1. bw24
  2. Verbraucher

Viele Lebensmittel werden noch viel teurer - Experten mit düsterer Prognose

Erstellt:

Von: Jason Blaschke

Kommentare

Die Preise für Lebensmittel kennen aktuell bloß eine Richtung – aufwärts. Die Spitze des Eisbergs ist aber noch lange nicht erreicht, mahnen Experten.

Stuttgart – Seit Wochen tobt der blutige Krieg in der Ukraine, was sich auch zunehmend in den Geldbörsen der Kunden von Kaufland, Lidl und Co. bemerkbar macht. Immer mehr Alltags-Produkte werden knapp und teuer und rufen die Hamsterer auf den Plan, die statt Klopapier aktuell Jagd auf Speiseöl, Mehl und Nudeln machen. Mittlerweile erreichen die Panikkäufe solche Ausmaße, dass Händler wie Aldi oder Lidl einzelne Produkte rationieren müssen.

Lebensmittel werden bald noch teurer – Preisdruck durch steigende Kosten für Energie und Rohstoffe

Dabei sei die Verfügbarkeit von benötigten Rohstoffen wie Getreide nicht einmal das Problem, heißt es vom Landesbauernverband (LBV) Baden-Württemberg. Der Südwesten sei fast zu 100 Prozent Selbstversorger, die Versorgung kann hier also auch ohne die Importe aus Russland oder der Ukraine sichergestellt werden. Das Problem sei vielmehr der Preisdruck, der wegen steigender Energie- und Rohstoffkosten immer weiter verstärkt werde.

Das wird eine Herausforderung sein – gerade für sozial schwächere Familien.

Boris Hedde, Kölner Institut für Handelsforschung (IFH)

„Der Anstieg der Energiepreise und der Logistikkosten wird sich im Alltag stärker bemerkbar machen – egal, ob im Supermarkt oder im Discounter“, prophezeite Boris Hedde vom Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (DPA). Aus seiner Sicht könnten die Preise noch stärker steigen, als zuletzt. „Das wird eine Herausforderung sein – gerade für sozial schwächere Familien.“

Landwirte stehen vor großer Herausforderung – ohne Dünger geht nichts

Ariane Amstutz vom LBV Baden-Württemberg macht im Gespräch mit BW24 deutlich, dass es dabei nicht bloß um die steigenden Spritpreise und die folglich teurere Logistik gehe, sondern auch um Dinge wie Dünger oder Verpackungsmaterial. „Alles wird teuer“, so Amstutz – und das spiegele sich dann auch in den Preisen wider, die der Verbraucher zahlen müsse. Speziell beim Dünger kommt noch dazu, dass die Produkte größtenteils aus Russland importiert werden und in der Herstellung Gas benötigt wird.

In welchen Dimensionen sich das bewegt, verdeutlicht der Gaspreis, der zum Jahresbeginn um 83 Prozent angestiegen ist. Wer 2021 im Schnitt noch 6,47 Cent pro Kilowattstunde bezahlt hatte, muss laut einer Berechnung vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BEDW) im Schnitt aktuell 11,84 Cent/kWh zahlen. Für einen Haushalt ist das schon eine kräftige Steigerung. In der Wirtschaft, wo deutlich mehr Energie verbraucht wird, wirkt sich das noch einmal um ein Vielfaches stärker aus. Da er mit seinem Unternehmen massiv unter den gestiegenen Preisen leidet, befürwortet Trigema-Chef Grupp Gasimporte aus Russland.

Die Grafik zeigt die Entwicklung der Gaspreise in Deutschland in der Zeitspanne 2012 bis Januar 2022.
Laut einer BDEW-Analyse sind es seit Januar 2022 in erster Linie die Beschaffungskosten, die kräftig zu Buche schlagen. © BDEW/Pressegrafik

Marktforschungs-Experte ist sich sicher: „Die Teuerung wird mit Sicherheit erheblich sein“

Eine Entspannung ist nicht in Sicht – im Gegenteil: Die düstere Gaspreis-Prognose der EnBW und die Tatsache, dass man in Deutschland schon über einen Gas-Notfallplan diskutiert, zeigen, wie ernst die Lage ist. Ariane Amstutz vom LBV macht vor allem das Jahr 2023 Sorgen. „2022 sind wir safe.“ Doch wenn für 2023 wieder gesät, gedünkt und geerntet wird, werden die steigenden Ausgaben ein Problem werden, sollte sich bis dahin nichts geändert haben.

Mit ihren Einschätzungen sind Amstutz und Hedde nicht allein. Auch Robert Kecskes vom Marktforschungsunternehmen GfK ist überzeugt, dass die Preise im Schnitt noch weiter steigen könnten. „Die Teuerung wird mit Sicherheit erheblich sein“, prophezeit er auf Tagesspiegel-Anfrage. Amstutz betont im BW24-Gespräch, dass das aber nicht auf die Landwirte zurückzuführen ist. In Deutschland sei es insgesamt ein Problem, dass alles teurer werde und folglich auch die Ausgaben für die Bauern steigen.

Facebook-Nutzer sind empört über Preis-Irrsinn – „Abzocke pur ist das“

Wie stark die Preise noch nach oben korrigiert werden, lässt sich noch nicht absehen. Es könnte aber vor allem die Produkte treffen, die mit hohen Produktionskosten verbunden sind. Dazu gehören Lebensmittel, die angebaut, bewässert, gedünkt oder eben auch logistisch weiterverarbeitet werden müssen. Unabhängig davon, woher der Preisdruck kommt, plagt viele Menschen in Deutschland die Frage, wie sie sich das alles in Zukunft noch leisten können sollen.

„Als Rentnerin weiß ich bald nicht mehr, wie ich mir Lebensmittel leisten soll – von der Fahrt zum Supermarkt oder Arzt rede ich da schon nicht mehr“, schreibt eine Nutzerin. „Abzocke pur ist das“, so die Meinung einer weiteren. Tatsächlich können Verbraucher in dieser Situation nur bedingt Preise beeinflussen. Umso hilfreicher ist es, die Kostenfallen in Supermärkten und Discountern zu kennen und bewusst zu umgehen – damit lässt sich bei einigen Produkten kräftig sparen.

Auch interessant

Kommentare