Facebook-Nutzer empört

Wegen schmutziger Kleidung: Kaufland verwehrt Hochwasser-Helfer Zutritt - „bin zutiefst schockiert“

Kaufland Schild, Überflutungsgebiet Ahrweiler
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Weil er voller Schlamm war, bekam ein Katastrophenhelfer im Überflutungsgebiet Ahrweiler keinen Zutritt zu Kaufland (Fotomontage/Symbolbild).
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Die Aufräumarbeiten in den Überflutungsregionen laufen auf Hochtouren. Die Menschen sind für jede Hilfe dankbar. Ausgerechnet von der Supermarktkette Kaufland bekommt einer der Helfer keine Unterstützung - er wird Berichten zufolge an der Tür abgewiesen. 

Neckarsulm/Ahrweiler - Die Folgen der schlimmen Unwetter und Überflutungen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sind noch immer zu spüren. Deutschland löste sogar den Katastrophenalarm aus. Die Kritik an den Behörden wird immer lauter. Ein Meteorologe ist sich sicher: Die Flut wurde durch „totales Versagen“ der Behörden zur Katastrophe. Es wird wohl Monate dauern, bis in den betroffenen Regionen wieder Alltag einkehren kann. Tausende Helfer strömen aus ganz Deutschland herbei, um den Menschen in den Überflutungsgebieten zu helfen, riskieren dabei oft selbst ihr Leben.

Umso schlimmer, wenn solche Menschen für ihre Arbeit nicht gewürdigt werden. Eine Facebook-Nutzerin erzählt auf der Plattform eine schockierende Geschichte - und stellt darin die Supermarktkette Kaufland an den Pranger. Was sie erzählt, bestürzt: Ihr Schwager sei als Helfer im Katastrophengebiet im Kreis Ahrweiler unterwegs gewesen. Als er nach getaner Arbeit einen Kaufland-Supermarkt in Sinzig habe betreten wollen, sei der Mann abgewiesen worden. Der Grund? Er sei zu schmutzig.

Kaufland-Mitarbeiter sollen den Mann aufgrund seiner schmutzigen Kleidung abgelehnt haben

„Mein Schwager war heute den ganzen Tag in Katastrophengebiet am Häuser ausräumen und Schlamm schaufeln“, schreibt sie an die Facebook-Seite des Unternehmens. Und weiter: „Er wollte sich heute in ihrer Filiale Wasser kaufen und war natürlich schmutzig, nachdem er anderen Menschen geholfen hat!“ Er sei nicht im Kaufland am Empfang hereingelassen worden, weil er sich „erstmal was Anständiges bzw. saubere Sachen anziehen solle“, schreibt sie aufgebracht.

Er habe zudem eine Maske getragen und sich somit an die aktuellen Corona-Bestimmungen gehalten. Dennoch verwehrten ihm die Angestellten des Supermarkts den Zutritt. „Ich bin gerade zutiefst schockiert und wütend und fassungslos über ein solches Fehlverhalten Ihrer Mitarbeiter und deren Filialleitung und bitte dies unbedingt zu klären“, fordert die Frau. „Dies kann und darf nicht in Ihrem Interesse sein und ich bitte Sie daher dieser Angelegenheit nachzugehen und die Geschäftsleitung für diese Haltung zur Rechenschaft zu ziehen.“

Kaufland lässt Katastrophenhelfer nicht rein - Facebook-Nutzer regen sich auf

In der Kommentarspalte des Facebook-Posts stellen sich viele Nutzer auf die Seite der jungen Frau. „Unverschämt“ oder „Ich bin vollkommen sprachlos“ lauten zwei der vielen Kommentare. „Schickt den Filialleiter Schlamm schippen!“, fordert ein anderer. Mancher fordert sogar die Kündigung der Kaufland-Mitarbeiter: „Gehören alle entlassen, einschließlich Filialleitung.“ Ein weiterer überlegt sogar, den Laden zu boykottieren. „Unfassbar, da sollte man sich überlegen, wo man noch einkaufen geht!“ Eine ähnliche Forderung stellte ein Kunde einer Kaufland-Filiale in Dresden Naulitz: Weil er keine Maske mehr tragen wollte, rief er zum Boykott von Kaufland auf.

Einige sind über das Verhalten der Mitarbeiter allerdings verwundert. Solch einen rauen Ton und Unfreundlichkeit habe man in der Filiale in Sinzig noch nicht erlebt. „Das ist aber echt untypisch. Normalerweise sind dort die Leute wirklich nett und hilfsbereit“, schreibt eine Nutzerin. Schlecht behandelt fühlte sich ein Kaufland-Kunde auch, weil er für seinen Einkauf nicht den ausgeschriebenen Preis gezahlt hatte.

Kaufland: Filialleitung meldet sich nach Beschwerde

Unter der Facebook-Beschwerde meldet sich auch Kaufland zu Wort und bittet um Entschuldigung. „Es tut uns sehr leid, welche Erfahrungen dein Schwager in der Filiale machen musste und wir können deine Empörung sehr gut verstehen. Sowas ist insbesondere in der aktuellen Situation nicht nachvollziehbar und wir möchten uns ausdrücklich dafür entschuldigen!“

Zudem lässt die Frau die Community in einem Nachtrag wissen, dass sich die Filialleitung bei ihr gemeldet hat. „Ich möchte hiermit nicht alle Mitarbeiter dieser Filiale über einen Kamm scheren“, betont sie. „Es ist für uns alle aktuell eine Extremsituation und ich hoffe einfach auf mehr Taktgefühl und Empathie Einzelner und dass dies ein Einzelfall war und bleibt.“

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