„Kindern Chance zu geben, rauchfrei aufzuwachsen“

Lidl verbannt Zigaretten und Tabakwaren aus einigen Filialen

Zigarettenpackungen stehen in einem Kiosk im Regal.
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Seit dem ersten Oktober können Raucher in über 400 Lidl-Filialen keine Zigaretten mehr kaufen (Symbolbild).
  • Julian Baumann
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Rauchstopp bei Lidl: Die baden-württembergische Discounter-Kette verbannt in über 400 Filialen Tabakwaren jeglicher Art aus den Regalen.

Bad Wimpfen/Den Haag - Die Discounterkette Lidl mit Hauptsitz in Bad-Wimpfen (Kreis Heilbronn) betreibt Filialen in 32 Ländern und ist damit der größte Discounterkonzern der Welt. Aus einigen Filialen verbannte der Lebensmittelhändler nun jedoch Tabakwaren jeglicher Art, darunter auch alle Zigarettenmarken, wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet.

Insgesamt nahm der Anteil an Rauchern in Deutschland in den vergangenen Jahren ab. 2020 lag der Anteil an Rauchern in der Bundesrepublik noch bei 28 Prozent. Dennoch sind in den Supermarktfilialen normalerweise entweder Zigarettenautomaten im Kassenbereich angebracht oder abgeschlossene Auslagen mit Tabakwaren. In über 400 Lidl-Filialen suchen Raucher die Glimmstängel seit dem 1. Oktober allerdings vergeblich.

Lidl: Discounter verbannt Tabakwaren - allerdings nur in ausgewählten Filialen

Lidl nahm erst vor wenigen Wochen umstrittene Produkte ins Sortiment auf. Dabei handelte es sich um Cannabis-Produkte, deren Inhaltsstoff jedoch wenig bis kein THC beinhaltete. Mit dem Verkauf der umstrittenen Ware wollte der Discounter sein Sortiment erweitern und neue Kunden anlocken. Nur wenig später rief Lidl die Produkte wieder zurück, aufgrund gefährlicher Nebenwirkungen. Dass Tabakrauch nicht nur Nebenwirkungen hat, sondern grundsätzlich gesundheitsgefährdend ist, ist hinreichend bekannt.

Deshalb entschied sich Lidl, mit der Verbannung der Produkte ein Zeichen zu setzen. „Lidl trägt aktiv dazu bei, eine Nichtraucher-Generation möglich zu machen“, erklärte das Unternehmen laut der dpa. Obwohl das Handelsunternehmen aus Baden-Württemberg in 32 Ländern mit Filialen vertreten ist, verschwinden Tabakwaren und Zigaretten zunächst nur aus den Märkten eines Landes - nämlich den Niederlanden. Lidl Nederland unterstütze mit dieser Entscheidung mehrere Gesundheitsorganisationen, deren Ziel es sei, „Kindern die Chance zu geben, rauchfrei aufzuwachsen und sie vor den schädlichen Folgen des Passivrauchens sowie vor der Verführung zum Rauchen zu schützen“, heißt es aus dem Unternehmen.

Lidl verbannt Tabakwaren aus Filialen in den Niederlanden - das hat einen bestimmten Grund

Die Tabak- und Zigarettenindustrie nimmt allein in Deutschland noch immer vergleichsweise hohe Einnahmen ein. Im vergangenen Jahr seien in der Branche 12 Milliarden Euro netto umgesetzt worden, zudem wurden Tabaksteuereinnahmen von über 14 Milliarden Euro generiert. Mit dem Tabak- und Zigarettenende in 400 Filialen in den Niederlanden schwinden demnach auch die Einnahmen von Lidl. Dass das Unternehmen ausgerechnet an diesen Standorten auf rauchfrei setzt, hat jedoch einen bestimmten Grund.

Laut der dpa kündigte die Regierung in Den Haag bereits ein Verkaufsverbot von Tabakwaren in Supermärkten ab 2024 an. Zigaretten und Co. dürfen ab diesem Jahr in den Niederlanden nur noch an Tankstellen, sowie in Fachgeschäften, Zeitungskiosken und anderen dafür lizenzierten Läden angeboten werden. Zudem soll der Verkauf über das Internet bereits ab 2023 verboten sein. Lidl kam der Regierung mit der Verbannung der Produkte aus den niederländischen Filialen demnach zuvor.

Die Regierung in Den Haag zeigte sich von der Umsetzung von Lidl in den Niederlanden zufrieden. Es sei zu hoffen, dass bald mehr Supermarkt-Ketten diesem Vorbild folgen, sagte der Staatssekretär für Gesundheit Paul Blokhuis nach Angaben der niederländischen Nachrichtenagentur ANP. In Deutschland trat beginnend mit dem Jahr 2021 ein schrittweises Tabakwerbeverbot in Kraft, das in den kommenden Jahren deutlich ausgeweitet werden soll. Ein generelles Verkaufsverbot wurde bislang jedoch nicht angekündigt.

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