Vertragsende beschlossen

Ab November: Lidl nimmt umstrittene Nestlé-Produkte aus dem Sortiment

Lebensmitteldiscounters Lidl einen Einkaufswagen durch die Regalreihen. (Symbolbild)
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Der Discounter Lidl wird ab November ein bekanntes Mineralwasser nicht mehr im Sortiment führen. Die Hintergründe haben mit dem umstrittenen Nahrungsmittelriesen Nestlé zu tun (Symbolbild).
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    VonValentin Betz
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Das Sortiment von Lidl ist groß. Dadurch sind auch umstrittene Marken in den Regalen. Eine verschwindet ab November wohl aus den Discounter-Filialen.

Bad Wimpfen - Das Sortiment bei Lidl oder in anderen Supermärkten wirkt auf den ersten Blick unüberschaubar und vielfältig. Dabei weiß der Kunde oft nicht, dass zahlreiche Marken zum selben Unternehmen gehören. Ein Beispiel dafür ist das bekannte Mineralwasser Vittel, das der Nahrungsmittelriese Nestlé aus der Schweiz vertreibt.

Während andere Produkte in Supermärkten wie Lidl bald wohl teurer werden, verschwindet das Mineralwasser Vittel aus den Regalen des Discounters, wie das Manager Magazin berichtet. Laut Aussage einer Lidl-Sprecherin lassen beide Unternehmen „nach gemeinsamer Abstimmung“ den Vertrag Ende Oktober 2021 auslaufen. Doch im Hintergrund rumort es schon seit geraumer Zeit.

Lidl verkauft Vittel nicht mehr - das könnte auch mit Kritik an Nestlé zusammenhängen

Denn Nestlé ist als globaler Nahrungsmittelkonzern hochumstritten. Die Wassergewinnung im französischen Vittel war dabei schon wiederholt im Zentrum der Kritik. Seit Anfang der 1990er-Jahre entnimmt Nestlé für sein Produkt dort Wasser aus verschiedenen Brunnen. Jährlich darf der Konzern bis zu eine Million Kubikmeter in Flaschen füllen und verkaufen. Die Folge: Jedes Jahr sinkt der Grundwasserspiegel im französischen Vittel um etwa 30 Zentimeter, die Ortschaft trocknet langsam aus.

Nestlé selbst gibt sogar zu, für etwa ein Viertel der örtlichen Grundwasserentnahme verantwortlich zu sein. Gegenüber dem Manager Magazin wollten sich weder Nestlé, noch der Discounter Lidl zu den genauen Hintergründen des Vertragsendes äußern. Der Widerstand von Umweltschützern dürfte aber bei beiden eine wichtige Rolle gespielt haben. Auch Ruhr24* hält das für einen der Gründe, weshalb Lidl die Marke nicht mehr in den Filialen führt.

Das Manager Magazin spekuliert zudem, das Wassergeschäft lohne sich für Nestlé nicht mehr. Auch in den USA hat der Nahrungsmittelkonzern wohl schon entsprechende Bereiche verkauft. Ohne Lidl als wichtigsten Vertriebskanal für Vittel dürfte die Zukunft der Marke bei Nestlé noch unsicherer werden. „Die Nichtverlängerung des Lidl-Vertrages in Deutschland ist Teil eines Phänomens, das in den letzten Jahren zu einer kontinuierlichen Erosion des Umsatzvolumens geführt hat“, erklärte Nestlé gegenüber Zeit Online.

Sortiment von Lidl künftig ohne Vittel - Vertragsende könnte Kettenreaktion auslösen

Das Mineralwasser Vittel steht allerdings nicht nur wegen des abnehmenden Grundwasserspiegels in dem französischen Ort bei Umweltschützern in der Kritik. Erst 2019 hatte die Marke den Negativpreis „Goldener Geier“ für das mehrfach in Einwegplastik verpackte Mineralwasser bekommen. Zudem wurden laut Manager Magazin zuletzt zwei wilde Deponien mit illegal entsorgtem Plastikmüll auf Nestlé-Grundstücken entdeckt.

Die Tatsache, dass Lidl und Nestlé ihren Vertrag zum Vertrieb von Vittel nicht verlängern - ob nun einvernehmlich oder nicht - dürfte noch weitere Folgen nach sich ziehen. Zeit Online berichtet, dass Nestlé derzeit mit der gesamten Branche Verträge verhandelt. Auch Kaufland hatte sich gegenüber Zeit Online geäußert. Der Discounter gehört wie Lidl zur Schwarz Gruppe. „Wir verfolgen aufmerksam die Berichterstattung über Nestlé“, heißt es in deren Statement.

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