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Beunruhigende Prognose von Handelsexperten: Lebensmittel werden noch teurer - „weitere Wellen werden kommen“

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Von: Franziska Vystrcil

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Die Preise für Lebensmittel steigen und steigen. Besserung ist nicht in Sicht, wie ein Handelsexperte aus Heilbronn verrät. Er geht davon aus, dass viele Produkte noch teurer werden.

Heilbronn - Wer aktuell einkaufen geht, scheint sich mit einer Ausnahmesituation konfrontiert zu sehen. Leere Regale, ausbleibende Waren und in die Höhe schießende Preise. Aldi, Lidl und Co. rationieren sogar schon Alltagsprodukte, um Hamsterkäufen entgegenzuwirken. Manche Waren sind dennoch kaum noch verfügbar. Durch den Ukraine-Russland-Konflikt sind manche Güter, wie etwa Speiseöl, knapp geworden. Dass viele Menschen Speiseöl auch noch hamstern, verschlimmert das Problem zusätzlich.

Die aktuelle Situation wirkt sich auch auf die Preise aus. Viele Lebensmittel wurden in den vergangenen Wochen deutlich teurer. Die Lage scheint sich so schnell nicht mehr zu entspannen, warnt auch Carsten Kortum von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Heilbronn. Darauf müssen sich Verbraucher nun gefasst machen.

Lebensmittelpreise steigen immer weiter an: Speiseöl fast 30 Prozent teurer als 2021

Nicht nur der Krieg in der Ukraine hat Auswirkungen auf die Preise von Lebensmitteln und Co. Auch die Inflation trägt ihren Teil dazu bei, so der Studiengangsleiter „Konsumgüterhandel“ an der DHBW Heilbronn. „Wir haben jetzt gesehen in den letzten Wochen und Monaten, dass es diverse Preiserhöhungen gab, mit teilweise bis zu 100 Artikeln an einem Tag“, sagt Carsten Kortum dem SWR.

Auch das Coronavirus in Baden-Württemberg beeinflusst die Preise noch immer. Denn durch die Pandemie sind Lieferketten beeinträchtigt. Hinzukommen steigende Energiepreise sowie höhere Logistikkosten. Die Situation in der Ukraine tut ihr Übriges, da Rohstoffe und Produkte wie zum Beispiel Getreide oder Dünger knapp werden. Die Folge: auch diese Produkte werden teurer. Dieser Teufelskreis wird schließlich in Form von höheren Preisen an den Verbraucher weitergegeben.

ProduktPreissteigerung im Vergleich zu 2021 in Prozent
Speiseöl29,7 Prozent
Mehl18,1 Prozent
Butter13 Prozent
Fleisch12,4 Prozent
Eier11,3 Prozent
Gemüse10,7 Prozent
Brötchen6,2 Prozent
Käse5 Prozent

(Quelle: SWR)

Besonders der Preis für Butter ist 2022 in die Höhe geschossen. Laut Carsten Kortum liegt dieser auf dem höchsten Wert seit fünf Jahren. Speiseöl toppt jedoch alles: eine Preissteigerung von satten 29,7 Prozent hat es bei Sonnenblumenöl, Rapsöl und Co. gegeben. Gemüse ist in Deutschland im Vergleich zu 2021 knapp 10,7 Prozent teurer, Fleisch etwa 12,4 Prozent. Käse liegt bei einer Preissteigerung von 5 Prozent. Viele Verbraucher fragen sich da: Wie soll das nur weitergehen?

Handelsexperte zum Anstieg der Lebensmittelpreise: „Haben als Konsumenten die letzten Jahrzehnte von Globalisierung profitiert“

„Wir haben als Konsumenten sicher die letzten Jahrzehnte von der Globalisierung profitiert, auch bei Lebensmitteln in Form von niedrigen Kosten“, erläutert der Wissenschaftler. „Und das ist jetzt erstmals so, dass wir überhaupt mal feststellen, wo unsere Lebensmittel herkommen und wie Lieferketten sich zusammensetzen und wie fragil die sind. Das heißt, wenn schon ein Faden reißt, kann schon eine Warenverfügbarkeit nicht mehr sichergestellt sein.“ Eine genaue Preisentwicklung lässt sich nicht vorhersagen. Laut dem Experten hängt dies stark davon ab, ob es in der Ukraine zur Aussaat kommt und „ob Russland auch weiterhin als Exporteur für Getreide noch zur Verfügung steht“.

Ein Mann greift in einem Supermarkt in ein Regal, vor ihm steht ein Einkaufswagen
Speiseöl, Mehl, Butter und Co.: Die Lebensmittelpreise schießen weiter in die Höhe. Ein Ende der Preisexplosion ist laut Experte nicht in Sicht. © Oliver Berg/dpa

Sicher ist laut Carsten Kortum aber eines: Die Preise werden weiter steigen. Selbst wenn sich die Corona-Lage entspanne, rechnet der Experte aus Baden-Württemberg mit höheren Lebensmittelpreisen. „Wir werden sicherlich jetzt mit dauerhaft hohen Preisen rechnen müssen. Es wird sogar so sein, dass weitere Wellen kommen werden“, ist er sich sicher. „Das heißt, bei diesen wichtigen Eck-Nahrungsmitteln kann die Angebotslücke bis 2023 reichen.“

Dass manche Produkte bald ganz aus den Regalen verschwinden könnten, befürchtet Carsten Kortum jedoch nicht. Der Handel ist bemüht, den Kunden weiterhin alle Waren zur Verfügung zu stellen, auch wenn die Beschaffung aktuell kostenintensiver ist. Mit der aktuellen Knappheit vieler Güter macht so mancher ein gutes Geschäft. Im Netz explodieren die Preise für Speiseöl und Klopapier.

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