Verlustgeschäft

Kaufland verramscht Produkt, dass noch vor kurzem jeder haben wollte

  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Am Anfang der Pandemie wollte sie jeder haben - jetzt werden sie zum Ladenhüter: Corona-Selbsttests bleiben in Supermärkten wie Lidl und Kaufland reihenweise liegen. Vielerorts werden sie spottbillig verkauft.

Neckarsulm - Als die Supermärkte im März 2021 mit dem Verkauf von Corona-Selbsttests starteten, konnten sie sich vor Kunden kaum noch retten. Bei Aldi, Lidl und Co. gab es einen Ansturm auf die Schnelltests, vor den Märkten bildeten sich lange Schlangen. Mittlerweile hat sich die Lage drastisch gewandelt, einen Ansturm gibt es nicht mehr. Die Tests sind zum Ladenhüter geworden. Der Grund: Viele Freizeitaktivitäten, die seit den Lockerungen wieder möglich sind, verlangen einen negativen Antigentest, der von medizinischem Fachpersonal unter Aufsicht durchgeführt wurde - ein Selbsttest aus dem Supermarkt reicht da nicht aus.

Nun droht dem Geschäft mit Selbsttests auf das Coronavirus in Baden-Württemberg und Deutschland ein millionenschwerer Reinfall. Wegen des großen Angebots an kostenlosen Testzentren greifen die Bürger deutlich seltener zu den Selbsttests im Discounter oder Supermarkt. Wie die Lebensmittelzeitung berichtet, kämpfen Lebensmittel- und Drogeriemarktbetreiber mit einem regelrechten Einbruch der Nachfrage bei den Produkten. Die einst begehrten Tests blieben laut Insidern „wie Blei in den Regalen liegen“.

Lidl, Kaufland und Co. bieten Corona-Selbsttests zum Billig-Preis

Um die Corona-Selbsttests doch noch an den Mann zu bekommen, wirbt beispielsweise Kaufland in seinem aktuellen Prospekt mit Stückpreisen von 1,99 Euro. Auch bei Lidl sind die Corona-Tests im Online-Shop derzeit mit Stückpreisen von 2,99 Euro angeboten. Laut der Lebensmittelzeitung geht Discounter Netto sogar noch weiter und verschenkt ab einem Einkauf von 30 Euro einen Test gratis. Für die Händler ist es ein Verlustgeschäft.

Bei der Markteinführung mussten Verbraucher noch rund 5 Euro pro Test hinlegen. Selbst daran verdienten die Supermärkte nicht viel. Nun sitzen die Händler offenbar auf den alten Tests und müssen sie für deutlich weniger als den Einkaufspreis loswerden. So verkommt der einstige Verkaufsschlager bei Aldi, Kaufland und Co. zum Ramsch-Produkt, wie Heidelberg24* berichtet.

Drogerie dm: „Wir sind mit dem Fuß auf Gas und Bremse unterwegs“

Einen Rückgang bei der Nachfrage nach Tests registriert auch die Drogeriekette dm. „Wir sind mit dem Fuß auf Gas und Bremse unterwegs“, sagte dm-Chef Christoph Werner, der Lebensmittelzeitung. So überwacht die Drogerie mit ihren weltweiten Standorten den Bedarf an Selbsttests in den Filialen über ein automatisiertes System. Dadurch hat dm womöglich einen Vorteil gegenüber Kaufland und Lidl, die durch die liegengebliebenen Tests ein regelrechtes Corona-Fiasko erleben, wie merkur.de* berichtet.

In Hochphasen sollen neben Deutschlands beliebtestem Drogeriemarkt dm auch Müller, Rossmann und Co. einen riesigen Umsatz mit den Tests gemacht haben. So sollen die großen Drogeriemarktketten zeitweise eine sechsstellige Anzahl an Test-Kits pro Tag verkauft haben. Wie ein Handelsmanager der Lebensmittelzeitung berichtete, hat sich diese Zahl jedoch mittlerweile mehr als halbiert. *Heidelberg24 und *merkur.de sind ein Angebot von Ippen.Media.

Rubriklistenbild: © Marcel Kusch/dpa

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