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EnBW mit düsterer Gaspreis-Prognose wegen Krieg in der Ukraine – „lieber frieren, als Gas von Putin“

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Von: Jason Blaschke

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Viele Menschen haben schon jetzt Angst vor der Heizkostenabrechnung, die im Sommer kommt.
Viele Menschen haben schon jetzt Angst vor der Heizkostenabrechnung, die im Sommer kommt. © dpa/Archiv

Der Ukraine-Krieg könnte in absehbarer Zeit auch verheerende Folgen für Baden-Württemberg haben. Schon heute kennt der Gaspreis bloß eine Richtung.

Karlsruhe – Die Energiepreise in Deutschland steigen stark an – und gerade Verbraucher, die auf Gas angewiesen sind, erwischt es im Moment eiskalt. Satte 630 Grundversorger hatten Ende 2021 angekündigt, ihre Preise zu erhöhen – laut Check24.de geht es um einen durchschnittlichen Preisanstieg von 53 Prozent. Die Gründe für die aktuelle Gaspreisentwicklung sind vielfältig: Zum einen tobt ein Preisanstieg an der Energiebörse, zum anderen steigt gleichzeitig der weltweite Bedarf an Flüssiggas.

Angebot und Nachfrage bestimmen die Preisfindung und machen ganz besonders jenen Energieversorgern Probleme, die sich nicht auf lange Sicht mit Lieferverträgen abgesichert haben. Die logische Folge: Starke Preisschwankungen am Energiemarkt bekommen die Konzerne schnell zu spüren. Ende 2021 mussten sogar mehrere Gasanbieter ihren Kunden die Verträge kündigen, weil die Gas-Versorgung schlicht nicht mehr gewährleistet werden konnte – tausende Verbraucher waren betroffen.

Gaspreis-Entwicklung in Deutschland: Russland droht mit Preisexplosion

Der tobende Krieg in der Ukraine* ist aktuell ein zusätzlicher Faktor, der die ohnehin schon angespannte Gaspreis-Problematik noch einmal verschärfen könnte, denn: Gerade Russland ist für Deutschland einer der wichtigsten Lieferanten. Von der Gaspipeline Nord Stream 2 hatten sich viele Verbraucher sinkende Gaspreise erhofft. Doch die Pipeline ist ein Teil der EU-Sanktionen gegen Russland und wird daher vorerst nicht in Betrieb gehen.

Bundeskanzler Olaf Scholz habe die Zertifizierung der Gaspipeline Nord Stream 2 gestoppt, twitterte Russlands Ex-Präsident Dmitri Medwedew und ergänzte: „Na ja. Herzlich willkommen in einer neuen Welt, wo die Europäer bald schon 2000 Euro pro Kubikmeter Gas zahlen werden!“ Aber wird es tatsächlich so weit kommen? Müssen sich die Verbraucher in Baden-Württemberg sowie in ganz Deutschland auf explodierende Gaspreise einstellen? Der Energiekonzern EnBW aus Karlsruhe wagt nun vorsichtige Prognosen.

Ukraine-Krieg und Gaspreise: Experte spricht von „gravierenden Folgen“

„Auf Grundlage der langfristigen Beschaffungsstrategie der EnBW wirken sich eventuell dauerhaft hohe Gaspreise an der Börse mit einem Zeitversatz auf die Endkundenpreise aus“, erklärt eine Sprecherin auf Bild-Anfrage. Zum Jahreswechsel hatte die EnBW einer großen Analyse von 1-gasvergleich.com zufolge ihre Gaspreise im Schnitt um 18,7 Prozent erhöht. Als Begründung gibt der Konzern die steigenden Beschaffungskosten an. Gut möglich, dass das nicht die extremste Erhöhung war.

Denn der EnBW-Sprecherin zufolge wird sich der Ukraine-Krieg erst zeitverzögert auf die Energiepreise auswirken. Sollte es aber in Deutschland wirklich so weit kommen, dass kein russisches Gas mehr geliefert wird, könnte das „gravierende Folgen für Industrie“ und Verbraucher haben, warnt Leonhard Birnbaum, Chef des Energiekonzerns Eon. Die Sprecherin von EnBW sieht es nicht ganz so extrem und versichert, dass die Gasversorgung im Moment gewährleistet sei.

