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Zu nah am Thermomix: Lidl darf beliebtes Küchengerät in Deutschland nicht mehr verkaufen

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Von: Franziska Vystrcil

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Küchenmaschine „Monsieur Cuisine Connect“ vom Discounter Lidl.
Lidl vertreibt eine Thermomix-Alternative für kleines Geld. Doch den „Monsieur Cuisine Connect“ darf der Discounter künftig nicht mehr vertreiben. © Lidl

Harter Schlag für Lidl: Im Gerichtsstreit mit Vorwerk um das Küchengerät „Monsieur Cuisine“ muss der Discounter-Riese eine herbe Niederlage einstecken.

Neckarsulm - Erwärmen, rühren, kneten, kochen, garen und vieles mehr - der Thermomix von Vorwerk scheint eine wahre Wundermaschine zu sein. Das Küchengerät hat in Deutschland eine große Fangemeinde. Doch bei einem stolzen Preis von 1.359 Euro für das neuste Modell, den Thermomix TM6, kann sich nicht jeder solch ein Gerät leisten.

Genau diese Kunden greift der Discounter Lidl mit seiner Thermomix-Variante, dem Monsieur Cuisine, ab. Insbesondere das Modell „Monsieur Cuisine Connect“, das mit Touchscreen, Rezept-Datenbank und WLAN-Anbindung ausgestattet ist, kommt dem Original von Vorwerk sehr ähnlich. Seit langem stehen sich der Discounter aus Baden-Württemberg und die Firma Vorwerk daher vor Gericht gegenüber. Der Vorwurf von Vorwerk: Lidl habe den Thermomix kopiert und damit das Patentrecht verletzt. Ein Gericht gab Vorwerk nun recht.

Gerichtsurteil bestätigt: Lidl verletzt mit seinem „Monsieur Cuisine Connect“ das Patent von Vorwerk

Mit demselben Vorwurf der Patentverletzung konfrontierte Vorwerk Lidl bereits bei einer Gerichtsverhandlung in Spanien. Die Richter in Barcelona entschieden allerdings zugunsten des Discounters. Lidl darf den Monsieur Cuisine der Lidl-Hausmarke Silvercrest weiterhin in Spanien verkaufen, da sich die beiden Geräte laut Auffassung des Gerichts technisch ausreichend unterscheiden. Zudem habe der „Thermomix“ nicht genügend erfinderische Tiefe, um einen Patentschutz zu rechtfertigen. 

Anders sieht es nun allerdings für den deutschen Markt aus. Beim neuesten Urteil im Rechtsstreit der beiden Marken entschied das Oberlandesgericht Düsseldorf zugunsten von Vorwerk. Wie der Spiegel berichtet, ging es im Prozess um ein ganz bestimmtes Teil des Thermomix: Vorwerk nutzt eine spezielle Heizung in seinem Küchengerät, für das das Unternehmen aus Wuppertal Patent angemeldet hatte. Laut dem Düsseldorfer Landesgericht hat Lidl mit seinem Gerät genau dieses Patent verletzt.

Die Folgen des Urteils gegen den Discounter sind weitreichend: Lidl darf den Monsieur Cuisine Connect, der solch eine Dickschichtheizungstechnologie wie die von Vorwerk verbaut hat, ab sofort nicht mehr in Deutschland verkaufen.

Lidl schweigt, Vorwerk freut sich: Verkaufsverbot des „Monsieur Cuisine Connect“ in Deutschland

Ärgerlich ist das Urteil nicht nur für das Unternehmen der Schwarz-Gruppe, sondern auch für so manchen Verbraucher. Es gibt verschiedene Versionen des Monsieur Cuisine auf dem deutschen Markt. Je nach Modell sind die Geräte im Hinblick auf die Heizung immer etwas unterschiedlich aufgebaut. Das Urteil betrifft nun die „Monsieur Cuisine“-Geräte, die eine gleichmäßige Erhitzung des Mixguts sowie eine Spülmaschinen-Festigkeit vorweisen.

Lidl selbst äußerte sich bislang nicht zum Urteil (Stand: 1. Februar 2022). Gegenüber dem Spiegel meldete sich allerdings Vorwerk zu Wort. Man habe die Hoffnung, das Urteil aus Düsseldorf könnte auch Auswirkungen auf andere Verfahren und möglicherweise auf die Gesamttaktik von Lidl im Bereich der Heizmixer haben, so das Unternehmen aus Wuppertal.

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