Lidl musste 2010 satte 1,5 Millionen Euro Strafe zahlen

Lebensmittel-Rückrufe bei Kaufland und Co: Was Kunden dann machen sollten

  • Dominik Jahn
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Lebensmittelrückruf: Kunden sollten die Warnungen immer ernst nehmen. Lidl, Kaufland und Co. nutzen die Rückrufe als „Notbremse“.

Gefahr durch Lebensmittel: Nicht selten müssen Lebensmittelgeschäfte oder Hersteller Produkte zurückrufen. Dabei trifft es neben den Top-Marken Lidl und Kaufland auch immer wieder kleinere Super- und Biomarktketten. Auch Drogeriemärkte kennen die Problematik mit fehlerhaften Artikeln.

Die Gefahren können dabei ganz unterschiedlich sein für die Verbraucher, wie echo24.de* immer wieder berichtet. Ganz unmittelbar wird es, wie im Fall von Glassplittern in Meersalz*. Anders sieht es da beim Eis-Rückruf von Lebensmittelhersteller Mars aus. Hier wurde ein krebserregender Stoff gefunden*. Betroffen waren die Ketten Edeka und Rewe.

Rückruf als Notbremse für Lidl, Kaufland und Co.

Doch was bedeuten solche Lebensmittelrückrufe von Lidl und Co. für Kunden? Worauf müssen Verbraucher achten? Welche Rechte haben sie? Was passiert, wenn man vom Rückruf nichts erfahren hat und zu Schaden gekommen ist?

Produkt-Rückruf befreit Hersteller nicht von Haftung*

Mit einer Rückruf­aktion befreit sich der Hersteller nicht von der Haftung. Nur wenn es ihm im Einzel­fall gelingt, ein Verschulden des Betroffenen nach­zuweisen, kommt er an Schaden­ersatz­forderungen ganz oder teil­weise vorbei. Mit einer Produktwarnung verringert das Unternehmen sein Risiko: Steht fest, dass das Opfer den Rück­ruf kannte, und hat es das Produkt trotz Warnung weiter genutzt, wird es allenfalls für einen Teil seines Schadens Ersatz verlangen können.

*Angaben laut Stiftung Warentest

Wie die Verbraucherzentrale auf ihrer Seite erklärt, gilt für Lidl, Kaufland und Co. der Rückruf als absolute „Notbremse“. Grundsätzlich gilt: „Der Hersteller muss von Anfang an dafür sorgen, dass er sichere Produkte auf den Markt bringt und diese auch sicher bleiben.“ Sollte er demnach allerdings nach der Markteinführung Sicherheitsmängel vermuten, muss er reagieren und notfalls das Produkt vom Markt nehmen.

Mängel beim Lebensmittelrückruf: Hohe Strafen für Firmen - Lidl musste 1,5 Millionen Euro zahlen

Zuständig für die Lebensmittelüberwachung sind laut einem Bericht von Stiftung Warentest die entsprechenden Behörden der Städte und Landkreise. Gegenüber der Verbraucherorganisation erklärte das Verbraucherministerium in Baden-Württemberg: „Werden Gefahren bekannt, zeigen sich die betroffenen Unternehmen in aller Regel einsichtig und rufen die Ware von sich aus zurück.“

Ein Rückruf aus eigenem Antrieb heraus hat eine guten Grund - es kann extrem teuer werden für die betroffenen Unternehmen. So hatte im Jahr 2010 das Amtsgericht Heilbronn den Discounter Lidl mit einer Geldstrafe in Höhe von 1,5 Millionen Euro belegt. Das Lebensmittelkette der Schwarz-Gruppe hatte einen mit Listerien belasteten Käse nicht schnell genug aus dem Verkauf genommen.

Kunden müssen Lebensmittelrückrufe unbedingt ernst nehmen

Wichtig: Auch wenn nicht immer eine unmittelbare tödliche Gefahr ausgeht von den betroffenen Produkten, sollten die Kunden jede Warnung und jeden Rückruf ernst nehmen. Besonders Lebensmittel, die gefährliche Keime in sich tragen, bergen auf lange Sicht oft ein tödliches Risiko mit sich.

Laut Stiftung Warentest starben zum Beispiel 2011 mehr als 50 Menschen „an einer mutmaß­lich über Sprossen von Bocks­horn­klee­samen aus Ägypten verbreiteten Infektion durch Ehec-Bakterien“. In den vergangenen zehn Jahren waren besonders Listerien-Keime aus Fisch sowie eine über­höhte Konzentration des natürlichen Gifts Curcurbitacine in Zucchini verantwortlich für weitere Todesfälle.

Rückrufe über Internet, Medien und Aushang in den betroffenen Märkten

Für Lidl, Kaufland und Co. gilt: Sie müssen als Lebensmittelunternehmer die jeweiligen Rückrufe der gefährlichen Produkte selbst in die Wege leiten. „Die jeweils zuständigen Behörden in den Bundes­ländern über­wachen die Maßnahmen des Unternehmers“. Sollte das Produkt bereits mit hoher Wahrscheinlichkeit beim Kunden gelandet sein, dann müssen die Käufer über eine öffentliche Rückrufaktion informiert werden.

Hilfreich ist dabei das Portal lebensmittelwarnung.de vom Bundes­amt für Verbraucher­schutz und Lebens­mittel­sicherheit (BVL) und den Behörden der Bundes­länder. Hier werden die aktuellen Fälle für Lebensmittelrückrufe zusammengefasst. Die Hersteller führen bei Rückrufen in den meisten Fällen auch genaue Produkt-Nummern oder das Mindesthaltbarkeitsdatum auf und veröffentlichen auch ein Foto der betroffenen Ware.

Die Rechte der Kunden bei einem Lebensmittelrückruf von Lidl und Co.

Kunden, die ein mangelhaftes Produkt gekauft haben, sollten es auf keinen Fall einfach wegschmeißen, wenn sie vom Rückruf erfahren haben. Meisten können diese Waren ohne Probleme zurückgegeben werden. Durch den offiziellen Rückruf ist es auch ohne Kassenbon keine Schwierigkeit.

Allerdings wird es laut Stiftung Warentest für Opfer von „Bakterien oder problematischen Chemikalien verseuchten Produkten“ schwer, trotz der grund­sätzlich verbraucherfreundlichen Rechts­lage einen Schaden­ersatz zu bekommen. „Sie müssten nach­weisen, dass ihre Erkrankung auf einem Produkt­fehler beruht, und das ist oft schwierig“.

Wer einen Produkt-Rückruf verpasst hat und zu Schaden gekommen ist, verliert seinen Ersatzanspruch gegenüber dem Hersteller laut Verbraucherzentrale nicht. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Matthias Balk/dpa

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