Konkurrenzkampf mit den Supermärkten

Lidl testet Filiale der Zukunft, die radikal anders aussehen wird

Eine moderne Filiale des Discounters Lidl
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Lidl will das Einkaufen in Zukunft verändern.
  • Julian Baumann
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Discounter wie Lidl oder Aldi hatten in der Corona-Krise deutlich weniger Erfolg als die Supermarkt-Ketten. Ein neues Konzept soll das nun ändern.

Stuttgart/Neckarsulm - Die Discounter-Kette Lidl will auf neue Kaufgewohnheiten der Kunden reagieren. Mehr und mehr Deutsche kaufen bevorzugt Markenlebensmittel in einer höheren Preisklasse. Deshalb sind Rewe, Edeka und Co. auch die klaren Sieger dieser Entwicklung.

Die Discounterketten wie Lidl hatten es dagegen deutlich schwerer. Da sie im Vergleich zu den Supermärkten vorrangig günstige Eigenmarken anbieten, wandten sich viele Kunden von ihnen ab. Mit einem neuen Konzept soll sich das Blatt nun jedoch wenden. Wie das Handelsblatt berichtet, wollen die Discounter die Marktlücke schließen und neue Filialen eröffnen. Diese sollen vorrangig in den deutschen Innenstädten und auch in kleineren Räumlichkeiten entstehen.

Lidl, Aldi und Co.: Discounter wollen Defizite ausmerzen - mit neuem Konzept

Die Krise aufgrund der Pandemie hat im Lebensmittelhandel einen regelrechten Preiskampf entfacht. Weil die Kunden zeitweise nur noch in Discountern und Supermärkten einkaufen konnten, mussten die Unternehmen ihre Preise senken, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Attraktive Preise wurden dadurch zur Selbstverständlichkeit, mit der Discounter sich nicht mehr abheben können. „Discounter kommen strategisch in eine schwierige Situation“, erklärt Rainer Münch, Handelsexperte von Oliver Wyman dem Handelsblatt. „Sie müssen die Lücke im Angebot zu den Supermärkten spürbar verkleinern, um die Kunden wieder zurückzugewinnen.“

Da die günstigen Preise für die meisten Kunden kein Argument für den Einkauf bei einem Discounter einzukaufen, müssen Lidl, Aldi und Co. ein anderes Konzept verfolgen. Deshalb machen sich die großen Discounter jetzt daran, ihr Sortiment weiter auszubauen. Die Discounterkette Lidl hatte bereits angefangen, immer mehr Markenartikel aufzunehmen. Deshalb hatte das Unternehmen aus Baden-Württemberg in der Corona-Krise auch deutlich weniger Probleme als Konkurrent Aldi. „Innerhalb der Discounter konnte Lidl Marktanteile hinzugewinnen“, bestätigt auch Rainer Münch. Aldi Nord setzt deshalb ebenfalls auf Markenprodukte und auch Aldi Süd will den Bereich weiter ausbauen.

Lidl, Aldi und Co: Discounter zieht es immer mehr in die Innenstädte

Lidl setzt inzwischen mit eigenen Biomarken auch stark auf Nachhaltigkeit, Tierwohl und auf strengere Qualitätskontrollen. Auch in diesem Feld will der Discounter näher an die Supermärkte heranrücken. Die Ketten zieht es zudem immer mehr in Gebiete, die zuvor Rewe, Edeka und Co. einnahmen. Kleinere Supermärkte, beispielsweise Rewe City, in der Nähe der Einkaufstraße sind in den meisten größeren Städten vertreten. Dort wollen nun auch die Discounter Fuß fassen. Aldi Süd hat laut dem Handelsblatt kürzlich Expansionsbüros in München, Frankfurt, Köln und Stuttgart eröffnet. Diese sollen nach kleineren Standorten in den Innenstädten Ausschau halten.

Das neue Konzept bei Lidl, Aldi und Co. verzichtet auf die klassischen Einkaufswagen und setzt wie beispielsweise auch Rewe City auf Trolleys und Einkaufskörbe. Der im Vergleich zu den herkömmlichen Filialen deutlich geringere Verkaufsraum hat jedoch auch Folgen für Personal und Sortiment. Laut dem Handelsblatt müssten die Kassierer aus Platzgründen im Stehen arbeiten und das Sortiment werde auf die Kundenwünsche am Standort abgestimmt. „Es gibt einen klaren Trend zum Einkauf in der Nachbarschaft“, erklärt Boris Planer, Direktor Trendforschung Deutschland des globalen Trend- und Produktberatungsunternehmens WGSN.

„Die Discounter haben die Chance, wieder Marktanteile in Deutschland zurückzugewinnen“, sagt auch Handelsexperte Münch. Der Kampf wird jedoch nicht nur zwischen Discountern wie Lidl und Aldi und Supermärkten wie Rewe und Edeka ausgetragen. Auch der Online-Handel im Lebensmittelbereich wird den Konkurrenzkampf weiter anheizen. „Der Lebensmittelmarkt in Deutschland ist geprägt von sehr dünnen Margen und brutalen Zielen“, erklärt Boris Planer. Diese werden durch den Wachstum im Online-Bereich noch deutlich verschärft.

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