Aus Müll wird Geld

Lidl will mit völlig unerwartetem Geschäftsmodell Millionen verdienen

Mülltonnen von PreZero.
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Mit dem Tochter-Konzern PreZero verdient Lidl Milliarden.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Lidl hat ein großes Angebot an Lebensmitteln und Haushaltswaren. Nun steigt der Discounter in eine andere Geschäftssparte ein, die man so nicht unbedingt erwartet: die Müllentsorgung.

Bad Wimpfen - Aus Müll lässt sich durchaus noch Geld machen. Was Pfandsammler längst wissen, machen sich nun auch milliardenschwere Unternehmen zunutze: Immer mehr Firmen steigen in das Müll- und Recyclinggeschäft ein. Jetzt hat sich auch der Discounter Lidl dazu entschlossen, in das Milliardengeschäft zu investieren.

Schon lange setzt Lidl an seinen Standorten auf Aufklärungsarbeit in Sachen Mülltrennung. Der Discounter zeigt seinen Kunden, wie was entsorgt werden muss. Das Unternehmen beschäftigt sogar Abfallberater, Pädagogen und Verbraucherschützer, die vor ausgewählten Lidl- und Kaufland-Filialen über die richtige Mülltrennung aufklären.

Doch damit nicht genug: Lidl hat es sich zur Aufgabe gemacht, seinen Plastikmüll zu reduzieren. Jedoch nicht ganz ohne Hintergedanken. Denn die Entsorgung von Plastikverpackungen kostet das Unternehmen viel Geld, berichtet die Tagesschau. Gut jede zehnte Verkaufsverpackung im Handel stamme aus einem Lidl- oder Kaufland-Markt. Der Lidl-Mutterkonzern musste früher für Lizenzgebühren schätzungsweise 85 Millionen Euro pro Jahr zahlen.

Lidl steigt in die Müllentsorgung ein - Discounter will damit Lizenzgebühren umgehen

Hinzu kommen bald noch mehr Gebühren: Wegen einer neuen Verpackungsverordnung werden die Kosten noch weiter steigen. Seit 3. Juli 2021 ist das neue Verpackungsgesetz in Kraft und besagt, dass jedes Handelsunternehmen, das Verpackungen in den Verkehr bringt, seine Plastikmenge bei einem dualen System wie der „Grüner-Punkt“-Firma DSD oder Belland Vision lizenzieren lassen muss. Für diese Lizenzgebühr zahlen die Unternehmen dann Geld. Im Gegenzug sammelt der duale Systembetreiber die Plastikabfälle ein und sorgt für ein optimales Recycling.

Um diese Lizenzgebühren künftig einsparen zu können, steigt der Lidl-Mutterkonzern, also die Schwarz-Gruppe, in die Müllentsorgung ein. Seinen Verpackungsmüll organisiert und recycelt der Konzern somit künftig selbst. Schon seit dem vergangenen Jahr betreibt die Lidl-Tochter PreZero ein eigenes duales System. Der Discounter kann mithilfe von PreZero nun sogar Geld damit verdienen, den Plastikmüll von anderen Händlern zu recyclen. Insgesamt ein lukratives Geschäft: Der Gesamtumsatz von PreZero über alle Gesellschaften beziehungsweise Geschäftsbereiche in acht Ländern betrug im Jahr 2020 in Summe 700 Millionen Euro.

Lidl: Tochterkonzern PreZero deckt gesamte Abfallkette ab

Dabei macht der Konzern aus Baden-Württemberg keine halben Sachen: PreZero deckt inzwischen die komplette Abfallkette ab. Von der Abholung in einem dualen System bis hin zur Sortierung und Verwertung ist nun alles in der Hand von Lidl. Bereits 2018 hatte die Schwarz Gruppe den fünftgrößten privaten deutschen Entsorger, die Tönsmeier-Gruppe, sowie den Recycler Sky Plastic übernommen. Zusätzlich investierte das Unternehmen einen dreistelligen Millionenbetrag in neue Sortieranlagen für Plastikmüll.

2020 übernahm PreZero für 1,1 Milliarden Euro Teile des Entsorgungsgeschäfts vom französischen Entsorgungsriesen Suez in Deutschland, Polen, Luxemburg und den Niederlanden. Eine weitere Expansion in Europa ist schon geplant: Die Schwarz-Gruppe kauft das Entsorgungsgeschäft des spanischen Baukonzerns Ferrovial in Spanien und Portugal.

Lidl steigt in Entsorgungsmarkt ein: In Deutschland auf Platz drei

Die Übernahmen haben sich aus finanzieller Sicht für den Konzern bereits gelohnt. Im deutschen Entsorgungsmarkt ist die Schwarz-Gruppe mittlerweile mit mehr als zwei Milliarden Euro Umsatz die Nummer Drei. In das milliardenschwere Müllentsorgungsgeschäft einzusteigen, hat für die Schwarz-Gruppe wohl mehr mit Umsatz als mit Umweltliebe zu tun. Ziel des Unternehmens sei es, die Verpackungen seiner Eigenmarken weiter zu recyclen und eine Art Kreislaufwirtschaft aufzubauen, schreibt die Tagesschau.

Optimal wäre für den Konzern ein Kreislaufsystem für wiederverwertbares Plastikgranulat. Daraus könnten PET-Flaschen, Waschmittel und andere Kunststoffverpackungen mehrfach wiederhergestellt werden. Diese Art des Recyclings kommt bereits zum Einsatz. Die selbst hergestellten PET-Einwegpfandflaschen der Lidl- und Kaufland-Eigenmarken bestehen vollständig aus recyceltem Plastik - abgesehen vom Deckel und dem Etikett.

Der Discounter setzt sich zudem für mehr Nachhaltigkeit bei seinen Produkten aus Brasilien ein. So drohte Lidl Brasilien mit Boykott, wenn das Land die Abholzung des Amazonas legalisiert. Seit 2017 fördert der Discounter außerdem die Umstellung auf gentechnikfreies und nachhaltiges Soja aus dem südamerikanischen Land. 

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