Brandgefahr

„Unfassbar“: Kaufland-Kundin entdeckt in Deutschland verbotenes Produkt im Online-Shop

  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Himmelslaternen sind zwar schön anzusehen, wegen erhöhter Brandgefahr ist ihre Nutzung in Deutschland jedoch verboten. Trotzdem verkaufte Kaufland die Lampen bis jetzt online. Wegen der Beschwerde einer Kundin wurde das Angebot inzwischen von der Seite genommen.

Neckarsulm - Der Brand des Affenhauses im Krefelder Zoo in der Silvesternacht 2019/2020 versetzte nicht nur Tierfreunden einen tiefen Schock. 50 Affen verbrannten bei lebendigem Leibe, nachdem eine Himmelslaterne auf das Dach des Gebäudes geflogen war. Wohl ohne böse Absicht hatten eine Frau und ihre zwei erwachsenen Töchter zuvor die Laternen - quasi kleine Heißluftballons aus Papier - mit guten Wünschen beschrieben und kurz nach Mitternacht in den Himmel steigen lassen. Dass die Laternen bereits seit 2009 in Deutschland wegen erhöhtem Brandrisiko verboten sind, wussten sie angeblich nicht.

Spätestens seit jenem Tag dürften einige Menschen dafür sensibilisiert sein, dass von den „Wunschlaternen“ eine nicht zu unterschätzende Gefahr ausgeht. Die Krux: Zwar ist die Nutzung in Deutschland - abgesehen von strengen Ausnahmen - verboten, verkauft werden können sie laut Gesetz aber trotzdem. Irritiert von diesem Paradoxon zeigt sich auch eine Kundin von Kaufland, die kürzlich im Online-Shop Himmelslaternen entdeckte. Angesichts der Vorfälle im Krefelder Zoo hielt sie das Angebot für „unfassbar“.

Kaufland-Kundin schockiert: „Diese Laternen sind aus gutem Grund verboten“

„Sie lassen es doch tatsächlich zu, dass auf Ihrer Plattform Himmelslaternen verkauft werden“, empörte sich die Kundin auf der Facebook-Seite von Kaufland. „Toll, sogar mit biologisch abbaubarem Papier. Da steht nur nicht, dass diese Laternen aus gutem Grund verboten sind.“ Besonders in Hinblick auf die qualvoll verendeten Tiere im Krefelder Zoo halte sie den Verkauf der „chinesischen Wunschlaternen“ für fehl am Platz.

Bevor Kaufland selbst sich zu den Vorwürfen äußerte, reagierten bereits andere Nutzer auf die Beschwerde. „Ja, das Kaufen dieser Laternen ist erlaubt, das Gebrauchen nicht“, meinte ein Kommentator. „Es gibt ja einige Orte in Europa, in denen der Gebrauch nicht verboten ist. Fazit: Nicht kaufen. Fertig!“ Eine andere Nutzerin klinkte sich ein und gab zu bedenken: „So einfach ist es nicht. Viele Leute denken, wenn man die kaufen kann, darf man die auch verwenden.“

Kaufland reagiert - und weist auf „Marktplatzprinzip“ im Online-Shop hin

Auch Kaufland wollte die Kritik nicht so stehen lassen und antwortet der Kundin zunächst: „Vielen lieben Dank für deinen Hinweis, den wir sehr ernst nehmen. Wir möchten dir versichern, dass uns der Vorfall damals genauso berührt und geschockt hat wie viele andere auch.“ Kaufland verspricht, den Hinweis an den Kundenservice zur Überprüfung weiterzuleiten. Die Supermarkt-Kette betont jedoch, dass der Online-Shop nach dem Marktplatzprinzip funktioniere. „Das bedeutet, dass dort verschiedene Verkäufer ihre Angebote einstellen können.“ Von wem das entsprechende Angebot sei, könne man unter dem Warenkorb-Button bei „Verkäufer“ sehen.

Auf Anfrage von BW24 erklärte eine Sprecherin von Kaufland später, dass man bereits Kontakt mit dem entsprechenden Händler aufgenommen habe. „Wir werden das Produkt von unserem Online-Marktplatz schnellstmöglich entfernen“, so die Sprecherin. „Zudem haben wir den Händler darauf hingewiesen, dass er diesen Artikel nicht mehr auf unserem Online-Marktplatz anbieten darf.“ Bei Fällen, in denen Produkte in unzulässiger Weise angeboten würden, gehe Kaufland unverzüglich auf die Händler zu und ergreife entsprechende Maßnahmen. Inzwischen ist das Angebot aus dem Online-Shop gelöscht worden.

Im Zuge der Übernahme von Märkten der Handelskette Real hat Kaufland auch den Online-Shop von Real übernommen. Die ehemalige Website real.de wurde im April 2021 komplett in die Website von Kaufland integriert. Bis zu der Übernahme des Online-Marktplatzes von Real hinkte Kaufland beim Thema Online-Shop weit hinterher: Funktionen für den Lebensmittel-Einkauf waren auf kaufland.de nicht vorhanden, die Website wirkte rückständig. Konkurrenten wie Aldi oder Rewe verfügen hingegen längst über Online-Shops. Nun hat Kaufland aufgeholt.

Rubriklistenbild: © Imago/Michael Gstettenbauer

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