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Lidl schmeißt umstrittene Fleisch-Sorte aus Sortiment - „schmutzige“ Schlachtbetriebe

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Von: Franziska Vystrcil

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Links: Lidl-Logo, rechts: Rinder auf einer Wiese in Brasilien
Der Discounter Lidl will ab 2022 kein Rindfleisch mehr aus Brasilien beziehen. © Imagho images/Fotomontage bw24.de

Der Discounter Lidl hat sich entschieden, eine bestimmte Fleischsorte aus seinem Sortiment zu werfen. Kunden müssen ab 2022 darauf verzichten. 

Neckarsulm - Regionale Produkte, nachvollziehbare Lieferketten und faire Arbeitsbedingungen: Die Discounterkette Lidl tut viel für ein gutes Image. So will Lidl ab 2022 nur noch Schweinefleisch aus komplett deutschen Produktionen für seine Eigenmarke beziehen. Die Tiere werden dann in Deutschland sowohl geboren, aufgezogen, gemästet, geschlachtet und zerlegt.

Für die Handelskette Schwarz-Gruppe, zu der neben Lidl auch Kaufland gehört, wird auch der Umweltschutz immer wichtiger. Zusammen mit 40 anderen europäischen Supermarktketten hat Lidl einen offenen Brief an den brasilianischen Kongress geschrieben, um gegen ein neues Gesetz zu protestieren. Dieses soll die Landnahme durch Farmer im Regenwald sogar nachträglich legalisieren. Die Abholzung des Amazonas könnte dadurch noch schneller vorangetrieben werden. Lidl drohte Brasilien mit Boykott von Produkten aus dem südamerikanischen Land. Nun setzt der Discounter seine Drohung um.

Lidl boykottiert Rindfleischprodukte aus Brasilien - ab 2022 nicht mehr in den Regalen

Wie die Lebensmittelzeitung berichtet, wollen sechs europäische Handelsgrößen den Verkauf von brasilianischen Rindfleischprodukten im nächsten Jahr komplett einstellen. Auch Lidl hat diese Konsequenz angekündigt. Als Grund nennen alle Unternehmen die Verbindung der Fleischproduktion mit der illegalen Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes.

Die Händler gehen unterschiedlich gegen Brasilien vor. So wollen Lidl und die niederländische Supermarktkette Albert Heijn ab 2022 kein Fleisch aus Südamerika mehr verkaufen. Andere Händler, wie die belgische Lebensmittelkette Delhaize und Carrefour Belgien werden keine Salzsnacks und andere Produkte unter der Marke „Jack Link“ mehr im Angebot haben. Die britische Supermarktkette „Sainsbury‘s“ will Corned Beef nicht mehr aus Brasilien beziehen.

Lidl lehnt Abholzung des Amazonas ab - Boykott hat Auswirkungen auf Sortiment und Preise

Lidl und die anderen Unternehmen reagieren mit dem Boykott der brasilianischen Produkte auch auf die Untersuchungen der Umweltorganisation Mighty Earth. Die Organisation hatte „schmutzige“ Schlachtbetriebe aufgedeckt, die mit Abholzung des Amazonas in Verbindung stehen, und den Weg der Produkte von Brasilien bis in die Supermarktregale verfolgt.

In Brasilien hat auch der weltgrößte Fleischhersteller JBS seinen Sitz. Viele der von den Supermärkten boykottierten Produkte stammen von diesem Konzern. Mighty Earth deckte in ihrer Recherche auf, dass JBS sogenannte „Rinderwäsche“ betreibt. Heißt: Das Rindfleisch wird in Schlachthöfen in Gebieten mit geringer Entwaldung verarbeitet. Das Fleisch stammt jedoch von Farmen, die offiziell wegen illegaler Entwaldung des Amazonas sanktioniert wurden.

Der Boykott von Lidl wirkt sich nicht nur auf das Sortiment aus, sondern könnte unter Umständen auch die Preise ändern. Denn Brasilien gilt als bedeutender Exporteur von Rindfleisch, Soja und Kaffee. Produkte könnten demnach gänzlich aus den Regalen verschwinden, manche auch teurer werden. Schon nach Bauern-Protesten reagierte der Discounter mit höheren Preisen.

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