Etliche Verbraucher sind alarmiert – Gaspreis-Auswirkung kommt erst noch

Eine Aussage, die die Verbraucher nicht gerade beruhigt. Auf Facebook und Twitter äußern sich viele User besorgt über die aktuelle Energiepreisentwicklung, sehen sich zum Teil sogar schon in der kalten Wohnung sitzen. „Die Abrechnung wird heftig, also Heizung aus und Mantel an“, textet eine Facebook-Nutzerin und spricht damit einen wichtigen Punkt an: die Nachzahlung.

Sollte sich der Krieg in der Ukraine tatsächlich massiv auf die Gaspreise auswirken, bekommen es die Verbraucher spätestens in der nächsten Nachzahlung zu spüren. Auch deshalb erhitzt aktuell ein Foto von einer Demonstration in Berlin die Gemüter von einigen Facebook-Nutzern. Auf einem Plakat ist zu lesen „lieber frieren, als Gas von Putin“. Das stößt im Netz auf gemischte Reaktionen – in der Kommentarspalte unter der Aufnahme sind Sätze wie „wer so etwas sagt, hat noch nicht richtig gefroren“ zu lesen.

Eine Teilnehmerin bei einer Demonstration in Berlin gegen den Krieg in der Ukraine zeigt ein Plakat mit der Aufschrift „Lieber frieren als Gas von Putin“ vor dem Brandenburger Tor.
Der Satz, „Lieber frieren als Gas von Putin“, sorgt im Netz für eine hitzige Debatte. Aber steht es energiepolitisch wirklich so schlecht für Deutschland? © Kay Nietfeld/dpa

Die erneuerbaren Energien sind der Ausweg aus der Rohstoff-Abhängigkeit

Sicher ist: Die Entwicklung des Gaspreises beobachten viele Verbraucher mit Sorge. Aktuell würden die russischen Vertragspartner die zugesagten Gasmengen vertragsgemäß liefern, erklärt die EnBW-Sprecherin und erinnert zugleich auch an die Lieferungen aus Norwegen und den Niederlanden, welche die Nachfrage decken sollen. „Stand jetzt, und einen normalen Temperaturverlauf vorausgesetzt, sind wir daher mit Blick auf die Versorgungssicherheit gut ausgestattet.“

Stand jetzt, und einen normalen Temperaturverlauf vorausgesetzt, sind wir daher mit Blick auf die Versorgungssicherheit gut ausgestattet.

Sprecherin der EnBW

Langfristig sei der Ausbau der erneuerbaren Energien der Weg aus der Abhängigkeit von ausländischen Rohstofflieferungen, heißt es von der EnBW noch. Das Problem hier ist bloß, dass die Neuausrichtung der Energieversorgung Zeit kostet und nicht von heute auf morgen vonstattengeht. Umso dramatischer wäre der kurzfristige Wegfall russischer Gaslieferungen.

Eine Zahl macht es deutlich: Fast die Hälfte aller Wohnungen nutzt Erdgas

Zum Hintergrund: Laut dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWi) nutzen 48,2 Prozent der insgesamt 40,6 Millionen Wohnungen in Deutschland Erdgas als Energieträger. Hinzu kommt noch die Wirtschaft, die in Deutschland ebenfalls stark von Gas abhängig ist. Und selbst, wer nicht mit Gas heizt, könnte auf lange Sicht die Folgen des Ukraine-Kriegs zu spüren bekommen, denn: Zuletzt waren auch die Benzinpreise in Baden-Württemberg explodiert.

Genau wie im Fall von Gas ist auch hier die Rohstoff-Abhängigkeit ein gewaltiges Problem und die Tatsache, dass essenzielle Güter wie Öl, Steinkohle oder eben Gas als politisches Druckmittel ausgenutzt werden können. Wie sich die Preise für Gas oder Öl weiter entwickeln, wird also auch davon abhängen, wie stark sich die Situation mit Russland und der Ukraine noch zuspitzten wird. *BW24 und Fr.de sind ein Teil von IPPEN.MEDIA.

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