bezieht Lidl für seine Eigenmarke „Metzgerfrisch“ ausschließlich Schweinefleisch aus 5D-Produktionen. Dass oft eine Werbemasche dahinter steckt, zeigte sich bereits bei angeblich regionalen Produkten. Denn nur weil „regional“ auf den Verpackungen steht, muss es nicht zwangsläufig aus der Region kommen. Lidl und Kaufland standen für diese Mogelei bereits mehrfach in der Kritik.

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