Chipkrise, Corona-Pandemie, Lieferengpass

Lidl und Co.: Im Handel droht vor Weihnachten Fiasko - Geschenke in Gefahr?

Kunden stehen an Heiligabend 2020 vor einem Lidl in Berlin
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Bei Lidl und Co. könnten die anhaltenden Lieferprobleme auch Einfluss auf das Weihnachtsgeschäft haben.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Das Weihnachgeschäft ist für Discounter-Ketten wie Lidl und Aldi besonders lukrativ. In diesem Jahr könnte es jedoch zu Problemen aufgrund von Lieferengpässen kommen.

Stuttgart/Bad Wimpfen - In wenigen Wochen beginnt die zweite Adventszeit unter Pandemie-Bedingungen. Für die Discounter-Ketten Lidl, Aldi und Co. ist das Weihnachtsgeschäft traditionell eine besonders lukrative Zeit. Da die Handelsunternehmen neben Lebensmitteln, Getränken und Drogerieartikeln auch sogenannte „Non-Food-Ware“ anbieten, kaufen manche Kunden auch ihre Weihnachtsgeschenke bei den Discountern. Dazu zählen beispielsweise Smartphones, Fernseher oder auch Modeartikel. Die Krise aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg und ganz Deutschland führt jedoch seit Monaten zu Lieferengpässen, die sich auch auf begehrte Weihnachtsgeschenke bei Lidl und Aldi auswirken könnten.

Im vergangenen Jahr, dem ersten Corona-Jahr, gab es immer wieder sogenannte Hamsterkäufe. Das bedeutet, dass manche Kunden große Mengen an Lebensmitteln und anderen Waren kauften, um sich einen Vorrat anzulegen. Daraus folgte, dass Produkte wie Toilettenpapier oder Hefe in vielen Filialen lange Zeit nicht verfügbar waren. In der Woche vor Weihnachten hatten Lidl und Co. Angst vor einem Kundenansturm. In diesem Jahr macht den Händlern dagegen ein Lieferengpass zu schaffen, der laut einer Studie der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) vielfältige Gründe hat. Bei Lidl, Aldi und Co. könnte es dadurch auch im Weihnachtsgeschäft dazu führen, dass begehrte Produkte nicht verfügbar sind.

Lidl, Aldi und Co.: Lieferprobleme bei den Discountern haben mehrere Gründe

Bei Lidl, Aldi und Co. kommt es vor allem beim Non-Food-Sortiment bereits seit längerem zu Problemen. Aufgrund der heftigen Lieferengpässe ärgerten sich Aldi- und Lidl-Kunden bereits über leere Regale. Grund für diese Knappheit ist die derzeitige Situation in China, wo viele Produkte für den westlichen Markt hergestellt werden. Die Probleme, die auch das Weihnachtsgeschäft beeinträchtigten könnten, haben jedoch mehrere Gründe. Laut der Studie der LBBW sind temporäre Lieferengpässe und eine steigende Nachfrage in der Logistik bekannte Herausforderungen. Aspekte, die die Krise derzeit jedoch noch deutlich verschärfen, sind dagegen die Folgen der Pandemie und die anhaltende Chipkrise.

Die Corona-Pandemie führte in der weltweiten Logistik zu Personalmangel, Hafen- und Lagerschließungen und dadurch zu Störungen in der Lieferkette. Das wirkt sich im Endeffekt eben auch auf den Verbraucher, den Lidl- oder Aldi-Kunden in der Filiale aus. Im Laufe des Jahres kamen jedoch mehrere Vorfälle hinzu, die die Lage noch zusätzlich verschärften. Im März 2021 blockierte das Container-Schiff „Ever Given“ für sechs Tage den Suezkanal und sorgte so für eine weitere Störung und Verzögerung in der Lieferkette. Zudem listet die Studie der LBBW auch die Extremwetter-Ereignisse und die Bahnstreiks in Deutschland als weitere Faktoren auf.

Lidl, Aldi und Co.: Keine Besserung in Sicht - auch das Weihnachtsgeschäft könnte betroffen sein

Die weltweite Chipkrise in der Auto- und Softwarebranche zieht sich nun bereits seit mehreren Monaten. Autobauer wie die Daimler AG konnten die Krise zumindest abfedern, in dem sie die wenigen verfügbaren Komponenten in hochpreisige Luxusautos verbauten. Viele Zulieferer stehen jedoch vor dem Aus und ein Ende ist derzeit nicht in Sicht. Auch Daimler-Chef Ola Källenius sagte, dass die Mitarbeiter wohl bis 2023 zittern müssen. Für die Kunden der Discounter-Ketten Lidl, Aldi und Co. bedeutet das, dass es auch in den kommenden Wochen und Monaten zu Engpässen bei elektronischen Produkten kommen könnte.

Gerade in der Advents- und Weihnachtszeit steigt die Nachfrage für bestimmte Produkte bei Lidl, Aldi und Co. deutlich an. „Die Nachfrage trifft auf Lager, die im Wesentlichen durch Unsicherheiten in der Corona-Pandemie aktuell auf einem niedrigen Niveau liegen“, heißt es in der Studie. „Im Vorfeld des Weihnachtsgeschäfts dürften unserer Meinung nach Einzelhändler durch frühere Orders als üblich auch potenzielle Lieferengpässe im Zuge knapper Logistik oder eingeschränkter Produktionskapazitäten in Asien zu vermeiden versuchen.“

Die frühzeitigen Bestellungen dürften jedoch auch bei Aldi und Lidl die Lieferengpässe nicht gänzlich abfedern. Zumal die weltweite Chipkrise noch nicht überwunden ist. „Auch das Weihnachtsgeschäft 2021 dürfte von den Lieferengpässen beeinträchtigt werden“, schreibt die LBBW. „Insbesondere in den Bereichen der Unterhaltungselektronik (Smartphones, Computer, Konsolen, Smartwatches) besteht, aufgrund des Chipmangels, eine erhebliche Knappheit.“

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